Löcher in der Matrix – Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.

Weniger Kohlemeiler könnten Stromversorgung sicherer machen“ (spiegel.de)

Gebetsmühlen sind keine originär deutsche Erfindung. Wenn es um die Sicherheit der deutschen Stromversorgung geht, wird das Prinzip aber gerne genutzt: Gebetsmühlenartig wurde erklärt, dass diese Sache mit den erneuerbaren Energien an sich ja ganz nett sei. Aber die Grundlastfähigkeit, schwierig. Erneuerbare seien so grässlich fluktuierend, gar nicht gut für die Netzsicherheit. Ohne hinreichende Ausstattung mit Kohle- und Gaskraftwerken sei die Stromversorgung nicht sicherzustellen. Dunkler Wintertag ohne Sonne, mit Flaute. Eingängig.

Die Feststellung einer Expertenrunde des Bundeswirtschaftsministeriums, als Noch-SPD-Ministerium kumpelfeindlicher Umtriebe einstweilen maximal unverdächtig, sorgte daher für hohe Aufmerksamkeit: Weniger Kohlemeiler in Deutschland würden die Versorgungssicherheit nicht nur nicht gefährden, sondern vielmehr sogar befördern. Na, da ist den Lordsiegelbewahrern der Versorgungsicherheit aber das Monokel auf die Tischplatte geknallt! Die Leitung des Ministeriums ließ wissen, dass das Papier der Expertengruppe nicht mit der Ministerin abgestimmt sei. Wohlgemerkt: Der Befund wurde nicht kassiert, sondern lediglich als vorgeprescht gegeißelt.

Nun soll er hier nicht darum gehen, ob fünf oder zehn Kohlemeiler weniger in Deutschland sinnvoll sind oder nicht, wenn gleichzeitig in Indien und China 50 oder 100 neue entstehen – am besten noch mit hochgelobter deutscher Kraftwerkstechnologie. Aber dass auf einmal die Abschaltung von Kohlekraftwerken die Versorgungssicherheit befördert und auch nach abgeschlossenem Atomausstieg noch etwa 20% Überkapazität am Netz hängen wird – das sind doch erstaunliche Zahlen aus dem Ministerium.

Wenn denn etwas sicher in Deutschland war, dann die Gebetsmühlen-Strophe von der Unsicherheit der Stromversorgung, wenn auf die Kohle verzichtet wird. So hat am Ende doch wieder Joachim Ringelnatz recht: Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.

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