Weekly 04/2010: Ein Präsident – läuft Amok?

Haben wir jetzt das Obama-Drama?
Das für den vergangenen Herbst von uns erwartete „Obama-Drama“ ist bekanntlich ausgeblieben. Zu Beginn des neuen Jahres sieht die Lage inzwischen wieder etwas anders aus. Wenngleich wir an den mittel- bis langfristigen Trends, die auf unserer These des Crack-up-Booms (CuB) basieren, keine Zweifel hegen – wir also steigende, haussierende Aktienmärkte erwarten –, ist die begonnene Korrektur ein deutliches Indiz dafür, dass die letzten Ankündigungen Barack Obamas von den Finanzmärkten mit Skepsis und offener Ablehnung betrachtet werden. Im Kern will Obama den großen Häusern an Wall Street den Eigenhandel, also das Spekulieren auf eigene Rechnung, verbieten und damit das Investmentbanking empfindlich beschneiden. Außerdem sollen Banken nicht länger in Private-Equity-Vehikel oder Hedge Fonds anlegen dürfen. Auch diese Idee stößt auf wenig Gegenliebe. Last but not least sehen die Pläne eine bislang nicht näher definierte Obergrenze bei der Größe der Institute vor. Hiermit soll der „Too Big to Fail“-Problematik in Zukunft vorgebeugt werden. Wenn einzelne Banken eine Bilanzsumme auf sich vereinen, die bei einer Pleite womöglich das gesamte System ins Wanken bringen kann, können sich die verantwortlichen Manager insgeheim darauf verlassen, dass ihnen in letzter Konsequenz der Staat zu Hilfe eilt. Lehman war in dieser Hinsicht nur die Ausnahme von der Regel.

Richtig und doch falsch
Wenn einige Kommentatoren die ungewohnt harschen Pläne Obamas vor allem als innenpolitischen Schachzug nach der verlorenen Wahl in Massasuchets interpretieren, so haben sie sicherlich Recht. Obama versucht sich derzeit als entschlossenes Gegengewicht zur Wall Street zu inszenieren, das er aufgrund seiner persönlichen Vita eigentlich nicht ist und vermutlich auch niemals sein kann. Zudem darf bezweifelt werden, dass die vom früheren FED-Chef Paul Volcker ausgearbeiteten Vorschläge das Finanzsystem tatsächlich sicherer und stabiler machen. Die jetzige Krise hat ihre Ursache in einer viel zu laxen Geldpolitik und dem naiven Glauben, dass jeder sich sein eigenes Häuschen leisten kann. Dann erst kamen die Banken ins Spiel, die aus zweifelhaften Hypotheken neue Pakete schnürten und diese protegiert von erstklassigen Ratings als sichere Anlage vermarkteten. Der von Obama ins Visier genommene Eigenhandel war allenfalls ein Verstärker der Talfahrt, nicht jedoch deren Auslöser. Und dass plötzlich eine Regierung – wenn es wirklich ans Eingemachte geht – sich als Verfechter freier Märkte gegen die öffentliche Meinung positionieren wird, erscheint nach der Entwicklung der vergangenen zwölf Monate nur sehr bedingt glaubwürdig. Einer, wenn nicht der Verfechter freier Märkte ist Ron Paul, der bereits seit Jahrzehnten für freie Märkte kämpft und die wahren Ursachen der Krise beim Namen nennt. Seine Prinzipientreue und sein Lebensweg sind beeindruckend. Mehr dazu erfahren Sie im neuen Heft, gleichfalls auch über die nach wie vor ungelösten Probleme. Denn das „Too Big to Fail“-Dilemma zum Beispiel wird auch Obama letztlich nicht lösen können. So falsch und wirkungslos die zunächst angekündigten Maßnahmen allesamt auch sind, ist es doch nur logisch und gerecht, wenn die Banken – und hiermit sind vorrangig die großen Spieler an Wall Street gemeint – einen finanziellen Beitrag zur Beseitigung der Krisenfolgen entrichten. Es ist längst nicht mehr vermittelbar, warum Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden sollen. Mit ihrem Verhalten und ihrer Uneinsichtigkeit rütteln die Herren Banker an dem Kitt, der auch unsere Gesellschaft zusammenhält.

Plötzlich ist sie wieder da – die Unsicherheit

Mit dem Rückfall der Kurse ist auch eine lange Zeit vermisste Nervosität und Unsicherheit zurückgekehrt. Verständlich, dass Investoren, die sich bei einem DAX-Stand von 6.000 Punkte noch in den Markt haben locken lassen, nun mit Sorge auf ihre tagtäglich größer werdenden Verluste blicken. Manch einer fühlt sich gar bereits an den Herbst 2008 erinnert, als die Krise mit der Lehman-Pleite eine beängstigende Dynamik entfaltete. Im Unterschied zu damals haben aber auch die Regierungen und Zentralbanken den Ernst der Lage längst erkannt. Mit gigantischen Ausgabenprogrammen, die so richtig erst ab diesem Jahr wirken dürften, und billigem Geld halten sie dagegen. Der Preis in Form einer sich am Horizont bereits abzeichnenden Geldentwertung nehmen sie hierbei allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz ganz bewusst in Kauf. Der von uns im CuB-Szenario erwartete Boom ist folglich auch nur ein scheinbarer und trügerischer, weil mit dem Steigen der Vermögenswerte wie Aktien und Edelmetalle kein tatsächlicher sondern nur ein nominaler Wohlstandszuwachs verbunden ist. Vor diesem Hintergrund sehen wir die aktuelle Korrektur recht gelassen. Zugespitzt formuliert lässt sich sagen, dass die Börsen in diesem Umfeld längerfristig gar nicht anders können als zu steigen!

Musterdepot
Für unser Musterdepot verlief der Start in das neue Börsenjahr zufriedenstellend. So konnten wir den Wert unseres Depots auch dank des DAX- und Euro-Shorts stabilisieren. Für den DAX-Schein (WKN: CGU 21U) legen wir nach den jüngsten Gewinnen ein Verkaufslimit bei 9,50 EUR in den Markt. Das entspricht umgerechnet einem Indexstand von ungefähr 5.300 Punkten. Unsere weiterhin hohe Cash-Quote von zuletzt über 30% wollen wir dabei in den kommenden Wochen sukzessive für Neuengagements in aussichtsreichen Branchen wie dem Agrar- und Healthcare-Sektor einsetzen. Wir bevorzugen Marktführer mit einer sauberen Bilanz und einer gefestigten Aktionärsstruktur. Eigentümergeführte bzw. von den Eigentümern kontrollierte Unternehmen bieten hierbei besondere Chancen. Warum das so ist, wird unter anderem ein Thema im nächsten Heft sein, das am Samstag erscheint.

Fazit
Sie läuft also, die von uns schon länger erwartete Korrektur. Aber dieser kurze Durchhänger ändert nichts an unserem Langfristszenario „Crack-up-Boom“. Warum es so kommt, haben wir ausführlichst in zahlreichen Ausgaben beschrieben. Das Herumdoktern der Politik an den Symptomen ist hierbei das eine, die Verschleierung dessen à la Matrix das andere. Mehr hierzu, wohin uns das Ganze führt und die Macht der Medien in diesem „großen Spiel“ erfahren Sie im am Samstag erscheinenden Smart Investor 2-2010. Auch „Climategate“ kommt nicht zu kurz, dazu folgt Teil II unserer Analyse zur Hyperinflation von 1923 – vor allem die Jahre danach boten smarten Anlegern gute Chancen. Krise kann auch Spaß machen. Die Titelstory befasst sich mit der großen Ausnahme des politischen Zirkus: dem amerikanischen Politiker Ron Paul. Zu diesem Artikel findet sich im Internet unter der Adresse http://www.smartinvestor.de/ronpaul/ eine umfangreiche Linksammlung in der Sie sich ein tieferes Bild von diesem außergewöhnlichen Mann machen können. Eine spannende Lektüre also..

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.