Smart Investor 6/2020 – Editorial: Corona und der Crack-up-Boom

Als Smart Investor im April 2009 – siehe Cover auf unserem Cover – den Crack-up-Boom, kurz: CuB, ausrief, hätte das Timing kaum besser sein können: Unsere Prognose kam nur wenige Wochen nach dem Tief der Finanzkrise. Allerdings hatten wir uns in der Bezeichnung geirrt, denn es handelte sich vielmehr um den Start eines klassischen auf Fiatgeld basierten Booms – aber ohne Crack-up.

Elf Jahre später wenden wir uns erneut mit dieser Prognose an unsere Leser. Wir haben unsere Fehleinschätzung von damals analysiert und die Schlüsse daraus gezogen: Die Corona-Krise mit all ihren aktuellen und vermutlich zukünftigen Begleiterscheinungen stellt aus unserer Sicht das „ideale Setting“ für eine nun anstehende Katastrophenhausse dar, wie wir den CuB im Deutschen nennen. Nachdem wir vor zwei Ausgaben die anstehende „Kernschmelze“ des Finanzsystems herausgearbeitet haben, soll es im vorliegenden Heft darum gehen, wie die Märkte das Szenario verarbeiten und insbesondere auf die massiven Interventionen von Politik und Notenbanken reagieren werden.

Kollabierendes Finanzsystem und zugleich steigende Börsen – wie passt das zusammen? Dieser Gedanke erschließt sich einem in der Tat nicht sofort. Und dennoch zeigt eine Reihe historischer Katastrophenhaussen, vor allem die des Jahres 1923 in Deutschland, dass es sich hierbei nicht um ein bloßes Gedankenkonstrukt handelt. In unserer Titelgeschichte ab S. 36 erläutern wir die theoretischen Grundlagen und praktischen Auswirkungen eines Crack-up-Booms, dessen erste Erwähnung übrigens auf Ludwig von Mises zurückgeht, einen der wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Das Grundproblem unseres Wirtschafts- und Finanzsystems ist der Interventionismus – also das ständige und immer weiterführende Eingreifen des Staates und der Zentralbank in die Wirtschaft und das Leben der Menschen – mittels Zinsdrückung, Aufschuldung und Bürokratie. Während Sozialisten in dieser Vorgehensweise den Weg zum Heil sehen, erkennen die Vertreter der Austrians darin den – bildlich gesprochen – immer weiter aufgetürmten Sprengstoffberg. Und Corona dürfte der Zünder sein.

Ständiger und überbordender Interventionismus erschafft eine Vielzahl sogenannter Zombies, also eigentlich tote Firmen, die nur noch aufgrund von Niedrigzinsen und Subventionen überleben können. Was genau es mit einer solchen „Zombiewirtschaft“ auf sich hat, erklären wir im gleichnamigen Artikel auf S. 24 – und was der Interventionismus für die Währungen und insbesondere die Edelmetalle bedeutet, dazu haben wir den Schweizer Investmentfachmann Egon von Greyerz befragt, ab S. 58.

Schließlich möchte ich noch auf unsere große Artikelsammlung samt ausführlichem Tabellenwerk zu den Beteiligungsgesellschaften hinweisen, die Sie traditionell in jeder Juniausgabe des Smart Investor vorfinden – so auch in dieser, nämlich von S. 6 bis 16.

Bleiben Sie gesund und uns gewogen!

Ralf Flierl

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