Smart Investor 2/2018: Krypto-Disruption

Nackenschläge satt
Anhänger von Kryptogeldern bemühen gerne das Wort Disruption, wenn es um die Auswirkungen der inzwischen unüberschaubaren Anzahl an Coins und Tokens auf unser künftiges (Wirtschafts-)Leben geht. Nun scheint es, als seien Bitcoin & Co. selbst Opfer einer Disruption geworden. Oder war dies nur die längst überfällige technische Reaktion auf einen extremen Aufwärtstrend, in dessen Verlauf sich der Bitcoin alleine während der letzten zweieinhalb Jahre mehr als verfünfzigfachte? Auf dem zum Jahreswechsel vergleichsweise richtungslos gewordenen Markt platzte am 5. Januar eine Meldung, wonach VISA hunderttausende Bitcoin-Kreditkarten gesperrt habe. So prominent in diesem Zusammenhang das Wort „Bitcoin“ fiel, so wenig hatte der Vorgang mit dem Kryptogeld selbst zu tun. Vielmehr kündigte VISA den Lizenzvertrag mit der ausgebenden Wave Crest Holdings Ltd., weil diese die VISA-Regeln kontinuierlich nicht eingehalten habe.

Südkoreanischer Versuchsballon?
Den zweiten Schlag versetzte Südkorea dem Bitcoin, als der dortige Justizminister Park Sang Ki verlautbarte, dass sein Ministerium ein Gesetz zum Verbot des Handels mit Kryptogeldern vorbereite. Zwar zeigt die bisherige Erfahrung, dass solche Alleingänge einzelner Staaten eher Demonstrationen der eigenen Ohnmacht waren – die Krypto-Karawane zog weiter –, aber dass sich ausgerechnet die technikbegeisterten Asiaten hier als „Maschinenstürmer“ betätigen wollen, verunsicherte die Fangemeinde dann doch. Der Gegenschlag ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Eine Petition gegen das angekündigte Verbot konnte in kürzester Zeit mehr als 120.000 Unterstützer mobilisieren. Bereits nach wenigen Tagen ging der südkoreanische Präsident auf Distanz zu seinem Justizminister. Möglicherweise war das Ganze auch nur eine Art Versuchsballon?

Warnende Stimme
Schließlich machte sich auch Warren Buffett ordentlich Luft in Bezug auf den Bitcoin. Das Kryptogeld widerspricht schließlich so ziemlich jedem einzelnen Prinzip, an das die Investorenlegende aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung glaubt. „Böse“ werde es demnach mit dem Bitcoin und dessen Anhängern enden, orakelte der Altmeister jüngst. Allerdings war auch diese Aussage nicht ganz neu, denn Buffett warnt bereits seit dem Jahr 2014 öffentlich vor dem Kryptogeld.

Abb.: Bitcoin in USD

Bislang wurde nur die steilste der zahlreichen Aufwärtstrendlinien (blau) nach unten durchbrochen

Erste Dellen
Dies alles dürfte zu jener Gemengelage beigetragen haben, die dem Bitcoin im Januar so zusetzte. Charttechnisch befindet dieser sich zwar noch immer im Aufwärtstrend (Abb., Darstellung in USD), wobei lediglich die letzte und steilste Aufwärtstrendlinie (blau) bislang nach unten durchbrochen wurde – mit dem Rückenwind der eingangs erwähnten Nachrichten. Von der 200-Tage-Linie, die aktuell bei rund 5.700 USD verläuft, ist der Bitcoin aber noch meilenweit entfernt. Eine vollständige Entwarnung ist dies jedoch nicht, denn charttechnische Fahnenstangen sterben üblicherweise in einer himmelhoch jauchzenden Euphorie, die den „irdischen“ gleitenden Durchschnittslinien bereits weit enteilt ist. Sollte der Aufwärtstrend noch über nennenswerte Schubkraft verfügen, dann ist eine erneute und überzeugende Aufwärtsbewegung unvermeidbar. Bleibt diese aber aus, sollte man den Bitcoin erst einmal meiden, denn dann ist zwischen einer bloßen Konsolidierung und einem weiteren Absturz alles möglich.

Hintergründe
Wer Hintergrundinformationen zu Bitcoin, Dash & Co. sucht, dem sei noch einmal unsere Beilage zum Smart Investor 11/2017 empfohlen: „Gold vs. Bitcoin – Wie Kryptogeld unser Denken verändert“. Ebenfalls eine Fülle an Hintergrundinformationen haben die Analysten der Liechtensteiner Incrementum AG in ihrem ersten Crypto Research Report zusammengetragen. Dieser kann unter folgendem Link abgerufen werden: smart-i.de/CRR2017.

 

Der Beitrag erschien im Smart Investor 2/2018 (Redaktionsschluss: 19.1.2018)