SIW 46/2017: The Show „Musk“ go on

Geschafft!

Gestern Abend ging der Smart Investor 12/2017 in Druck. Rechtzeitig zum Wochenende wird das Heft online verfügbar sein oder als Printausgabe in den Briefkästen unserer Abonnenten liegen. Wieder einmal liegen ereignis- und arbeitsreiche Wochen hinter uns. In der Titelstory beschäftigen wir uns diesmal mit Nebenwerten. Wie im richtigen Leben finden sich auch an der Börse die wahren Schätze selten entlang der ausgetretenen Pfade. Aber auch nicht jedes kleine Unternehmen ist ein Bringer. Wir zeigen Ihnen das Beste aus den Segmenten Small Caps, Micro Caps und Nebenwerte Dauerläufer. Das Gegensatzpaar „klein/groß“ zieht sich durch die gesamte Ausgabe. So berichten wir von der 5. Ludwig von Mises Institut Deutschland Konferenz, die unter dem Motto „Small is beautiful – vom Vorteil kleiner politischer Einheiten“ in München stattfand. Kleine Einheiten, das sind auch viele „Steueroasen“, die nun mit den „Paradise Papers“ von stark interessierten Kreisen an das Licht einer mäßig interessierten Öffentlichkeit gezerrt wurden. Wir machen uns Gedanken über die Hintergründe der Enthüllungen. Zumindest eines ist klar. Oasen werden nur dort als Oasen wahrgenommen, wo das umgebende Land aus Wüste besteht.


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Stockholm-Syndrom?

Auf der politischen Bühne scheiterte „Jamaika“, also der Versuch Feuer mit Wasser zu vereinen und als Ergebnis mehr als nasse Asche zu erwarten. Wenn sich Parteien in ihren Markenkernen spinnefeind sind, dann sind es FDP und CSU auf der einen und „Die Grünen“ auf der anderen Seite. Da half es auch nichts, dass man in bester Verkäufermanier zunächst unter alle halbwegs unstrittigen Themen einen Haken setzte, wohl in der Hoffnung, dass dann auch die kritischen Punkte abgenickt würden. Wurden sie aber nicht und das ist das Verdienst von FDP-Chef Lindner, was ihm prompt einen Shitstorm des Mainstreams eintrug. Das darf er getrost als Bestätigung seiner Haltung werten. Interessant ist, was im Nachgang über die Verhandlungen publik wurde. CSU-Chef Seehofer war wieder einmal eingeknickt. Der Hauptgraben der CDU bestand zur FDP, nicht zu den Grünen. Die einzige, die auch dieses Mal wieder alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht hatte, war Angela Merkel, die sich deshalb für den Fall von Neuwahlen auch gleich selbst zur Kanzlerkandidaten erklärte. Obwohl sie ihrer Partei gerade erst in eine Niederlage historischen Ausmaßes beigebracht hatte, regt sich kaum Widerstand. Die CDU scheint weiter unfähig, sich von Merkel zu befreien – eine Art kollektives Stockholm-Syndrom. Da ist jede weitere Wahlniederlage der Partei hochverdient. Und liebe Leser, wenn Ihnen jemand ernsthaft vorrechnet, wie teuer Neuwahlen wären, in einem Land, das in den letzten Jahren Milliarde um Milliarde verpulvert hat, dann wissen Sie, dass man Sie nicht ansatzweise ernst nimmt. Aber möglicherweise wird es auch gar nicht zu Neuwahlen kommen. Denn derzeit wird die SPD bearbeitet, neben der CSU als weiteres Anhängsel Merkel aus „staatsbürgerlicher Verantwortung“ das Kanzleramt zu erhalten. Die Zustimmung für diese „Große Koalition“ ist allerdings aktuell auf 51% gefallen, unmittelbar darunter beginnen die Minderheitsregierungen. Bis es so weit kommt, ist das Land jedoch nicht ohne Regierung, wie das jetzt gerne kolportiert wird. Im Gegenteil: Eine bloß geschäftsführende „Mutti“ ohne stabile Mehrheit im Bundestag, an dem sie ohnehin vorbeiregiert, könnte lediglich nicht mehr ganz so viel Schaden anrichten wie bisher. Der Aktienmarkt quittierte das Jamaika-Aus jedenfalls erstmal mit Kursgewinnen.

There’s no business like showbusiness

Tesla-Chef Elon Musk will für einen großen Visionär gehalten werden. Dass er ein großer Showman ist, hat er dagegen bereits hinlänglich bewiesen. Zuletzt am vergangenen Donnerstag bei der Präsentation des neuen Tesla-LKWs und eines neuen Roadsters. Seit Steve Jobs ist dies ohnehin der Standard unter den Silicon Valley-Größen: Kein neues Gadget ohne große Bühne, keine Visionen ohne dazugehörige Show. Im Fall von Tesla fahren erst einmal zwei mäßig imposant aussehende Lastwagen vor. Beim Publikum sorgt dies bereits für ein Kreischen, wie man es sonst nur von Konzerten einer Boygroup kennt. Wirkliche Begeisterungsstürme brechen jedoch erst los, als Musk aus dem Lastwagen steigt und über die technischen Vorzüge des neuen Wunderwerkes losstottert. Kein Wunder, schließlich ist all das, was er sagt, so unglaublich, dass das Publikum bei jedem kleinen Detail erneut in Jubel ausbricht. So soll der Truck in fünf Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde beschleunigen, bis zu 400 Meilen mit einem Ladevorgang bewältigen und bereits heute günstiger im Unterhalt sein soll, als ein herkömmlicher Diesel.

Jede Menge offene Fragen

Doch Ironie aus: Das ganze Schauspiel mutet bisweilen so skurril an, das jedem halbwegs nüchternen Beobachter klar werden musste, dass es sich um ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver handelt. Seit Monaten bekommt Tesla die Produktion des Model 3 nicht in den Griff. Auch 2018 dürften die Produktionsziele massiv verfehlt werden. Zuletzt verbrannte Tesla ca. 1,4 Mrd. USD im Quartal. Bereits im Sommer des nächsten Jahres wird eine neue Kapitalinjektion nötig sein. Wie es angesichts derart drängender operativer Probleme sinnvoll sein kann, sich zwei neue Großbaustellen an den Hals zu binden, sollten sich langsam auch notorische Tesla-Fans fragen. Überhaupt hat Elon Musk noch viele Fragen zu beantworten: Wo soll der Truck gebaut werden? Ist 2019 tatsächlich ein realistisches Datum für den Produktionsstart? Woher soll das Geld für diese völlig neue Produktion kommen? Wieviel wird der Aufbau des speziell für die LKWs notwendigen Service- und Ladenetzes (sogenannte „Megacharger“) kosten?

Chefvisionär bitte zum Doktor

Der Tesla-Chef scheint vollkommen den Bezug zur Realität verloren zu haben. Und verkauft abermals Produkte, die es noch lange nicht gibt. Helmut Schmidt wollte Visionäre einst zum Arzt schicken. Für das Mega-Visionärstum Musk’scher Prägung scheint dagegen noch keine Behandlungsmethode gefunden zu sein. Die Anzahlung für die Reservierung eines Trucks liegt übrigens bei 5.000 USD, beim Roadster sogar bei 50.000 USD. Man möchte fast meinen, dass sich Musk sich damit eine neue Finanzierungsquelle erschließen will. Bestenfalls könne er damit nach Expertenmeinung 300 Mio. USD einsammeln. Exakt die Summe, die Tesla derzeit in rund zwei Wochen verbrennt. Das interessanteste am Tesla-LKW ist jedoch, dass die Börse nicht mehr auf die neue Story aufspringt. Mehr zu unserem Turbo-Short auf Tesla lesen Sie im heutigen Musterdepot sowie im neuen Smart Investor, der am Samstag in Ihrem Briefkasten ist. Unsere ausführliche Analyse zu Tesla finden Sie im Heft 8/2017 (können Sie auch hier bestellen). Darin beschäftigen wir uns auch mit den diversen anderen Themen, die das Zeug dazu haben, das Kartenhaus Tesla zum Einsturz zu bringen. 

Zu den Märkten

Nach der Musk-Show eröffnete Tesla zwar deutlich höher, allerdings wurde dieses Niveau offenbar ausgiebig genutzt, um weiteres Material abzuladen. Entsprechend schloss die Aktie in der Nähe des Tagestiefs – ein deutliches Schwächezeichen (vgl. kleiner Chart, gelbe Markierung). Musks Methode, die Phantasie mit immer neuen Ankündigungen am Köcheln zu halten, scheint immer weniger zu verfangen. Irgendwann einmal wollen auch die geduldigsten Aktionäre Zahlen sehen – positive Zahlen. Angeschlagen war die Aktie aber bereits davor. Nicht nur, dass sich auf Tagesbasis eine vollendete Schulter-Kopf-Schulter-Umkehrformation mit lehrbuchmäßigem Pull-Back zeigt (rote Markierungen, kleiner Chart), dieser folgte dann auch noch unmittelbar ein Abwärts-Gap unter den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (blaue Linie).

Technisch ist die Aktie damit bereits im Abwärtstrend. Allerdings dürften viele Anleger noch auf großen Tesla-Gewinnen sitzen und die ersten schwachen Verkaufssignale übersehen. Hinzu kommt, dass es noch immer ziemlich schick ist, „was mit Tesla zu machen“. Bei solchen Investments aus weltanschaulichen Gründen drängt sich der Vergleich zu Geldverbrennern wie der deutschen Solarworld auf. Deren gläubige Jünger hielten die Aktie eisern bis zur fast vollständigen Kapitalvernichtung durch. Ein derartiges Anlageverhalten ist nicht Ausdruck besonderer Ethik, sondern Ausdruck besonderer Dummheit. Zoomen wir bei Tesla etwas heraus, dann sehen wir die entscheidende „rote Linie“ in Form des langfristigen Aufwärtstrends, der aktuell bei ca. 285 USD verläuft. Allerspätestens wenn dieser gebrochen wird, muss man raus, selbst wenn Musk dann Space-X und Tesla fusioniert und die Produktion der Elektro-Rakete ankündigt.

Musterdepot Aktien & Fonds

Lesen Sie im heutigen Musterdepot mehr zu unserem Tesla-Short sowie über eine Reihe neuer Verlaufsorders. Weiteres erfahren Sie im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

In eigener Sache

Im Nachgang zur Internationalen Edelmetall- & Rohstoffmesse sprach der bekannte TV-Journalist Frank Meyer für das Portal www.metallwoche.de mit unserem Redakteur Ralph Malisch. Es ging primär über den Bitcoin und Gold, ein wenig aber auch über Gott und die Welt. Viel Spaß beim Reinhören!

Fazit

Es ist das Schicksal des Hochstaplers, dass er solange Geschichten erzählen muss, bis es ihm keiner mehr glaubt. Statt neue Wahnsinnsprojekte anzukündigen, sollten Elon Musk und Tesla erst einmal beweisen, dass sie überhaupt eine Massenproduktion zum Laufen bringen können.

 

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.