Smart Investor 12/2018 – Roatán

Karibikjuwel mit Charme

„Die Kriminalitätsrate in Honduras ist, trotz des Rückgangs der Anzahl der verübten Gewaltverbrechen, nach wie vor sehr hoch. Sie ist, besonders unter Drogeneinfluss, von hoher Gewaltbereitschaft und einer geringen Hemmschwelle beim Gebrauch von Schusswaffen geprägt.“ So heißt es vonseiten des Auswärtigen Amtes zu den landesspezifischen Sicherheitshinweisen im Falle Honduras’. Das klingt wenig einladend. Dass es tatsächlich schlecht um die Lage vor Ort bestellt sein muss, zeigt sich auch an den Tausenden Migranten aus Mittelamerika, die derzeit auf der Suche nach einem besseren Leben zu Fuß gen USA ziehen – denn viele von ihnen stammen aus Honduras.

Zweitgrößtes Korallenriff der Welt

Zum Staatsgebiet des mittelamerikanischen Landes zählt auch die vor der Nordküste und somit in der Karibik gelegene Inselkette Islas de la Bahía. Die größte davon heißt Roatán und war früher ein Rückzugsort für Piraten – die Inselhauptstadt Coxen Hole ist sogar nach dem berühmten Piraten John Coxen benannt. Das klingt zunächst ebenfalls nicht gerade vertrauenerweckend. Doch zum einen liegen diese Zeiten lange zurück, zum anderen befindet sich die Insel rund 56 Kilometer vom Festland entfernt. Diese räumliche Trennung wirkt wie ein Sicherheitspuffer. Auf Roatán gibt es zwar auch Verbrechen, meist handelt es sich dabei dann aber um Diebstahl und Einbrüche. Ein Grund, sich nicht für diese Insel zu interessieren, ist das aber nicht zwingend.

Wer sich nicht abschrecken lässt und auch die weite Anreise nicht scheut, die vermutlich von Deutschland aus über einen Zwischenstopp in Miami vonstattengeht, kommt speziell als Freund von sommerlichen Urlaubsparadiesen auf seine Kosten. Denn Roatán ist zwar nur rund 60 Kilometer lang und etwa 6 Kilometer breit, aber daran gemessen trotzdem recht vielseitig. Dafür sorgen die malerischen Sandstrände, das türkisblaue Wasser sowie die grüne Hügellandschaft plus Mangrovenwald. Aus der Luft oder vom Meer aus betrachtet sorgt diese Kulisse sogar für einen gewissen Wow-Faktor. Wobei als unbezahlbarer Pluspunkt mit dem Maya Barrier Reef direkt vor der Küste auch noch das zweitgrößte Riff der Welt hinzukommt. Die zahlreichen Meereslebewesen, die sich unter Wasser tummeln und zu denen auch Walhaie gehören, locken zusammen mit den interessanten Korallenstrukturen zahlreiche Taucher an.

Noch moderate Immobilienpreise

Nicht zuletzt die Kreuzfahrtindustrie trägt dazu bei, dass Roatán inzwischen rund 1 Mio. Touristen im Jahr verzeichnet. Bei einer geschätzten Einwohnerzahl von 65.000 ist das eine ganze Menge. Von einem wirklich unentdeckten Ort zu sprechen, wäre daher übertrieben. Aber die Insel hat sich – zumindest bisher noch eher, als das oftmals anderswo in der Karibik der Fall ist – ihren eigenen Charme erhalten. Wem das alles so gut gefällt, dass ein Umzug infrage kommt, der wird erfreut feststellen, dass die Immobilienpreise noch vergleichsweise niedrig sind. Meerblick oder erste Meeresreihe sind hier noch relativ günstig. Auch sonst ist das Preisniveau im Schnitt eher noch moderat. So taxiert der Preisdatenanbieter Numbeo die Kosten für einen Restaurantbesuch auf fast 58% niedriger als in Frankfurt. Teuer sind dagegen viele Importprodukte sowie Strom.

Zu den sonstigen Nachteilen zählen darüber hinaus viele inseltypische Mankos. Die Produktauswahl etwa ist oft begrenzt, ebenso die Anzahl jener Dinge, die bei einem längeren Aufenthalt für ausreichende Abwechslung im Alltagsleben sorgen könnten. Oder anders ausgedrückt: Trotz vielfältigen Outdoor-Betätigungsmöglichkeiten besteht bei einer Fläche von nur 125 km² die Gefahr, irgendwann vom Inselkoller befallen zu werden. Zumal das Kontakthalten mit Europa bei einem Zeitunterschied von sieben bzw. acht Stunden nicht einfach und auch die Heimreise für Deutsche kein Katzensprung ist. Einige Abstriche sind außerdem nach wie vor bei der Infrastruktur zu machen, wobei der Osten weniger erschlossen ist als der Westen. Das gilt nicht zuletzt für das Straßennetz, aber auch für das medizinische Angebot. Einheimische, die es sich leisten können, meiden jedenfalls bei größeren Behandlungen staatliche Gesundheitseinrichtungen.

Hauptsprachen Englisch und Spanisch

Eine Hürde stellt auch die Erlangung der Wohnsitzberechtigung dar. Zu den gängigen Optionen zählen aber ein Arbeitsvertrag mit einer Firma vor Ort, aus dem die eigene Unverzichtbarkeit als Arbeitskraft hervorgeht, oder die Gründung einer Firma (Inversionista), die mit einer Mindestinvestition von 50.000 USD einhergeht. Hinzu kommen alternativ noch die Möglichkeiten, einen Status als Rentista oder als Pensionado zu erlangen. Die erstgenannte Option setzt allerdings den Bezug eines regelmäßigen Einkommens, etwa aus Mieteinnahmen, Dividenden oder Zinsen etc., in einer Mindesthöhe von mindestens 2.500 USD im Monat voraus, die zweitgenannte eine monatliche Rente/Pension von mindestens 1.500 USD.

Der gestaffelte Einkommensteuersatz beträgt in der Spitze 25%, Erwerbseinkünfte aus dem Ausland sind nach unseren Informationen steuerbefreit und die Kapitalgewinnsteuer beläuft sich auf 10%. Die Einheimischen, die als eine Mischung aus britischen, spanischen und afrikanischen Kulturen sowie Paya-Indianern zu beschreiben sind, sprechen (kreolisch geprägtes) Englisch und/oder Spanisch. Somit bestehen über die Sprachschiene für viele Deutsche zumindest keine unüberwindbaren Hürden.

Fazit

Wer ständiger Abwechslung bedarf, dürfte sich auf einer kleinen Insel wie Roatán irgendwann anfangen zu langweilen. Auswanderer dagegen, die etwas Abgeschiedenheit und karibischen Flair inklusive des dazugehörigen Klimas (Jahrestemperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius gepaart mit einem gemäßigten Passatwind) in Verbund mit einem gelasseneren Lebensstil mögen, könnten auf Roatán eine passende Bleibe finden. Insbesondere gilt das für „Wasserratten“, die alle Aktivitäten rund um das Wasser lieben.