SIW 45: Zahlen fressen Angst auf

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SIW 45: Zahlen fressen Angst auf

Die Quartalszahlen sind Balsam auf Handelskrieg-geplagte Anlegerseelen

Deal-Hoffnung und Ertrags-Fakten

Begünstigt haben dürfte die Hausse der letzten Wochen nicht nur das immer klarerer Bekenntnis der Trump-Regierung zu einem Deal im Handelskrieg mit China, sondern auch die guten Quartalszahlen der Unternehmen in den USA. Bis Anfang November hatten laut dem Informationsdienst Factset 76% der Unternehmen aus dem S&P 500-Index besser als erwartete Zahlen für das dritte Quartal 2019 vorgelegt, im Durchschnitt lagen die Ergebnisse 3,8% über den Schätzungen der Analysten. In der letzten Woche waren es vor allem die Dickschiffe aus dem Index, die für positive Überraschungen sorgten.

Apples* iPhone 11 verkauft sich so gut, dass der Konzern sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis über den Erwartungen lag. Positiv aufgenommen hat die Börse auch den Ausblick, den CEO Tim Cook für das Weihnachtsgeschäft gab. Apple ist zwar immer noch enorm abhängig vom iPhone, das stark wachsende Geschäft mit Wearables und Services nimmt jedoch laufend an Bedeutung zu. Ähnlich sah es auch bei Facebook* aus, die sich auch in unserem Musterdepot befindet. Der Social-Media-Konzern konnte im Umsatz satte 29% zum Vorjahr zulegen, das Ergebnis je Aktie lag ebenfalls über der Konsensschätzung. Facebook gelingt es zunehmend Instagram und Stories zu Geld zu machen. Zwar lag der Suchmaschinen-Gigant Alphabet* beim Ergebnis je Aktie leicht unter den Erwartungen, im Umsatz konnte Alphabet allerdings erneut mit 20% wachsen, währungsbereinigt sogar um 22%.

Nun könnte man dagegen halten, dass der S&P 500 natürlich nicht nur aus solch dynamisch wachsenden Tech-Unternehmen besteht. Alleine die drei genannten Konzerne machen aber satte 9% des US-Leitindex aus. Entscheidend dürfte sein, dass es auf breiter Basis bislang kaum Enttäuschungen gab. Während im Sommer noch enorme Konjunktursorgen die Stimmung belasteten, sind diese mit den jüngsten Quartalszahlen zumindest wieder weiter in die Ferne gerückt. Es ist nicht so, dass die US-Anleger derzeit insgesamt zu Euphorie tendieren. Mit einem KGV von 18 für die nächsten zwölf Monate ist der S&P 500 lediglich leicht oberhalb seines historischen Durchschnitts bewertet. Große konjunkturelle Schocks dürfen nun aber nicht passieren, damit die Märkte weiter an der „Mauer der Angst“ emporsteigen können.

 

 

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Zu den Märkten

Nicht nur der DAX zeigte sich in den letzten Wochen überraschend stark, auch jenseits des Atlantiks scheint es für die Aktien derzeit kein Halten zu geben. Die Sache ist natürlich genau anders herum: Die starken US-Börsen zogen in ihrem Fahrwasser weltweit auch andere Märkte mit nach oben. Und während der DAX von seinem Allzeithoch noch gut 400 Punkte entfernt ist, knallten in den USA am Montag die Korken: Allzeithochs für DJIA 30, S&P 500 und NASDAQ 100, um nur die prominentesten Indizes zu nennen. Wie beschrieben, kam vor allem von den Quartalsberichten Rückenwind für die Märkte. Doch alleine der zeitliche Kontrast zwischen Quartalsbericht und Allzeithoch zeigt, dass hinter der Kursentwicklung mehr stecken könnte, als nur die jüngsten Zahlen. Das Stichwort von der „Mauer der Angst“ ist ja bereits gefallen und die Kombination aus bekannten Negativszenarien und steigenden Kursen gilt unter Börsianern geradezu als Klassiker. Wie weit das noch geht? Schwer zu sagen. Aktuell fällt es schwer, charttechnisch ein Haar in der Suppe zu finden. Aber rückblickend waren genau das oft die Situationen, aus denen heraus dann kaum noch weiteres Aufwärtspotenzial bestand. Auffällig ist im Chartbild des S&P 500, dass sich der Markt seit Anfang 2018 an einer oberen Begrenzungslinie (vgl. Abb., schwarze Linie) entlangquält, deren erster – und einsamer! – Auflagepunkt ins Frühjahr 2000 zurückreicht (hier nicht abgebildet). Trotz dieser zunächst sehr willkürlich anmutenden Linienziehung wurde diese Begrenzung inzwischen bei zwei sehr markanten Gipfeln „erfolgreich“ getestet (rote Markierungen). Am vergangenen Freitag erfolgte hier nun der Durchbruch nach oben (vgl. Abb., grüne Markierung) Der Montag erbrachte nach einem erneuten Aufwärts-Gap ein weiteres Allzeithoch. Da allerdings fällt dann doch ein kleines charttechnisches Haar in eine ansonsten dampfende Suppe: Die Intraday-Kursbewegung war am Montag trotz hoher Umsätze vergleichsweise klein. Der gestrige Dienstag erbrachte zwar steigende Umsätze, aber kein neues Hoch und schloss sogar in der Nähe der Tagestiefs. All dies spielte sich wiederum innerhalb einer sehr engen Handelsspanne ab. Solche Muster sind zwar unauffällig, deuten jedoch auf eine Pattsituation zwischen Bullen und Bären. Auch den letzten markanten Allzeithochs im S&P 500 folgten bekanntlich keine ausgeprägten Kurssteigerungen mehr, sondern Kursrücksetzer. Insbesondere das Allzeithoch vom September 2018 mit anschließendem Abverkauf dürfte den meisten Marktteilnehmern noch in lebhafter Erinnerung sein. Dies soll nicht bedeuten, dass es auch diesmal so kommen muss, eine kleine Verschnaufpause scheinen die Anleger nach dem rund 10%igen Kursanstieg in nur gut einem Monat aber nun dennoch langsam zu benötigen.

 

 

Nach Golde drängt, am Golde hängt …

doch alles. Alles? Eher nicht. Allerdings muss man Goethe, aus dessen Drama „Faust I“ diese Einschätzung stammt, zu Gute halten, dass es zu seiner Zeit weder Euro noch Kryptowährungen gab. Die Konkurrenz für Gold ist also größer geworden, obwohl eingefleischte Goldbugs weder in Kryptowährungen und schon gar nicht im Euro eine echte Konkurrenz für das gelbe Metall sehen werden. Eine Meinung, mit der sie allerdings – nach einer fulminanten Hausse der Goldpreise bis zum Jahr 2011 – dann zunehmend alleine dastanden. Das änderte sich erst Anfang Juni dieses Jahres, als Gold in zwei schnellen Schüben von rund 1.280 USD/Feinunze bis auf knapp 1.560 USD/Feinunze nach oben schoss (vgl. Abb., blaue Pfeile). Seitdem ist Konsolidierung angesagt, und diese ist angesichts der Vorgeschichte auch nicht ungewöhnlich. Denn diese Vorgeschichte besteht nicht nur aus den beiden Aufwärtsschüben, sondern aus dem Kursgipfel des Jahres 2011. Damals bildete sich im Bereich von 1.530 USD/Feinunze eine viel beachtete Unterstützungszone heraus (vgl. Abb., lange rote Waagrechte), die im vierten Anlauf nach unten durchbrochen wurde und mehrere schnelle Abwärtsschübe zur Folge hatte. Seitdem wirkt diese Zone als bedeutsamer Widerstand und an dem knabbert der Goldpreis bereits seit diesem August. Wir sprechen hier sehr bewusst von einer Zone und nicht von einer Linie, da diese Zone – damals noch als Unterstützung – nicht anhand eines Einzelkurses, sondern durch mehrerer eng beieinander liegende Tiefs geformt wurde. Entsprechend wird man von einer Überwindung dieser Zone auch erst dann sprechen können, wenn sich der Kurs nachhaltig darüber etabliert haben wird und nicht schon dann, wenn der exakte Zahlenwert von 1.530 USD einmal gerissen wurde. Die runde Marke von 1.500 USD/Feinunze (rote gestrichelte Linie) scheint beim Goldpreis übrigens aktuell kaum Beachtung zu finden. Das sieht man an den häufigen Durchschneidungen, die ohne Folgen blieben. Die 1.530 USD/Feinunze bleiben für einen steigenden Goldpreis das Maß aller Dinge. Und wer wissen will, ob es demnächst überhaupt schon wieder weiter nach oben gehen wird, dem sei die Internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse empfohlen, die diesen Freitag und Samstag im MVG-Museum in München stattfinden wird. Spätestens dort gilt dann doch wieder Goethes Wort und das Team von Smart Investor freut sich, Sie an unserem Stand zu treffen und mit Ihnen zu diskutieren – selbstverständlich nicht nur über Gold.

 

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Fazit

Mit dem Rückenwind der besser als erwarteten Ertragssaison erreichten die US-Märkte neue Allzeithochs. Angesichts fortbestehender Belastungen dürfte das weitere Aufwärtspotential zunächst aber begrenzt sein.

Ralph Malisch, Christoph Karl

 

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