Im Zweifel für den Realismus

Als eine Art Gegengipfel hat sich die „Internationale Klima- und Energiekonferenz“ im Vorfeld der UN-Klimatagungen mittlerweile fest etabliert. Die beiden Veranstalter EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie (www.eike-klima-energie.eu) und Berlin Manhattan Institut BMI (www.berlinmanhattan.org) konnten rund 170 Teilnehmer begrüßen, was diese Veranstaltung zur größten ihrer Art in Europa macht. Man spürte das Anliegen, möglichst viel Inhalt in die beiden Konferenztage zu packen und so dem Publikum vor allem jene Theorien und Überzeugungen näherzubringen, die im „Klimakonsens“ vernachlässigt oder bewusst ausgeblendet werden. Insofern war die Tagung zwar einseitig, einseitiger aber als der „Klimakonsens“, der die Bevölkerung mit seinen Horrorszenarien seit nunmehr Jahrzehnten in Angst versetzt, war sie jedoch nicht.

Offenes Klima
Die Teilnehmer demonstrierten, was bei diesem Thema selten geworden ist, ein Klima des offenen, aber stets von gegenseitigem Respekt getragenen Meinungsaustauschs, gerade auch da, wo kontrovers diskutiert wurde. Auffällig war die große Zahl pensionierter Wissenschaftler. Wie in so vielen Bereichen fehlt es aktiven Funktionsträgern häufig an der Zivilcourage, eine vom Konsens abweichende Meinung zu vertreten. Angesichts der vom Klima-Establishment betriebenen „Großen Transformation“, die auf De-Industrialisierung und Einschränkung der Demokratie hinausläuft, erscheint der offene Diskurs jedoch gebotener denn je. Wenn die Geschichte der Wissenschaft zudem eines gezeigt hat, dann dass der „Konsens“ erkenntnistheoretisch eine weitestgehend irrelevante Größe ist. Es waren stets die Zweifler, die die Forschung entscheidend vorangebracht haben. Grund genug also, sich im Lager der so etikettierten „Skeptiker“ umzusehen, die sich selbst übrigens als Klimarealisten bezeichnen. Dass ausgerechnet diese kreativen Köpfe als „Zweifler“ stigmatisiert werden, ist aus der Sicht einer um Erkenntnisgewinn bemühten Wissenschaft nicht nachvollziehbar. Vielleicht fürchtet der eine oder andere um die guten Geschäfte, die im Namen des Klimaschutzes weltweit betrieben werden. Ein Punkt übrigens, der den amerikanischen Rechtsanwalt Dr. Christopher C. Horner zu einem Vortrag mit dem vielsagenden Titel „Green Economy: Die neuesten Formen des Vetternwirtschafts-Kapitalismus“ inspirierte.

Blockunterricht
Insgesamt war die Veranstaltung in mehrere thematische Blöcke gegliedert, zu denen jeweils verschiedene Referenten ihre Beiträge leisteten: Neben den rein naturwissenschaftlichen Themen wurde auch politischen, sozialen und gesellschaftlichen Implikationen der aktuellen Klimapolitik breiter Raum gegeben. Von den Auswirkungen der „Großen Transformation“ sind zunächst einmal nur die immensen Kosten sicher. Entsprechend bezogen sich düstere Prognosen in diesem Kreis vor allem auf die Lasten, die unserem freiheitlich verfassten Gemeinwesen durch eine planwirtschaftliche sowie wohlstands- und freiheitsfeindliche „Klimaschutzpolitik“ aufgebürdet werden.

Teenager auf Abwegen
Zu Beginn referierte die kanadische Buchautorin Donna Laframboise („The Delinquent Teenager“) über das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das gerne auch als „Weltklimarat“ apostrophiert wird. Es verhalte sich wie ein verhätscheltes Kind, das als Teenager irgendwie auf Abwege geraten ist. Die Autorin verdeutlichte anhand zahlreicher Beispiele, wie groß die Lücke zwischen den kommunizierten Qualitätsansprüchen des IPCC und der Wirklichkeit ist. Unglücklicherweise verbreiten die Massenmedien jedoch weitestgehend unkritisch jenes Selbstbildnis des IPCC, das einem Realitätscheck nicht standhalte: Es seien eben nicht nur führende Experten ihres Faches, die an den IPCC-Berichten mitwirkten, sondern auch eine Reihe von Menschen, die weit davon entfernt waren, anerkannte Autoritäten zu sein. Einige hätten sich ihren Namen eher durch grüne Lobby-Arbeit als durch wissenschaftliche Veröffentlichungen gemacht. Die Besetzung erfolge ohnehin – wie bei UN-Einrichtungen üblich – nicht ausschließlich nach Kompetenz, sondern auch im Hinblick auf die Gewährleistung einer hohen Diversität von Herkunft und Geschlecht. Anhand des World Wildlife Fund (WWF) zeichnete Laframboise zudem nach, wie das IPCC von Mitgliedern dieser Lobby-Organisation regelrecht gekapert wurde. Auch stütze sich das IPCC nicht ausschließlich auf Literatur, die von Experten überprüft worden sei („peer reviewed“). Wenn aber schon diese leicht nachprüfbaren Dinge nicht zutreffen, wie könne das IPCC dann ernsthaft Glaubwürdigkeit für den Rest beanspruchen? In die gleiche Kerbe schlug Christopher Horner mit seinem Referat „Der „Weltklimarat“ IPCC und sein Verständnis von Transparenz“. Horner belegte, dass das IPCC, obwohl eine vom Steuerzahler finanzierte Einrichtung, ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel veranstaltete, um sich seiner Pflichten nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu entziehen. Die gewünschten Auskünfte erhielt Horner erst, als er das IPCC verklagte. Transparenz geht anders.

„Hockey-Stick“ kostete Glaubwürdigkeit
Dass das Klima-Thema wesentlich offener ist, als uns Glauben gemacht wird, wurde in den naturwissenschaftlichen Beiträgen herausgearbeitet. Unter der Überschrift „Messwerte vs. Modellwerte“ berichteten drei Forscher über Messverfahren, deren Stärken, Schwächen und mögliche Schlussfolgerungen. Vor allem wurde problematisiert, dass die prominent publizierten Katastrophenszenarien ausschließlich auf Computermodellen beruhten – Modelle, deren Daten mit den tatsächlichen Messwerten häufig nicht in Übereinstimmung zu bringen seien. Dass gelegentlich auch Daten interessegeleitet ausgewählt und modelliert würden, ist ein Verdacht, der seit dem Skandal um die „Hockey-Stick-Grafik“ von Prof. Michael Mann stets im Raum steht.

Climategate – der Skandal, der keiner sein durfte
An dieser Stelle sei ein kleiner Exkurs auf den Climategate-Skandal erlaubt: Aus gehackten E-Mails der University of East Anglia erschienen die Methoden mancher Wissenschaftlicher einigermaßen zwielichtig („Hide the Decline“). Der Skandal fand in den ansonsten jedem Skandal zugetanen Massenmedien auffallend wenig Interesse und wurde schnell für beendet erklärt. Gleich mehrere „unabhängige“ Kommissionen attestierten den betroffenen Forschern keine wesentlichen Verfehlungen. Hier setzte der Buchautor Andrew Montford mit seinem Referat „Climategate – die Geschichte einer Vertuschung“ an, in dem er minutiös das Wirken der Untersuchungskommissionen nachzeichnete und dabei zahlreiche Merkwürdigkeiten entdeckte: Das begann mit der Auswahl der Kommissionsmitglieder und reichte über die Arbeitsweise bis zu den Abschlussberichten. Sein Urteil über diese Kommissionen fiel vernichtend aus. Eine ernsthafte Aufklärung habe schon deshalb nicht stattgefunden, weil beispielsweise Fragen so gestellt wurden, dass sie zuverlässig am Kern des Skandals vorbeizielten.

Wenn der Mensch den Meeresspiegel hebt
Zurück zu den Messwerten: Dipl.-Meteorologe Klaus-Eckart Puls erläuterte, dass die Höhe des Meeresspiegels von mindestens zwölf physikalischen Einflussfaktoren abhänge, die an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Effekten führen können. Den einen Meeresspiegel gibt es also gar nicht. An der deutschen Nordseeküste werde zwar seit etwa 400 Jahren ein Anstieg des Meeresspiegels beobachtet, dieser verlangsame(!) sich jedoch seit etwa 100 Jahren deutlich – ausgerechnet in jener Zeit, als der Ausstoß von „anthropogenem“ (= von den Menschen verursacht) CO2 stark angestiegen ist. Damit zeigten die Daten seit 20 Jahren etwas völlig anderes als das, was die Klimamodelle erwarten ließen. Puls verwies auf ein weiteres Phänomen: Die Satellitenmessungen zeigten seit Mitte der 1990er Jahre einen deutlich schnelleren Anstieg des Meeresspiegels als die Pegelmessungen. Aufgrund dieses unerklärlichen Phänomens mahnte Puls zur Vorsicht beim Umgang mit Messdaten.

Svensmark-Effekt
Aus wissenschaftlicher Sicht dürfte das Highlight der Veranstaltung das Panel „Kosmische Strahlung, CO2 und Klima“ gewesen sein: Mit Prof. Jan Veizer, Prof. Nir Shaviv und Prof. Henrik Svensmark präsentierten drei hochangesehene Forscher ihre Ergebnisse zum Einfluss der Sonne auf das Klima. Bezeichnend war eine Episode, die Svensmark aus der Zeit des Beginns seiner Forschungen erzählte: Die Sonnenaktivität, so ließ man ihn wissen, habe keinen Einfluss auf das Klima. Svensmark forschte dennoch weiter, und heute wird der Einfluss von Sonneneinwirkung und kosmischer Strahlung auf die Wolkenbildung als Svensmark-Effekt bezeichnet. Die Anregung aus dem Publikum, sich stärker politisch zu engagieren, lehnten alle drei Professoren mit dem Hinweis auf ihr knappes Zeitbudget ab. Wenn sie diese Zeit für die Forschung einsetzten, können sie mehr bewirken.

Weltverbesserung auf dem Prüfstand
In ihrer bejubelten Tischrede „Bei der Erlösung des Klimas stört der Mensch“ machte sich die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld Gedanken über Klima, Wissenschaft und Politik. Sie zeichnete die Geschichte anderer „wissenschaftlicher“ Weltverbesserungstheorien nach, die Schiffbruch erlitten haben: die Eugenik etwa oder die „wissenschaftliche“ Weltanschauung des Kommunismus. Beide führten letztlich zu materieller Gewalt, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen. Man mag diesen Endpunkt heute für überspitzt halten, aber in der CO2-Bewegung sind, wie auch Prof. Gerd Habermann feststellte, einige fanatische Menschenhasser aktiv, die die Erde am liebsten komplett renaturieren würden. Das sind zwar extreme Strömungen, allerdings drängt sich vor dem Hintergrund der Forderung von Bundesumweltminister Röttgen nach einem „CO2-Budget“ für jeden Menschen schon rein logisch die Frage auf, was eigentlich mit einem Menschen passieren solle, dessen CO2-Budget erschöpft ist?!

Eine Frage der Freiheit
Prof. Gerd Habermann, Initiator und Mitgründer der F.A. von Hayek-Gesellschaft und der Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft, zeigte in seinem Referat „Klimapolitik – eine Gefahr für die Freiheit“ die markanten Parallelen zwischen Religion und einer dogmatischen „Klimaschutzpolitik“ auf. Erschreckend, wie tiefgehend diese Politik in die Gesellschaft insgesamt und in die Freiheit jedes einzelnen bereits eingegriffen hat und weiter eingreifen wird. Durch die „Geisterfahrt“ in der Energiepolitik werde eine weitgehende Politisierung der Ausgabenprofile der Bürger erzwungen. Gegenwärtig sei diese Politik wahrscheinlich die schwerste Bedrohung für die Werte einer freien Zivilisation. Ernst zu nehmen ist auch seine Sorge, dass durch das „anmaßende Projekt des Klimaschutzes“, reale Projekte des Natur- und Landschaftsschutzes vernachlässigt würden. Forschungsfreiheit, so Habermann, sei ein Teil der Meinungsfreiheit, und die schließe sogar ein Recht des Narren auf eine eigene Meinung ein.

Fazit
Auf der alternativen Klimakonferenz war durchgängig das hohe Engagement der Beteiligten zu spüren. Das Programm war entsprechend dicht gedrängt und konnte hier allenfalls ausschnittsweise wiedergegeben werden. Aus vielen Referaten und Gesprächen war herauszuhören, wie sehr den Teilnehmern echter Umwelt- und Naturschutz am Herzen lag, ebenso wie die Bewahrung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und eines über Jahrzehnte erarbeiteten wirtschaftlichen Wohlstands. Dem CO2– bzw. Klima-Kult und dessen Hohepriestern erteilte man dagegen überwiegend eine klare Absage.