„Die Buffetts der Welt“

Smart Investor im Gespräch mit Gunter Burgbacher, Greiff capital management AG und VVO Haberger AG, über den Investmentansatz des Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (AFB)

Smart Investor: Herr Burgbacher, Sie investieren in die „Warren Buffetts dieser Welt“. Wo und wie finden Sie die für das Fondsportfolio passenden Gesellschaften?

Burgbacher: Entsprechende Datenbanken gibt es dafür keine. Was mir hilft, die passenden Gesellschaften zu finden, sind vor allem meine knapp 30 Jahre Börsenerfahrung, Neugier und Leidenschaft für das Thema. In Summe habe ich 500 Beteiligungsunternehmen recherchiert; davon kommen für den AFB ca. 350 infrage. Aktuell befinden sich etwas über 100 Unternehmen in der engeren Auswahl und etwa ein Drittel davon ist immer im Fondsportfolio allokiert. Das sind Gesellschaften in der Regel mit Fokus auf Minderheitsbeteiligungen, Holdings mit Beteiligungsnetzwerken, die häufig in Tochtergesellschaften strukturiert werden und bei denen deutlich mehr Einfluss auf die Beteiligungen genommen wird, sowie Mischkonzerne. Alle Unternehmen haben bestehende Portfolios und ein Kerngeschäft, das hohe Cashflows generiert. Diese werden meist wieder in weitere Beteiligungen oder Akquisitionen investiert. Zwei Drittel der im Fonds befindlichen Unternehmen sind breit diversifiziert à la Berkshire Hathaway; ein Drittel ist dagegen auf eine Branche, einen Trend oder ein Spezialsegment fokussiert, wie beispielsweise BB Biotech.

Smart Investor: Beide genannten Titel sind übrigens auch in unserem Musterdepot enthalten (S. 52). Aber lassen Sie uns mal über Berkshire Hathaway reden: Wie bewerten Sie deren aktuelle Situation mit der großen Zurückhaltung Buffetts bei Zukäufen während der Corona-Krise und den hohen Cashbeständen?

Burgbacher: Es könnte damit zu tun haben, dass Buffett einen weiteren Kurseinbruch erwartet. Möglich ist auch, dass er abwartet, weil er in nächster Zeit große Liquiditätsprobleme bei einigen Firmen auf seiner Watchlist erwartet und erst dann zuschlägt. Mit genauen Aussagen hat er sich bislang zurückgehalten; insofern gibt es hier viel Interpretationsspielraum.

Smart Investor: Sie mischen im Fonds unterschiedliche Investmentstile. Können Sie den Ansatz näher erläutern?

Burgbacher: Beteiligungsunternehmen sind von Haus aus breit diversifiziert. Dazu kommt eine zusätzliche Streuung über verschiedene Investmentstrategien, die teilweise auch negativ miteinander korrelieren. Insgesamt bin ich auf elf Strategien gestoßen, die von den Unternehmen im Anlageuniversum verfolgt werden. Dazu zählen Value Investing oder Dividendenstrategien bei Business Development Companies, einer speziellen Form börsennotierter Beteiligungsgesellschaften in den USA. Beispiele für diese jeweiligen Ausrichtungen sind Investment AB Latour und Ares Capital Corporation. Daneben wird u.a. zwischen den verschiedenen Akquisitionsstrategien Buy and Hold, Buy and Sell und Buy and Build unterschieden. Wir bevorzugen den Buy-and-Build-Ansatz, wie wir ihn beispielsweise bei DATAGROUP (auch im Musterdepot; Anm. d. Red.) oder Halma plc finden. Aktuell sind im Fonds neun dieser elf Investmentstile vertreten. Durch die Gleichgewichtung der Titel werden Übergewichtungen vermieden.

Smart Investor: Wie funktioniert die Gleichgewichtung in den momentan hochvolatilen Märkten?

Burgbacher: Sehr gut; die Gleichgewichtung zwingt zur Antizyklik. In steigenden Märkten oder bei Übertreibungen gibt es intelligente Gewinnmitnahmen und in fallenden Phasen werden Qualitätsunternehmen zu deutlich günstigeren Niveaus aufgestockt. Rund 20% der Unternehmen im Portfolio des AFB hatten ihren Ursprung vor über 100 Jahren. Sie haben viele Krisen nicht nur überlebt, sondern sich immer wieder neu erfunden, weiterentwickelt und verbessert. Das ist ein Grund, warum sich der AFB von seinen Tiefs rasch erholen konnte. Mit diesen Qualitätsunternehmen habe ich mich in meinem Beitrag (S. 14) beschäftigt.

Interview: Christian Bayer

Gunter Burgbacher ist einer der Initiatoren des Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (WKN: A2JQJC und A2PE00). Er ist seit 2003 Financial Consultant, zertifiziert nach: 34 c, d, f, i GewO und verfügt zusätzlich über eine langjährige Expertise im Anlagesegment für börsennotierte Beteiligungsunternehmen. Seit Januar 2019 ist er nicht mehr nur für die VVO Haberger AG, sondern auch für die Greiffcapital management AG tätig.

Der Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen ist ein international anlegender Investmentfonds, der als erster dieser Art ausschließlich in Aktien von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzernen investiert. Das Fondsmanagement selektiert die besten Investmentideen, gewichtet diese gleich, achtet darauf, Redundanzen zu vermeiden, und hält eine Cashposition für chancenreiche Investments. Mit einer Kombination von 25 bis 40 Beteiligungsunternehmen hat der Aktienfonds Dachfondscharakter – bei im Vergleich deutlich geringeren Kosten.