Verlängerte Werkbänke der Politik

Titelbild: © Syda Productions – stock.adobe.com

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Über Wirtschaft, Staat und Willkür

Hochsommerlicher Smartie

Die gute Nachricht vorweg: Der neue Smart Investor 8/2021 ging gestern Nacht in die Druckerei und kommt zum Wochenende frisch auf den Tisch oder das Tablett unserer Abonnenten. Vor allem zwei Themen prägen diese Ausgabe: Zum einen ist da die Schließung des Goldfensters durch Richard Nixon am 15.8.1971, die sich im August zum 50sten Mal jährt. „Prägen“ ist in diesem Zusammenhang ein gutes Stichwort, denn vielen dürfte gar nicht bewusst sein, wie sehr dieser endgültige Paradigmenwechsel im Geldsystem bis heute Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beeinflusst. Mehr noch, viele Menschen außerhalb der Finanzmärkte werden das Datum nicht einmal kennen. In einem weiteren Schwerpunkt beschäftigen wir uns mit verschiedenen Aspekten der Wachstumsaktien und zeigen, dass es trotz rekordhoher Kurse noch immer interessante Nischen in diesem Bereich gibt – auch und gerade nach dem Growth-Titel in den letzten Monaten zu Gunsten von Value-Aktien eher vernachlässigt waren.

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Sand im Getriebe

Für traditionelle Unternehmer sind Berührungspunkte mit der Verwaltung eher lästig. Man versuchte seinen Geschäften nachzugehen, zahlte murrend die fälligen Steuern und hoffte ansonsten, in Ruhe gelassen zu werden. Diese Zeiten eines einigermaßen freien Unternehmertums scheinen Geschichte zu sein. Seit Jahren wird eine immer engere Verzahnung mit der Verwaltung vorangetrieben, die für das Gros der Unternehmen zu einer wahren Flut von Auflagen und Berichtspflichten geführt hat – der klassische Sand im Getriebe. Und zu allem Überfluss merkt man vielen dieser Regelungen auch noch mehr als deutlich an, dass sie von Menschen erdacht wurden, die selten einen Fuß auf ein Betriebsgelände gesetzt haben – falls überhaupt.

Immer auf die Kleinen

Einen relativen Vorteil haben in diesem Umfeld die Großen. Dies nicht nur, weil dort spezialisierte Stabsabteilungen übernehmen können, was der Kleinunternehmer am Feierabend oder am Wochenende erledigen muss. Sie sind auch die einzige Unternehmensgruppe, die ernsthaft in der Lage ist, selbst aktiv auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen einzuwirken, etwa über klassische, oder auch kreative Lobbyarbeit. Je komplizierter die Verwaltung und je höher die Anforderungen werden, desto eher stehen die Kleinen dann tatsächlich vor dem Aus. Die lachenden Dritten dieser Entwicklung sind beispielsweise die großen Digitalkonzerne. Diese sind schon ganz grundsätzlich gut aufgestellt, um neue Anforderungen schnell zu parieren. Die Platzhirsche scheinen ihrer Konkurrenz durch den Netzwerkeffekt (vgl. Smart Investor 5/2021, S. 24) gar uneinholbar enteilt. Wenn ihnen dann zusätzlich noch ein Thema wie Corona in die Hände spielt, bei dem über längere Phasen der persönliche Kontakt durch den digitalen ersetzt wurde und wird, kommt es zu Gewinnentwicklungen wie zuletzt bei Alphabet. Im Rahmen der Berichterstattung zum zweiten Quartal konnte die Google-Mutter einen Anstieg der Erlöse um rund 60% und fast eine Verdreifachung des Gewinns vermelden. Zwar werden hier auch einige Corona-Verwerfungen enthalten sein, die sich nicht einfach in die Zukunft fortschreiben lassen, dennoch ist die Entwicklung aufgrund der schieren Größe des Unternehmens mehr als eindrucksvoll.

„Selbstlose“ Zeitgeistunternehmer

Über die letzten Jahre hat sich allerdings noch eine weitere Facette in der Unternehmenswelt gezeigt, deren Anteil rasant zunimmt. Das sind jene Unternehmen, die ihre Existenz bzw. wesentliche Teile dieser Existenz überhaupt erst den politischen Entscheidungen zu verdanken haben. Die Arbeitsteilung funktioniert hier so, dass die Politik ihre Wünsche äußert, die dann von den Unternehmen umgesetzt werden – im Prinzip eine Art „Verlängerte Werkbank“. Formal sind die Unternehmen zwar eigenständig, der unternehmerische Handlungsspielraum wird aber kanalisiert. Als Anreiz nimmt die Politik dabei üblicherweise auch (Steuer-)Gelder in die Hand wie im Rahmen von Infrastrukturprogrammen à la European Green Deal. Immer mehr wird so die Politik zum eigentlichen Kunden solcher Unternehmen. Das sieht man bereits an den Imagekampagnen und Unternehmensleitlinien, in denen zeitgeistkompatibel über die ganze Welt schwadroniert wird und die sich oft genug lesen wie zusammengewürfelte Parteiprogramme. Wäre es da nicht ein Zeichen für eine aufrichtige und glaubwürdige Unternehmenskommunikation, wenn wenigstens mal in einer Fußnote angegeben würde, dass man den Laden betreibt, um Gewinne zu erwirtschaften?!

Subventionierter HighTech-Patriarch

Auch Tesla, lange eines der Lieblingsunternehmen der Hausse, vermeldete dieser Tage positive Zahlen. Dem Kurs half das allerdings noch(?) nicht wieder auf die Sprünge. Das Unternehmen ist fast schon ein Hybrid aus verschiedenen Themen: Einesteils ein innovativer Fahrzeughersteller, der dem Thema Elektromobilität ein sportliches Image verpasste und es damit aus der miefigen Ecke der Tüftlerkisten holte, andererseits ein HighTech-Konzern, der auch Themen rund um das Elektroauto wie die Batterie- und Ladetechnik eifrig vorantreibt. Und schließlich ist da die spekulative Experimentierfreudigkeit von Unternehmenschef Elon Musk rund um das Thema Bitcoin. Bis hierhin könnte man Tesla fast für ein klassisches Unternehmen halten, das von einer starken Unternehmerpersönlichkeit geprägt wird. Aber es gibt noch eine andere Facette: Der Siegeszug von Tesla fußt auf dem politischen Willen, der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist aus unserer Sicht schon ein entscheidender Unterschied, zu einem Unternehmen, das sich aufgrund des Bedarfs seiner Kunden entwickelt. Die Politik maßt sich hier eine Technologiekompetenz an, die sie zwar durch Fordern und Fördern umsetzt, die sie aber eigentlich gar nicht hat. So kommt es, dass der Verkauf von Abgaszertifikaten noch immer einer der großen Gewinnposten des Unternehmens ist. Diese Zertifikate erhält das Unternehmen aber nicht aufgrund einer spezifischen Leistung, sondern einzig aus dem Umstand heraus, dass es keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor baut. Wirtschaftlich betrachtet sind die zugeteilten Zertifikate nichts anders als staatliche Wirtschaftslenkung, die im Falle Tesla als Subvention, bei anderen aber als Zusatzbelastung wirken.

Bildung wird überschätzt

Wie leicht es schiefgehen kann, wenn man als Unternehmen direkt vom Wohl und Wehe der Regierung abhängig ist, konnte man diese Woche wieder einmal in China sehen. Das Land ist fest im Griff der Kommunistischen Partei und dabei wird gerne übersehen, dass die dort gewährten wirtschaftlichen Freiheiten stets solche auf Widerruf sind. Diese Erfahrung machten nun Bildungsunternehmen wie TAL Education, New Oriental Education oder Gaotu Techedu, die kostenpflichtigen Unterricht und Nachhilfe für Schüler anbieten. Dass das Ganze der Regierung ein Dorn im Auge war, ist seit Februar bekannt, entsprechend sind diese einst lupenreinen Wachstumstories bereits seit dieser Zeit massiv im Rückwärtsgang. Nun wurde Unternehmen, die den Lehrplan unterrichten, offiziell verboten, gewinnorientiert zu arbeiten, Kapital zu beschaffen oder an die Börse zu gehen. Die Aktien des Sektors stürzten allein am ersten Tag noch einmal um mehr als die Hälfte in die Tiefe. Auch wenn sich der interventionistische Staat in unseren Regionen gelegentlich mit milliardenschweren Förderprogrammen freigiebig zeigt – freilich auf Kosten heutiger und künftiger Steuerzahler –, mahnt das Beispiel China, dass er für Unternehmer ein nicht zu kalkulierendes Risiko bleibt – und dazu müssen noch nicht einmal Hardcore-Kommunisten an der Macht sein.

Zu den Märkten

Heute betrachten wir den Verlauf dreier Indizes, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Der NASDAQ 100, der NYSE Arca Gold Bugs Index und der DAX – jeweils in Euro. Dabei hat der DAX (blau) als einziger Performanceindex einen gewissen Vorteil, zumal der Betrachtungszeitraum auch die Dividendensaison überstreicht. Trotzdem ist der NASDAQ 100 (rot) der klare Gewinner, was sich unter anderem auch in den zuletzt erreichten Allzeithochs zeigt. Der DAX dagegen laboriert nun schon mehrere Wochen in Gipfelhöhe herum, ohne, dass ihm überzeugende Terraingewinne gelingen konnten. Im Betrachtungszeitraum liegen die Minenaktien des Gold Bugs Index zwar abgeschlagen, aber sie zeigen dennoch eine interessante Eigenschaft. Durch die oft gegenläufige Entwicklung zum NASDAQ 100 eignen sie sich gerade für technologielastige Portfolios als Beimischung. Dass bei den Minen über längere Zeiträume auch die Performance stimmt, sehen Sie im brandneuen Smart Investor 8/2021 auf S. 41.

Hinweis in eigener Sache

In der letzten Ausgabe dieses Newsletters schrieben wir über eine Ad-hoc-Mitteilung der Aurubis AG im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Westdeutschland. Tatsächlich handelte es sich dabei aber um eine Pressemitteilung. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wir bitten unseren Fehler zu entschuldigen.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

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Fazit

Für Unternehmen kann eine interventionistische Politik phasenweise erhebliche Windfall-Profite einbringen, auf lange Sicht ist ein Politikansatz, der den Metarahmen des Wirtschaftens immer detaillierter vorgibt und die Kreativität der Unternehmen auf die Ausführung an der „verlängerten Werkbank der Politik“ zurückdrängt jedoch nicht zukunftsträchtig. Die gute Nachricht auch noch einmal zum Schluss: Der neue Smart Investor 8/2021 erscheint zum Wochenende!

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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