Smart Investor 4/2018: Ein neuer Goldrausch in Kanada

Die alte Geschichte von Boom und Bust

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Wildnis des kanadischen Bundesstaates Ontario reiche Metallvorkommen entdeckt. Es entstand der erste Goldrausch des 20. Jahrhunderts, dem die Stadt Timmins im Jahr 1912 die Gründung verdankt. Seit 1901 wurden in Ontario und der Nachbarprovinz Québec in über 100 Minen etwa 200 Mio. Unzen Gold gefördert. Bezeichnungen wie Val d’Or (Tal des Goldes) erinnern an die Zeit, als König Midas diese Gegend von Nordamerika regierte.

In Rouyn-Noranda wurde 1922 Noranda Inc. gegründet, eines der bekanntesten Bergbauunternehmen des 20. Jahrhunderts, das im Abitibi-Grünsteingürtel eine der größten Kupferminen betrieb – bis 1976 die Reserven erschöpft waren. Noranda ging unter, die Reste davon gehören heute zu Glencore. Mit dem Verfall der Metallpreise kam der Niedergang dieser ganzen Gegend. Das änderte sich erst Anfang des 21. Jahrhunderts, als überraschend ein weltweiter Rohstoffboom begann. Ob Barrick oder Goldcorp – heute betreibt jeder der großen Edelmetallproduzenten im Gürtel mindestens eine Mine.

Der Abitibi-Grünsteingürtel ist 650 km lang und 150 km breit und liegt im Südosten Kanadas. Die Metropolen Québec und Montreal sind für amerikanische Verhältnisse nicht weit entfernt – ein Gebiet mit mittlerweile gut ausgebauter Infrastruktur, das aus den Bergbaudistrikten Timmins, Kirkland Lake und Matachewan (Ontario) im Westen und Rouyn-Noranda, Cadillac, Malartic, Val-d’Or und Chibougamau (Québec) im Osten besteht. Geologisch handelt es sich um ein 2,6 bis 2,8 Mrd. Jahre altes Vorkommen von Vulkangestein am Rand des kanadischen Schilds. Grünsteingürtel des Archaikums sind allgemein reich an Bodenschätzen.

Milliarden-Übernahme löst Explorationsfieber aus

Den jüngsten Goldrausch im Grünsteingürtel hat Osisko Mining ausgelöst. Das Unternehmen entwickelte Canadian Malartic zur größten Gold- und Kupfermine Kanadas und verkaufte diese im Jahr 2014 für ungeheuerliche 3,91 Mrd. CAD an Agnico Eagle und Yamana Gold. Andere Unternehmen folgten mit weiteren, wenn auch nicht ganz so spektakulären Übernahme-Deals. Danach brach zwischen Timmins und Val-d’Or das Explorationsfieber aus. Die Chancen stehen gut, dass das dafür ausgegebene Geld gewinnbringend angelegt ist. Denn es gibt viele verlassene Bergbaugelände, die man mit modernen Methoden zu neuem Leben erwecken kann. Trotz mehr als 100 Jahren Minenbetrieb ist diese Gegend noch längst nicht ausgebeutet. Die Goldgehalte im Gestein sind auch heute noch je nach Liegenschaft mit 1,5 bis über 20 Gramm pro Tonne erstaunlich hoch.

Zwei „Platzhirsche“ auf dem Feld

Kirkland Lake Gold (IK) und Osisko sind die „Spitzenreiter“ unter den Minenunternehmen, die ihre Aktivitäten auf den Abitibi-Grünsteingürtel konzentrieren.

Die Macassa Mine in Kirkland Lake, Ontario, einer der Bergbaubetriebe mit den höchsten Goldgehalten weltweit, legte den Grundstein für den Erfolg von Kirkland Lake Gold. Im Jahr 2016 dann der Paukenschlag: Durch Übernahmen kamen die Fosterville Gold Mine in Australien und die East Timmins Operations in Ontario dazu – ein Wachstum von Produktion und Unternehmensgröße um 100%.

Sean Rosen und Robert Wares, die „Väter des Erfolgs“ von Canadian Malartic, verabschiedeten sich nach dem Verkauf der Mine nicht in den Ruhestand. Aus der alten Osisko wurde Osisko Gold Royalties, wo die Firmenbeteiligungen gebündelt sind. Sean Rosen versucht, als Chairman der neuen Osisko Mining und von Falco Resources in Québec die Erfolgsgeschichte von Canadian Malartic zu wiederholen (geplanter Produktionsstart: jeweils etwa 2021). Robert Wares ist Chairman des ebenfalls in der Provinz Québec aktiven Explorers Beaufield Resources.

Auch Maple Gold (IK) hofft, dass aus dem „Douay Gold Project“ in Québec die „nächste Canadian Malartic“ wird. Wenn es gelingt, durch aggressive Exploration ein Erzvorkommen von über 5 Mio. Unzen Gold zu definieren, ist das für jeden Großen der Branche interessant. Maple Gold beabsichtigt, dieses Projekt in absehbarer Zeit zu verkaufen. Denn ein Unternehmen mit etwa 35 Mio. USD Börsenwert ist nicht in der Lage, den Bau einer so großen Mine zu finanzieren.

Die Großen sind bereits an Bord

Die großen Gesellschaften haben sich über die Teilnahme an Kapitalerhöhungen bei den Juniorfirmen längst eingekauft – was ein eher gutes Zeichen ist. Goldcorp hält 14% der Aktien von Probe Metals, Agnico Eagle ist mit 17% bei Cartier Resources (IK) dabei. Kirkland Lake Gold ist an den Explorern BonTerra und Metanor mit 9,5% bzw. 12% beteiligt. Kinross Gold besitzt 7,5% der Anteile von BonTerra. Philippe Cloutier, der CEO von Cartier Resources, sagte bei einem Gespräch in Frankfurt, dass Agnico Eagle als Großaktionär seines Unternehmens dessen Entwicklungsmöglichkeiten keineswegs beschneidet: „Wenn ein Aktionär weniger als 20% der Anteile hält, hat er keine beherrschende Stellung. Wenn sich ein Großer beteiligt, ist er meist nur an einem von mehreren Projekten interessiert.“

Fazit

Die meisten der Aktien gibt es, bezogen auf den letzten Höchstkurs, derzeit zum halben Preis (siehe Tabelle). Die eine oder andere davon dürfte für einen Höhenflug in den kommenden Jahren gut sein.

Rainer Kromarek