Regulatorik macht Rendite

Kolumne

Regulatorik macht Rendite

Gastbeitrag von Andreas Meyer, Aramea Asset Management AG

Anleihe mit Kurssprung
Anleihen sind langweilig! Dies ist ein Credo, das ich immer wieder höre, wenn ich über den Kapitalmarkt spreche. Wenn man dann noch Wörter wie Regulatorik oder Gesetzestexte in den Mund nimmt, läuft man Gefahr, den Zuhörer vollends zu verlieren. Das Segment der Nachranganleihen stellt hingegen eine Nische dar, in der es alles andere als langweilig zugeht. Zuletzt hat die Banco Santander dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Eine ihrer Anleihen ist nach einer Kapitalmaßnahme im Kurs von 67% auf 100% gestiegen; andere Emittenten könnten folgen. Wir gehen davon aus, dass weitere Kursbewegungen dieser Art bevorstehen.

Regulatorische Vorgaben drängen auf „Kündigungen“
Ein Kurssprung von 67% auf 100% ist natürlich nichts Alltägliches. Nichtsdestoweniger ist diese Kursbewegung aus der aktuellen Situation ableitbar. Der Kapitalmarkt hingegen hat diese Option zuletzt völlig ausgepreist. Bei der Anleihe der Banco Santander handelt es sich um eine Tier-1-Nachranganleihe. Nachranganleihen können von Banken auf das regulatorische Eigenkapital angerechnet werden, worin der Reiz aus Sicht einer Bank besteht, solche Papiere zu emittieren. Nach der Finanzkrise haben sich die Regulierungsbehörden jedoch zusammengesetzt und mit Basel III einen Maßnahmenkatalog beschlossen, der es künftig verhindern soll, dass Steuergelder zur Rettung von Finanzinstituten herangezogen werden. Banken haben bis zur endgültigen Einführung 2022 Zeit, sich den neuen Vorschriften anzupassen. Dazu gehört unter anderem eine einheitliche Ausrichtung der Finanzie-rungsstruktur mit zuvor festgelegten Mindestquoten neuartiger Nachranganleihen. Diese Vereinheitlichung hat allerdings zur Folge, dass Nachranganleihen wie die der Santander ihre Anrechenbarkeit auf das Eigenkapital und damit ihren Nutzen verlieren. Viele dieser Anleihen wurden damals auch bei Privatanlegern platziert. Diesen Tatbestand möchte die Regulierung künftig ebenfalls verhindern. Daher sind Emittenten angehalten, diese Anleihen alten Formats sukzessive vom Markt zu nehmen. Aus unserer Sicht ist es attraktiv, an solchen sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen zu partizipieren.

Floater-Anleihen – das Timing macht’s
Bei der skizzierten Anleihe handelt es sich um eine sogenannte Floater-Anleihe. Eine solche verfügt über einen flexiblen Coupon, der sich regelmäßig an den laufenden Marktzins wie beispielsweise den Dreimonats-Euribor oder die Zehnjahreszinssätze anpasst. Sobald der Zins steigt, erhöht sich auch der Coupon dieser Floater-Anleihen, womit diese an Attraktivität gewinnen. Der aktuellen Notenbankpolitik und damit einhergehenden Niedrigzinsphase ist hingegen geschuldet, dass viele dieser Titel derzeit keinen Coupon zahlen. In genau diesem Tatbestand kann man einen interessanten Boden ausmachen, da der Coupon nicht ins Negative laufen kann.

 

Andreas Meyer hat sein Studium im Bereich „International Business Management“ mit dem Schwerpunkt Finanzwirtschaft an der Hochschule Bremen abgeschlossen und als Stipendiat der Deutsch-Französischen Hochschule zwei Jahre an der KEDGE Business verbracht. Zudem hält Herr Meyer einen Masterabschluss der Leuphana Universität Lüneburg im Bereich „Management & Financial Institutions“. Bevor er 2015 zur Aramea Asset Management AG wechselte, hatte er u.a. Erfahrungen im Corporate- & Investment Banking einer französischen Großbank und im Derivate-Sales der Deutschen Börse AG gesammelt. Heute ist Meyer als Fondsmanager für den Bereich der Nachrang- und Hybridanleihen, Credit-Strategien und Zinssondersituationen zuständig. In diesem Rahmen verantwortet er neben einigen Spezialfonds als Co-Manager den Aramea Rendite Plus (WKN: A0NEKQ) und den Aramea Rendite Plus Nachhaltig (WKN: A2DTL7).