„Der Staat kann es nicht!“

Smart Investor: Herr Reichmuth, im Jahr 2010 legte Ihr Haus den Fonds „Real Unit“ auf. Was hat es mit diesem Fonds auf sich und wie kamen Sie auf die Idee?
Reichmuth:
Wir wollten auch für den „normalen“ Sparer und Anleger ein Produkt schaffen, mit welchem er die Chance hat, sich gegen die reale Entwertung seiner Anlagen, sei es durch Inflation oder gar staatliche Moratorien, zu schützen. Insbesondere diesen Anlegern fällt jene Art von Schutz schwer, da sie in der Regel auf die nominale und nicht auf die reale Entwicklung ihrer Investitionen achten. Die Real Unit hat aber auch noch einen geldphilosophischen Hintergrund. Es soll eine Brücke beim Übergang vom Staatsgeld hin zum privatisierten Aufbewahrungsgeld sein.

Smart Investor: Der letzte Punkt lässt einen an eine wettbewerbliche Geldordnung denken…
Reichmuth:
Ja, Sie haben recht. Ich habe große Sympathien für die Hayek’sche Idee. Im Grunde ist es doch so, dass die großen Vermögen schon immer in der Lage waren, sich über Diversifikation ihre eigene Währung zu schaffen, die breite Masse des Volkes hingegen blieb immer außen vor. Genau das versuchen wir mit dem „Real Unit“ zu ändern.

Smart Investor: Wie treffen Sie dabei Ihre Anlageentscheidungen?
Reichmuth:
Grundsätzlich ist das Anlagekonzept ein passives, auch um die Kosten gering zu halten. Aufgrund der beiden oben genannten Aspekte orientierten wir uns bei Auswahl der Anlagen an dem Bruttosozialprodukt der Volkswirtschaft. Die Schweizer verkonsumieren ca. zwei Drittel ihrer Wirtschaftsleistung und ein Drittel investieren sie wieder. Entsprechend ist auch der Investmentschlüssel des Fonds, wobei wir unter konsumbezogenen Anlagen neben Obligationen auch Währungen und Rohstoffe verstehen, als investitionsbezogen sehen wir Aktien und Immobilien an.

Smart Investor: Wie bilden Sie Ihre Investitionsstruktur dabei ab?
Reichmuth:
Gold lagern wir physisch in der Schweiz, alle anderen Rohstoffe bilden wir möglichst kostengünstig über ETFs ab. Dies gilt auch für die Aktieninvestitionen, hier bevorzugen wir Indexfonds.

Smart Investor: Sie sprachen mögliche Entwertungsarten bereits an. Nun hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) kürzlich mit ihrer Entscheidung, den Schweizer Franken an den Euro zu koppeln, ebenfalls für eine Geldentwertung bei ihren Bürgern gesorgt.
Reichmuth:
Wir haben am Ende der 1970er Jahre bereits schon einmal etwas Ähnliches erlebt. Damals entschied der Präsident der SNB, Fritz Leutwiler, den Schweizer Franken an die D-Mark zu binden, mit dem Argument, dass die Schweizer Wirtschaft ansonsten nicht überlebensfähig bliebe. Als Folge stieg die Teuerung bei den Konsumpreisen von 0% im Jahr 1978 auf 7% im Jahr 1982. Die Preise der Vermögenswerte waren in den Jahren zuvor bereits kräftig gestiegen. In einer kranken Umwelt kann die Schweiz nicht gesund bleiben, auch wenn sie insgesamt vielleicht etwas besser abschneidet als die umliegenden Länder.

Smart Investor: Nun ließe sich ja aber einwenden, dass doch gerade für ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz eine starke Währung von Vorteil wäre…?
Reichmuth:
Das ist nicht falsch, aber es lassen sich gerade in arbeitsintensiven Branchen niemals alle Kosten über den günstigeren Einkauf kompensieren. Dementsprechend forderten die Interessenvertreter das Eingreifen der Politik. Diese übte natürlich sofort großen Druck auf die SNB aus, endlich Erleichterung für die Unternehmen zu schaffen. Daran kann man schon erkennen, dass die Unabhängigkeit der Zentralbanken in einem Geldsystem wie dem unsrigen keineswegs so groß ist, wie gemeinhin propagiert wird.

Smart Investor: Die Schweizer sind nicht die einzigen, die massiv in die Märkte eingreifen. Kann es denn der Politik über die Interventionen noch gelingen, die Schieflage ohne allzu große Verwerfungen zu beseitigen?
Reichmuth:
Nein, wir sind doch schon mitten drin in den großen Verwerfungen. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass das gesamte System in sich zusammenfällt. Andererseits hat das Papiergeldsystem so viel Wohlstand gebracht, dass es auch falsch wäre, davon wiederum vollständig abzugehen. Es muss aber verankert werden. Dies wäre möglich, indem es künftig wieder auf der Leistung und nicht mehr auf dem Kreditgebäude basiert, was ja die Idee für den „Real Unit“ gewesen ist.

Smart Investor: Ist dieser mangelnde Anker auch eine der Ursache für die Finanzkrise?
Reichmuth:
Ja, ganz bestimmt sogar. Das grundlegende Gesetz der Marktwirtschaft, nämlich die Vereinigung von Entscheidung und Haftung, wurde ausgehebelt. Weltweit war der Glaube verbreitet, der Staat könne dank seines unbegrenzten Zugriffs auf das Papiergeld die Wertstabilität garantieren. Nun zeigt sich: Er kann es nicht! Während der letzten drei Generationen wurde immer mehr Verantwortung an den Staat delegiert. Dieser Trend wird sich umkehren und die Menschen werden zur Eigenverantwortung zurückfinden müssen.

Smart Investor: Aufgrund der mangelnden BaFin-Zulassung und der damit verbundenen Strafsteuer lohnt es sich für deutsche Anleger nicht, in den Real Unit zu investieren. Was würden Sie den Anlegern raten?
Reichmuth:
Wir planen definitiv den Fonds nach Deutschland zu bringen und werden uns dafür natürlich um eine BaFin-Zulassung bemühen. Wir haben aber noch keinen Partner in Deutschland gefunden, mit dem wir unsere Vorstellungen kostengünstig realisieren können. Ganz allgemein lässt sich feststellen: Die Übertreibung findet derzeit im nominalen und nicht im realen Bereich statt. Das heißt, Sachwerte sind die erste Wahl. Der DAX ist noch recht günstig, und selbst der Immobilienmarkt ist, anders als in der Schweiz, noch nicht überhitzt. Letztlich muss sich der Anleger informieren und selbst über seine Vermögensanlagen entscheiden, anstatt irgendeinen Mischfonds zu kaufen.

Smart Investor: Also auch hier wieder die Eigenverantwortung als erster Schritt …
Reichmuth:
Exakt. Die Rückkehr zur Eigenverantwortung ist die Antwort auf die Krankheit unserer Zeit, die da heißt: Übertreibung der staatlichen Auf- und -zuwendungen.

Smart Investor: Herr Reichmuth, haben Sie vielen Dank für das interessante Gespräch.