Smart Investor 10/2017 – Editorial

Christoph Karl, stellvertretender Chefredakteur

Für Martin Schulz ist der Fall klar: „Bei den Mieten ist eine Obergrenze erreicht, notfalls müssen wir die Mieten deckeln“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der BILD-Zeitung vor der Bundestagswahl. Nun wird es nicht an diesem Thema gelegen haben, dass seine SPD mit nur knapp über 20% eine historische Schlappe eingefahren hat. Faszinierend daran ist aber die ökonomische Ahnungslosigkeit, die der ehemalige Buchhändler Schulz offenbart. Womit sich der neue „Weltökonom“ der SPD wenig von der alten und neuen Kanzlerin unterscheiden dürfte.

Selbst ohne BWL-Studium ist jedem halbwegs vernünftig denkenden Menschen klar, dass es eben nicht die mangelnde Deckelung, sondern unattraktive Rahmenbedingungen sind, die für zu wenig Wohnraum sorgen. Nun kann man lange darüber diskutieren, ob die Mieten noch bezahlbar sind. In Städten wie München sind durchaus Zweifel angebracht. Mit einer Deckelung dürfte die Politik aber auch dort niemanden zum Bauen animieren. Vielmehr werden es weniger Bauvorschriften und attraktive Mietenrenditen sein, die Investoren zur Schaffung von neuem Wohnraum animieren.

Die Diskussion offenbart aber auch die generelle Logik der politischen Klasse. Wenn uns der Markt genehm ist, lassen wir ihn gewähren, wenn er uns in die Quere kommt, greifen wir dagegen ein. Nirgends ist dies so leicht wie bei Immobilien. Denn deren Name trägt es bereits in sich: Sie sind „immobil“. Die optimistischen Annahmen vieler Immobilienkäufer dürften unter solchen Rahmenbedingungen aber kaum aufgehen. Denn wer zu heutigen Preisen in guten Lagen kauft, muss auf dramatische Mietsteigerungen setzen. Bleiben diese aus, wird auch aus Betongold leicht ein Minusgeschäft.

Mit den diversen Einflussfaktoren auf die Immobilienpreise beschäftigen wir uns auf S. 6. Im Interview mit Dr. Jobst Kayser-Eichberg sprechen wir über den Irrsinn des Münchener Immobilienmarktes. Und unsere jährliche Analyse der börsennotierten Immobilien-AGs inklusive ausführlicher Tabelle finden Sie ab S. 10. Auf S. 48 stellen wir Ihnen zudem eine Value-Immobilienaktie aus dem Münchener Umland vor.

Apropos Preisbremsen: Wohin diese gepaart mit ein paar anderen dirigistischen Maßnahmen logischerweise führen müssen, das kann man seit einigen Monaten im ehemals sozialistischen „Musterstaat“ Venezuela bewundern. Wir haben uns diesen Fall aus Sicht der Austrian Economics angesehen (S. 20).

Und danach heißt es: „It’s showtime!“ Ab S. 22 lesen Sie ein erhellendes und zugleich wachrüttelndes Interview mit dem Buchautor und Historiker William Engdahl über Trumps Präsidentschaft, die USA im Allgemeinen und deren Beziehung zu Russland.

Das Thema Bundestagswahl haben wir in dieser Ausgabe ausgespart. Schließlich wurde die entscheidende Personalie Angela Merkel im letzten Heft ausgiebig und – wie wir glauben – erschöpfend behandelt. Auf jeden Fall hagelte es daraufhin bei uns in der Redaktion jede Menge kritische und zustimmende Statements. Eine repräsentative Auswahl davon wollen wir Ihnen dann doch nicht vorenthalten – Sie finden sie in unserer Rubrik „Leserbriefe“ ab S. 62.

Freuen Sie sich also auf eine erkenntnisreiche Lektüre!

Herzlichst

Christoph Karl