„Sachwerte ermöglichen in der Krise eher realen Werterhalt“

Nina Kordes

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Interview

Smart Investor im Gespräch mit Nina Kordes, HELLERICH GmbH, über Sachwertaktien in Krisenzeiten und die Herausforderungen des kommenden Jahres

Smart Investor: Frau Kordes, der HELLERICH Sachwertaktien wurde u.a. für Krisensituationen konzipiert. Was ist das Besondere an der Anlagestrategie?
Kordes: Niemand kann vorhersagen, wann oder wo eine Krise auftritt und welche Auswirkungen sie haben wird. Unser Standpunkt ist, dass Sachwerte in der ­Krise eher realen Werterhalt ermöglichen als Geldwerte mit Rückzahlungsversprechen. Statt auf Gold oder Immobilien konzentrie­ren wir uns dabei auf produktive ­Sachwerte in Form von Unternehmensbeteiligungen, also Aktien. Diese können liquide ­gehandelt und hinsichtlich des Risikomanagements breit gestreut werden. Unsere Sachwertaktien sind weniger konjunkturabhängig, sie sind geringer verschuldet, sie weisen hohe Cashflows auf, die immateriellen Vermögensgegenstände in der Bilanz sind geringer und sie sind gemessen an den klassischen Finanzkennzahlen nicht zu hoch ­bewertet.

Smart Investor: Mit der Corona-Krise ist nun ein Krisenszenario eingetreten. Hat sich der Fonds Ihren Erwartungen entsprechend entwickelt?
Kordes: Eine Pandemie ist eines der ­größten Risiken überhaupt, die Maßnahmen zur Ein­grenzung des Virus treffen die ­Wirtschaft mit großer Wucht. Darunter litten auch die Sachwertaktien; dementsprechend verzeichnete der Fonds zwischenzeitlich ­einen höheren Rückgang. Ein psychologischer Effekt ist an den Kapitalmärkten immer wie­der zu beobachten: In der ersten Verkaufswelle wird nicht abgewogen, welche Unter­nehmen anderen voraus sind. Die Marktteilnehmer reduzieren pauschal ihre ­Risiken. Erst wenn der anfängliche Schock überwunden ist und etwas Ruhe einkehrt, wird wieder genauer analysiert. Dann erst werden neue und an die veränderte Lage ange­passte Entscheidungen getroffen. Defensive Branchen wie Nahrungsmittel, Gesund­heitswesen, Telekommunikation und Versorger, in die wir mit dem Fonds ausschließlich investieren, sind in der Erholungsphase auf vermehrtes Anlegerinteresse gestoßen. Entsprechend konnte der Fonds sich sehr schnell wieder erholen und den Rückgang seit Jahresanfang 2020 eingrenzen. Gegen­über dem Durchschnitt der Morningstar-Vergleichsgruppe globaler Aktienfonds fiel der Verlust um etwa 6% geringer aus. ­Damit lagen wir zur Mitte des Jahres auch ganz ohne Technologieaktien im ersten ­Quartil, haben aber danach nicht so stark an der Erholung partizipiert.

Smart Investor: Warum investieren Sie nicht in Technologieaktien? Welche ­Rolle spielt die Performance generell für das Management?
Kordes: Wir investieren in Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für die Grundversorgung einer Gesellschaft herstellen. Diese sind weniger anfällig für Umsatzeinbußen und überstehen auch ein schwieriges konjunkturelles Umfeld in der Regel besser. In der Krise reduzieren die Konsumenten für gewöhnlich drastisch ihre Ausgaben und sparen mehr, außer eben an der Grundversorgung. Natürlich hat jede Krise auch Gewinner, wie aktuell vor allem die großen US-Techwerte, die durch die Pandemie eine Sonderkonjunktur erhielten. In unserem Anlageuniversum sind stattdessen Telekommunikationsanbieter enthalten, ohne die es keine digitale Vernetzung gäbe und die somit die Vorstufe zur Anwendung verschiedener Kommunikationstechnologien darstellen. In der Regel schwanken die sonst eher konjunktursensiblen Technologieaktien stärker – diese Schwankungen sollen im Fonds ­bewusst vermieden werden, denn bei der Anlagestrategie steht das Risiko stärker im Vordergrund als die Renditeerzielung.

Smart Investor: Welche Titel sehen Sie als Beispiele klassischer ­Sachwertaktien?
Kordes: Gute Beispiele sind Nestlé, Walmart und Archer Daniels aus dem Lebensmittelsektor. Diese Unternehmen existieren schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts und haben bereits mehrere Krisen durchlebt. In den Segmenten Telekommunikation und Versorger sind die Marktführer beständig, in diesen Branchen kommen aufgrund hoher Eintrittsbarrieren kaum neue Unternehmen dazu. Beispiele wären die österreichische VERBUND AG oder der taiwanesische Telekommunikationswert Chunghwa. Im Gesundheitswesen ist mehr Bewegung; gleichzeitig gibt es hier sehr unterschiedliche Subsektoren wie beispielsweise Medizintechnik, Pharmazeutika oder Gesundheitsdienste. Im September dieses Jahres haben wir den Investmentprozess darüber hinaus um eine weitere Komponente ergänzt: die Nachhaltigkeit. Konkret wird ein Best-in-Class-Ansatz umgesetzt, die Daten werden ­extern geliefert. Wir wollen uns stärker an Unter­nehmen beteiligen, deren Management diese Komponente mitberücksichtigt und damit das Geschäftsmodell zukunftsfähiger gestaltet.

Smart Investor: Das Jahr 2020 liegt fast hinter uns. Was erwarten Sie für das neue Jahr und wie stellen Sie sich für die weiteren Herausforderungen auf?
Kordes: Es gibt mehrere gravierende Einschnitte im Investitionsumfeld der Unternehmen: die Pandemie, die massive Neuverschuldung der Staaten, größere politische Unsicherheiten und ­protektionistische Bestrebung im weltweiten Handel. Durch die Fokussierung auf Sachwertaktien sind wir generell auf solche Szenarien ­eingestellt. Hinzu kommt die Verschärfung der Klima­krise. Dieser wollen wir mit unserem Nachhaltigkeitsanspruch ebenfalls aktiv begegnen. Dennoch bleibt das Anlageziel eines angemessenen Kapitalzuwachses bei gleichzeitig möglichst geringen Schwankungen die Priorität bei unseren Investitionsentscheidungen.

Smart Investor: Frau Kordes, vielen Dank für die Ausführungen.

Zur Person
Nina Kordes (Jahrgang 1975) ist Diplom-Ökonomin und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Fondsmanagerin mit einem Schwerpunkt auf globalen Aktien­anlagen. Bevor sie Ende 2012 zur ­HELLERICH GmbH wechselte, war sie Geschäftsführerin eines unabhängigen Asset­managers. Als Senior-Portfoliomanagerin betreut sie verschiedene Anlagestrategien des Hauses und ist die Fondsmanagerin des ­globalen Aktienfonds HELLERICH Sachwertaktien. Als Co-Managerin des HELLE­RICH Global Flexibel trägt sie zudem seit vielen Jahren maßgeblich zur Multi-Asset-Strategie bei.

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