„Wir sind keine Trendsucher, die unternehmerische Details übersehen“

Interview

Smart Investor im Gespräch mit Florian König, PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH, über die Königsanalyse und Chancen im Healthcaresektor

Smart Investor: Herr König, Sie verfolgen einen Value-Ansatz. Welche Aspekte dieses Investmentstils, der von Graham bis Buffett und darüber hinausreicht, sind für Ihren Ansatz von besonderer Bedeutung?

König: Aus meiner Sicht ist in erster Linie wichtig, dass wir Aktien als Unternehmensbeteiligung sehen. Über die Aktie beteiligen sich Anleger an der Leistung von guten Mitarbeitern sowie deren Innovationen und unterstützen diese Unternehmertypen! Wir suchen u.a. wachstumsstarke Qualitätsunternehmen. Auf den ersten Blick ist dies der Warren-Buffett-Ansatz. Dazu verwenden wir aber altbewährte Tools von Benjamin Graham. Was viele nicht wissen: Auch Graham hat sich am Ende seiner Laufbahn intensiv mit Wachstumsunternehmen beschäftigt und dabei große Erfolge wie beispielsweise mit GEICO erzielt. Er hat sowohl einen guten Unternehmensfilter – „die zehn Schritte von Graham & Rea“ mit Kategorien wie Gewinnwachstum über die letzten zehn Jahre, Bilanzqualität und Preis – als auch eine Bewertungsformel für Wachstumsunternehmen entwickelt.

Smart Investor: Die Auswahl der Unternehmen erfolgt über die Königsanalyse. Was versteckt sich dahinter?

König: Über die Königsanalyse schauen mein Team und ich uns die drei Punkte Geschäftsmodell, Management und Bilanz intensiv an. Dabei wollen wir u.a. Antworten auf folgende Fragen finden: Gibt es starke Marken, Netzwerkeffekte oder sonstige Eintrittsbarrieren? Ist das Management am langfristigen Unternehmenserfolg über Aktien beteiligt? Ist die Verschuldung angemessen? Dadurch versuchen wir, Unternehmen zu finden, die ein starkes Geschäftsmodell profitabel am Markt anbieten und dank starker Bilanz auch Krisenzeiten überstehen können. Ein starkes Management mit Eigentümerperspektive sehen wir besonders gern.

Smart Investor: Rund 15% des Volumens im Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM) sind im Healthcaresektor investiert. Was macht die Branche interessant?

König: Wir sind keine reinen Trendsucher, die aufgrund makroökonomischer Überlegungen die unternehmerischen Details übersehen. Die stark zunehmende Alterung der Bevölkerung in den Industrienationen ist eine Entwicklung, die auch in unsere Analysen einfließt. Hinzu kommt die Digitalisierung medizinischer Angebote. Corona wird wie ein Katalysator wirken. Es gibt zahlreiche attraktive Investments in diesem Bereich.

Smart Investor: Welche Unternehmen sind das? Und was macht sie interessant?

König: Der neuseeländische Betreiber von Seniorenheimen Ryman Healthcare beispielsweise. Das Geschäftsmodell trifft den Zeitgeist. Die Auslastung der Wohnparks liegt bei sehr hohen 97% und bietet dennoch hohen Komfort und Hygienestandards. Für die Zukunft plant Ryman, die Mobilitätsdienste für seine Bewohner auszubauen. Aktuell befinden sich zehn neue Anlagen im Bau; zwölf weitere sind in der Planungsphase. Investiert wird vor allem in den Hotspots in Neuseeland und Australien. Auch JD.com kann von der aktuellen Situation profitieren. Das Unternehmen hat in der Krisensituation seine Kompetenz und Stärke als einer der größten Onlinehändler mit Apothekengeschäft in China bewiesen. Der Wettbewerbsvorteil gründet sich vor allem auf die eigene Infrastruktur, die Lieferungen am selben Tag erlaubt, sowie auf den Partnerschaften mit Google, Baidu, Walmart und Tencent. Der Gründer und CEO Richard Liu hat das Unternehmen durch seine strikte Nulltoleranzpolitik gegenüber Fälschungen vor allem bei Markenunternehmen bekannt und beliebt gemacht.

Zu guter Letzt profitiert auch die Zur Rose Group AG vom Alterungstrend. Die Versandhandelsapotheke mit Sitz in der Schweiz ist in Deutschland insbesondere durch DocMorris bekannt. Die Pharmazie ist eine Branche, die hervorragend für den Onlinehandel geeignet ist. Die Verpackungen sind klein und leicht, die Preise hoch. Zudem wird durch die Ausstellung eines Rezepts bereits eine Vorauswahl des Produkts bzw. der Produktkategorie getroffen. Der Anteil alter und chronisch kranker Bevölkerungsteile steigt stetig an. Genau an dieser Stelle setzen Versandapotheken wie die Zur Rose Group an. Das Unternehmen strebt eine Umsatzverdoppelung auf 2,2 Mrd. EUR von 2018 bis 2022 an. Mit Wachstumsraten von 30% und mehr ist dieses Ziel sehr wohl zu erreichen.

Smart Investor: Der Max Otte Vermögensbildungsfonds kann neben Aktien in weitere Anlageklassen wie Anleihen, auf die zurzeit verzichtet wird, oder Edelmetall-ETCs investieren. Wie erfolgt die Risikosteuerung des Fonds, da keine Derivate genutzt werden?

König: Sie haben recht. Das ist uns wichtig: Wir arbeiten nach dem Reinheitsgebot der Kapitalanlage und setzen nur Aktien, Anleihen und Liquidität in den Publikumsfonds ein. In unserem Hedgefonds Max Otte Multiple Opportunities Fund haben wir jedoch auch Silber und Gold im Portfolio. Wir steuern die Aktienquote aktiv; d.h., wir reduzieren den Aktien- und erhöhen den Cashanteil, wenn die Märkte gut gelaufen und hoch bewertet sind. Umgekehrt handeln wir, sobald gerade Angst im Markt ist wie Mitte März und wir einige Schnäppchen bekommen können.

Smart Investor: Herr König, vielen Dank für die interessanten Ausführungen!

Interview: Christian Bayer

Florian König ist Fondsberater, Senior Analyst, Prokurist und Partner der PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH. Der Dipl.-Wirtschaftsingenieur studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit Schwerpunkt Maschinenbau. Er ist seit über einer Dekade als ValueInvestor aktiv und hat am Manuskript von „Investieren statt sparen“ und „Weltsystemcrash“ von Prof. Dr. Max Otte mitgewirkt. Seit April 2015 ist König für das Team von Prof. Dr. Max Otte tätig; zu seinem Aufgabengebiet gehören Unternehmens- und Branchenanalysen. Seit September 2016 ist er als Fondsberater aktiv.