Fantasia und Realität

Titelbild: © ViennaFrame – stock.adobe.com

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„Luftschlossentwickler“ in Zahlungsschwierigkeiten

Trommelfeuer schlechter Nachrichten

Es waren zwei Nachrichten, die den Markt heute in kurzer Abfolge trafen und den DAX unter die, nicht nur symbolisch wichtige Marke von 15.000 Punkten fallen ließ. Noch kurz vor 8 Uhr meldeten die Agenturen, dass der Ölpreis knapp unter seinen Mehrjahreshochs notiere. Ein hoher bzw. gestiegener Ölpreis bedeutet für die Nettoverbraucher – und das sind alle Branchen außer den Energieproduzenten selbst – zwar höhere Kosten, ist aber unter normalen Umständen auch ein Hinweis auf eine gute Nachfrage, die wiederum ein Indikator für eine starke Konjunkturentwicklung ist. Dass dem nicht so ist, zeigte sich bereits innerhalb der nächsten halben Stunde: Der deutsche Auftragseingang stürzte im August um satte 7,7% gegenüber dem Vormonat ab, beim deutschen Industrieumsatz lag das Minus bei 5,9%. Von einer überschäumenden Konjunktur kann also – auch bei wohlwollender Berücksichtigung von Sondereffekten – keine Rede sein.


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„Rezflation“?

Im Gegenteil: Was sich hier andeutet, geht sogar über die gefürchtete Stagflation – also wirtschaftlichen Stillstand bei anziehenden Preisen – hinaus. Dieser Datenkranz sieht nach „Rezflation“ (Rezession & Inflation) aus, und das wäre wirklich die schlechteste aller ökonomischen Welten. Schließlich gehören die Energiepreise zu den zentralen Preisen einer modernen Volkswirtschaft. Dass auch die Preise für Strom und Gas durch die Decke gehen – und das bereits vor (!) dem Winter – hat zudem mit zahlreichen Sondereffekten zu tun, die von der verkorksten Energiewende über politisch gesetzte Fehlanreize bis zur anhaltenden Belastung der Beziehungen mit Russland reichen. Der andere wichtige Preis einer modernen Volkswirtschaft ist bekanntlich der Zins, der durch die Null- und Negativzinsmanipulation der Notenbanken im Rahmen der Finanziellen Repression bereits seit Jahren in seiner Aussagekraft empfindlich gestört ist. Am langen Ende, das von den Notenbanken derzeit noch nicht so direkt beeinflusst wird wie das kurze, stiegen beispielweise in den USA die Renditen in den letzten Tagen deutlich.

Begehrte Tausendsassas

Negativwachstum, Inflation und anziehende Zinsen sind schon für sich genommen eine Mixtur, aus der Börsenalbträume entstehen können. Dazu kommen politische Unsicherheiten aus den zähen Koalitionssondierungen und düstere Warnungen, dass in diesem Winter – Stichwort: Blackout – nicht einmal mehr die Stromversorgung im Lande sicher sein könnte, egal zu welchem Preis. Wir sprechen wohlgemerkt über die Bundesrepublik Deutschland, noch immer eine der führenden Industrienationen der Welt. Und was hilft eigentlich der Strom, wenn andererseits die Lieferketten für Chips schwer gestört oder bereits abgerissen sind? Bei mehreren Fahrzeugherstellern und Maschinenbauern stehen bzw. standen die Bänder schon phasenweise still, weil die begehrten Tausendsassas nicht, oder nicht in ausreichender Menge beschafft werden können.


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Social Media off

Wie verletzlich eine hochgradig vernetzte Welt geworden ist, hat auch der stundenlange Ausfall der Social-Media-Outlets des Facebook-Konzerns (Facebook, Instagram, WhatsApp) zum Wochenanfang gezeigt. Nicht, dass den Menschen substanziell etwas fehlen würde, wenn sie von diversen Influencern nicht über deren Essgewohnheiten oder Kleiderwahl auf dem Laufenden gehalten würden, aber sie empfinden es so. Denn genau das ist eines der Erfolgsrezepte hinter diesen virtuellen Bühnen und Stammtischen. Sie machen süchtig und lassen vor allem deshalb die Kasse der Betreiber klingeln. Genau da liegt das eigentliche Risiko eines solchen Ausfalls für die Social-Media-Giganten: Anders als bei Strom oder Chips könnten zumindest einige Nutzer feststellen, dass ihnen rein gar nichts fehlt, wenn der Strom der verbeirauschenden Nichtigkeiten unterbrochen wird oder versiegt. Ob man an die offizielle Erklärung des Ausfalls, „fehlerhafte Neukonfiguration“, glaubt, bleibt einem natürlich selbst überlassen. Allerdings ist uns das Thema Cyber Polygon 2021 mit einer Simulation großflächiger Internetausfälle noch bestens aus dem Sommer in Erinnerung.

Viel „Fantasia“, wenig Geld

Als ob das alles noch nicht genug wäre, kommen auch noch neue Schockwellen aus China. Nach Evergrande (vgl. unser SIW „Totalschaden mit Ansage“) ist ein zweites Immobilienunternehmen in schwerstem Fahrwasser. Der betroffene Immobilienentwickler spielt zwar in einer anderen, kleineren Liga als Evergrande, aber der Ausfall einer fälligen Tilgungszahlung wirft ein weiteres Schlaglicht auf den Zustand des chinesischen Immobilienmarktes, der zum Teil aus schlecht verkäuflichen Luftschlössern zu bestehen scheint. Dass das Unternehmen auf den Namen Fantasia Holdings Group hört, ist angesichts des Ernstes der Lage ein Scherz, der den Betroffenen im Halse stecken bleiben dürfte. Der Chart jedenfalls sieht (vgl. Abb. 1) stark nach einer Pleiteaktie aus. Dass es abseits dieses „Fantasia“-Gebildes auch seriöse und profitable Immobilienaktien gibt, zeigen wir in der Titelschichte des aktuellen Smart Investor 11/2021 „Immobilien: Blase bei Betongold?“ – inklusive großem Tabellenteil mit aktuellen Kennzahlen.

Zu den Märkten

Kein Wunder also, dass der DAX mit diesem geballten Gegenwind aus negativen Vorgaben heute schon zur Eröffnung auf Tauchstation ging. Eigentlich fiel das Minus von rund einem Prozent sogar relativ moderat aus. Das haben sich wohl auch einige Marktteilnehmer gedacht, die den deutschen Leitindex im Sitzungsverlauf erst einmal noch tiefer sehen wollten. Insbesondere als die nicht nur psychologisch wichtige Unterstützungsmarke von 15.000 Punkten in Sichtweite kam und in der Folge auch fiel, gab es zunächst kein Halten mehr. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe konnte sich der Index aber bereits wieder leicht stabilisieren.

Möglicherweise war der Abverkauf an dieser Marke auch deshalb so heftig, weil es noch gestern nach einer Bodenbildung oberhalb der 15.000 aussah (vgl. Abb. 2, gelbe Markierung). Immerhin zeigten sich der vergangene Freitag und der gestrige Dienstag mit einem konstruktiven Kursgeschehen, wenn auch bei rückläufigen Umsätzen. Das Ganze war fast wieder einmal ein Lehrstück über das Kursverhalten an solchen Entscheidungsmarken: Denn sobald eine Seite ihre Positionen räumt, kommt es häufig zu einer raschen Dynamisierung des Kursgeschehens – diesmal nach unten.

Das Problem dabei ist allerdings, dass man a priori in aller Regel nicht entscheiden kann, in welche Richtung sich eine solche Pattsituation auflösen wird, weil dies oft erst durch zusätzliche externe Impulse geschieht, die so aber kaum vorhersehbar sind. Bis zu solchen Impulsen ist die Situation ja gerade durch zwei in etwa gleich starke Lager gekennzeichnet.

Auch charttechnisch ist nach dem Durchbruch der 15.000er Marke, die als Nackenlinie einer unvollkommenen Schulter-Kopf-Schulter-Formation interpretiert werden kann, durchaus ein Verlustpotenzial bis in den Bereich von rund 14.000 Punkten gegeben (vgl. Abb. 2, grüne Doppelpfeile als „measured moves). Nur, wenn sich der DAX so weit erholen sollte, dass die Marke von 15.000 Punkten zurückerobert wird, wäre diese Betrachtung hinfällig. Dann müssten wir von einem Fehlsignal ausgehen – „tricky“ sind solche Entscheidungspunkte also allemal.

Ansonsten könnte der Oktober – wie schon der September – seinem schlechten Ruf gerecht werden. Auch bei unseren Gastanalysen, die zuletzt ebenfalls in einer Art Pattsituation verharrten, könnte die Abwärtsbewegung, falls sie denn Bestand hat, zu einem Kippen der Stimmung führen. Im Bereich dieser Gastanalysen betrachten wir den Markt aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. lassen ihn von unseren renommierten Gastanalysten aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Anlegermessen und Zeitmesser:

Am 23.10. findet die World of Value Investmentkonferenz im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt am Main in echter Starbesetzung statt: Dort können sie neben Dr. Markus Krall auch Prof. Dr. Christian Rieck und Marc Friedrich live oder im Digitalstream erleben. Nähere Informationen zu den Tickets gibt es auch hier auf der Website des Veranstalters www.worldofvalue.de oder im Smart Investor 10/2021 auf Seite 67.

Auch bei der diesjährigen Watchtime ist Smart Investor Medienpartner. Die Messe findet vom 29. bis 31. Oktober in der Rheinterrasse Düsseldorf statt und hat wiederum einiges für die Liebhaber hochwertiger Uhren zu bieten. Und es lohnt sich, schnell zu sein. Noch sind unter dem Code „WTD21SmartInvestor“ einige kostenlose Tagestickets auf der Website der Watchtime Düsseldorf oder über den Shop von Eventbrite abrufbar.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über unserer Absicherungsphilosophie und über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website https://www.smartinvestor.de einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

Zu viele schlechte Nachrichten brachten den DAX heute Vormittag in arge Bedrängnis. Positiver wäre das Bild erst, falls dem Markt trotz dieser Nachrichtenlage eine Stabilisierung gelänge.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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