Smart Investor 2/2018: Diesseits der Disruption

Der folgende Auszug stammt aus dem Smart Investor 2/2018 und ist Auftakt einer losen Artikelserie über neue Technologien, unter anderem in den Bereichen Healthcare, Mobilität, physikalische Chemie und Telekommunikation.

 

Eines der Lieblingswörter begeisterter Technologieinvestoren lautet Disruption: Eine neue Killer-Anwendung löst das Bestehende ab. Digitalkamera statt Diafilm von Kodak, man kennt die Geschichten, auch jene der Handys mit und ohne Tasten. Doch nicht jede aussichtsreiche Technologie muss etwas komplett Neues schaffen. In einer kleinen Serie beleuchtet Smart Investor technologische Entwicklungen diesseits der Disruption, in die zu investieren eine attraktive Alternative darstellen kann.

Steigerung der Produktivität bedeutet Ausweitung der Marge
„Eine substanzielle Berechtigung haben vor allem die Technologien, die zur Lösung der großen strukturellen und demografischen Herausforderungen der Zukunft beitragen, also echten volkswirtschaftlichen Nutzen bringen“, befindet Andreas Dagasan, Senior-Portfoliomanager für Technologieinvestments bei dem Asset-Manager Bantleon. Besonders interessant sind für ihn diejenigen Technologien, die zu einer dauerhaften Produktivitätssteigerung beitragen, während dagegen Investments in Social Media oder Lifestyle aufgrund ihrer Schnelllebigkeit mit zu hohen Risiken behaftet seien. „Wir setzen auf Unternehmen, die nachhaltige Produktivitätssteigerungen ermöglichen oder unmittelbar davon profitieren. Dabei stehen strukturelle Trends und wachstumsstarke Querschnittstechnologien im Fokus“, so Dagasan. „Unternehmen in diesen Bereichen zeichnen sich durch hohe Margen und überdurchschnittliches Wachstumspotenzial aus“, ergänzt Sebastian Finke, ebenfalls Senior-Portfoliomanager bei Bantleon. Ein attraktiver Nebeneffekt sei, dass die Abhängigkeit von einzelnen NASDAQ-Schwergewichten anders als in klassischen Technologie-Investmentstrategien deutlich reduziert werden könne.

Prof. Dr. Ulrich Mescheder, Leiter des Instituts für angewandte Forschung der Hochschule Furtwangen und Mitglied des für die frühe Identifizierung und Bewertung von Schlüsseltechnologien gegründeten „Bantleon Technology Council“, zählt zu den führenden Köpfen, wenn es um die Analyse von Produktionsprozessen geht. Er analysiert die Abläufe in den Fabriken von heute und erforscht, wie in der Fabrik von morgen produziert werden wird. Seine Erkenntnis: „Das Megathema Industrie 4.0, das derzeit die Diskussion oft dominiert, wird nicht in allen Bereichen zu einer radikalen Änderung der Wertschöpfungsketten führen.“ Neben Produktionsprozessen, welche die vielzitierte Losgröße 1 zum Ziel haben, werde es laut Mescheder weiterhin Massenmärkte geben, die durch hohe Stückzahlen, hohe Effizienz, geringe Margen und steten Preisverfall charakterisiert seien. Beiden Bereichen gemein sei jedoch, dass die Anwendung neuster Technologien über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen entscheiden wird.

Sensorik für stabile Prozesse kommt Schlüsselrolle zu
Ein Beispiel dafür sei die Produktion von Batteriezellen. Hier komme es auf höchste Präzision in der Prozesskette an. Dies erfordere objektivierbare Messungen, wofür eine Vielzahl von Sensoren benötigt werde, etwa um Temperaturen, Drücke oder Rotationen zu registrieren. Profiteure der Entwicklung wären also nicht die Hersteller von Batteriezellen, sondern Unternehmen, die etwa Sensoren herstellen und dazu das technische Wissen besitzen, diese Sensoren auch im Prozess zu platzieren.

Den tatsächlichen Schließdruck direkt im Werkzeug zu messen ist zum Beispiel eine solche Herausforderung, ebenso wie die exakte Temperaturmessung etwa im Heißkanal einer Spritzgussmaschine. Hinzu kommt das Wissen, die so gesammelten Daten zu interpretieren und aufzubereiten, um den Herstellungsprozess entsprechend zu kontrollieren und am besten in Echtzeit zu steuern. Das Thema Big Data spiele also nicht nur in der Social-Media-Welt etwa zur Steuerung personalisierter Werbung eine wichtige Rolle, sondern auch im Produktionsprozess. Der werde im Übrigen auch durch neue Technologien wie Elektromobilität oder autonomes Fahren nicht grundlegend geändert: „Es bleibt bei einem Produktions- oder Montagevorgang, den es zu optimieren gilt.“

Diese Einschätzung teilt Dagasan: Die Investition in Massenhersteller sei selbst dann uninteressant, wenn Zukunftsprodukte wie Batteriezellen hergestellt werden. „Wichtig ist es, dass sich das Unternehmen komplett wandelt und Produkte und Lösungen anbietet, die eben nicht dem Margendruck der Massenherstellung unterliegen.“ Als positives Beispiel nennt Dagasan die Infineon AG, die sich „umfassend“ umgestellt habe und deshalb als ein Gewinner in der Produktion der Zukunft sein werde. Auch Siemens oder ABB mit den Sparten zur Industrieausrüstung seien auf gutem Weg. Einer der Favoriten ist nach Dagasans Ansicht aber vor allem der Automatisierungsspezialist Fanuc aus Japan.

Additive Verfahren: Zahlreiche technische Ansätze im 3D-Druck
Neben der weiter ausgefeilten Massenproduktion gehen die Experten davon aus, dass deutlich individualisierte Prozesse ebenfalls an Bedeutung gewinnen werden. Denkbare Anwendungsgebiete seien

 

Hinweis: Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Smart Investor 2/2018 ab S. 18.