Wer regiert die Welt?

„Kaiser und Könige“, „das Volk“, „Politiker“, „Geld und Macht“, „die Wirtschaft“ oder gerade in jüngster Zeit wieder topaktuell „die Finanzbranche“ – so könnten mögliche Antworten auf die Frage „Wer regiert die Welt?“ lauten, die nicht nur abhängig von übergeordneten, der jeweiligen Zeit entsprechenden Strömungen oder Staatsformen variieren, sondern auch stark differieren je nach Wahrnehmung des Einzelnen. Aufgrund der hochkomplexen, schier unüberschaubaren globalvernetzten Welt der Gegenwart mit ihren unzähligen Akteuren und Interessenvertretungen ist die oftmals frustrierende Beschäftigung mit dieser elementaren Frage ins Abseits geraten, obwohl sie unmittelbare Auswirkungen auf unser aller Lebensqualität hat und es in unserem ureigensten Interesse liegen sollte zu ergründen, an wessen Leine wir laufen. Die beiden gleichnamigen Bücher „Wer regiert die Welt?“ von Ian Morris bzw. Des Griffin liefern dazu interessante Ansätze.

Ian Morris: Ein quantitativer Erklärungsversuch
Es ist eine amüsante Laune des Pluralismus (inzwischen ja längst politisch unerwünscht), dass neben Des Griffin auch Ian Morris den Titel „Wer regiert die Welt?“ für sein Buch gewählt hat. Damit dürften sich die Gemeinsamkeiten aber auf den ersten Blick auch schon erschöpft haben. Sozialwissenschaftliche Vorgehensweisen, wissenschaftlich fundierte Modelle und herausragende Kenntnisse im Themenkomplex Archäologie/Geschichte werden vom Autor als Rüstzeug für die Beantwortung der Frage ins Feld geführt. Morris geht es dabei nicht so sehr darum, welche Interessengruppen im Einzelnen die Weltgeschicke beeinflussen und lenken, sondern er betrachtet akkumulativ die Antagonisten West und Ost, die im ewigen Spiel der Gezeiten um die Vorherrschaft kämpfen. Bei seinen Untersuchungen kommt er zu dem Schluss, dass Geschichte „aus einer komplizierten, chaotischen Rückkoppelung zwischen Geographie und Entwicklung besteht“. Dass der westliche Machtblock in den letzten paar hundert Jahren dominierte, war damit für Morris keine Errungenschaft einer überlegenen Kultur, besserer Institutionen oder fähigerer Führer, sondern logische Schlussfolgerung aus geographisch gegebenen Rahmenbedingungen gepaart mit richtungsweisender Evolution. Verschwörung bzw. Planung wäre unter dieser Prämisse damit nur begrenzt möglich.

Machtverschiebung nach Osten und kulturelle Evolution
Morris geht davon aus, dass der Westen seine Vormachtstellung verlieren wird. Die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von West nach Ost ist unaufhaltsam. Nichts, was Regierungen oder Individuen tun können, wird sie aufhalten – genauso wenig wie es etwas gab, das europäische Regierungen oder Individuen im 19. und 20. Jahrhundert hätten tun können, um den Aufstieg der USA zu stoppen. Fraglich ist lediglich die Zeitspanne, in der dies passieren wird. Als Beschleuniger nennt er beispielsweise die europäische Schuldenkrise oder „Amerikas unterkapitalisierte Anspruchsprogramme, wie die Krankenfürsorge für Arme und Alte, Subventionen für die Landwirtschaft sowie Renten und Pensionen. Viel interessanter als die West-Ost-Machtverschiebung ist allerdings der Aspekt der kulturellen Evolution. Morris bedient sich des „Index der gesellschaftlichen Entwicklung“, der sich aus den Faktoren Energieausbeute, Verstädterung, Verarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen und Kriegsführung zusammensetzt. Je höher die gesellschaftliche Entwicklung ausfällt, umso größer ist die Summe, die sich aus den einzelnen Komponenten ergibt. Das Besondere an Morris’ Schlussfolgerungen: „Die Menschheit wird in den nächsten hundert Jahren mehr Veränderungen sehen als in den vorangehenden 100.000 Jahren.“ Der prognostizierte Index wird geradezu explodieren, was Morris sich mit bahnbrechenden Entwicklungen und einem „Auflösen der Grenzen zwischen Technologie und Biologie“ erklärt. Das 21. Jahrhundert könnte geprägt werden von der Fusion biologischer, also auf Kohlenstoff basierender Intelligenz mit technologischer, auf Silizium basierender Intelligenz. Der Mensch würde sich zu einer neuen Art von Hybrid entwickeln und damit dürfte „die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von West nach Ost – und mit ihr die Ablösung von Ostasien durch andere, neuere Mächte – dann mit Sicherheit unsere kleinste Sorge sein“.

Des Griffin oder die Frage nach dem „Cui bono?“
Zäumt man das Pferd von hinten auf, so wäre das Bonmot „Cui bono?“, sprich „Wem nützt es?“, ein viel versprechender Ansatz zur Beantwortung dieser Frage. Betrachtet man die Welt in der jetzigen Ausgestaltungsform und geht man davon aus, dass der oder diejenigen, welche die tatsächliche Macht zur Gestaltung haben, diese nach ihrem Gutdünken einsetzen können – wem wäre dann daran gelegen, dass die Welt so aussieht wie sie gerade ist? Warum ist beispielsweise Afrika mit seinem riesigen Vorkommen an Bodenschätzen ein von Bürgerkriegen, Hungersnöten und Völkermorden heimgesuchter Kontinent? Warum steigt die bürokratisch-zentralistische Gängelung der EU-Bürger (trotz steigender Zahl von bekennenden Globalisierungsgegnern) immer weiter an? Warum werden künstliche (Staats)Gebilde wie die Europäische Union geschaffen, welche die kulturellen Eigenheiten als non-Konformität verdammen und deren Hauptanliegen Nivellierung und Regulierung lautet? Und warum wird unter allen Umständen versucht, dieses Konstrukt mit einer gemeinsamen, künstlichen Währung unter allen Umständen zusammenzuhalten, gleichwohl die Geld- und Notenbankgeschichte der vergangenen Jahrzehnte nichts Gutes für die Zukunft erwarten lässt?

Wie man anhand dieser wenigen Fragen bereits erkennt, ist der häufig vorgebrachte Hauptkritikpunkt gegen diesen Ansatz quasi system-immanent, impliziert er doch, dass es Menschen geben muss, die vermeintliche Unmenschlichkeiten wie u.a. Hungersnöte, (Bürger)Kriege, Völkermorde oder Seuchen forcieren, zumindest aber billigend in Kauf nehmen für ihre spezifischen, individuellen Ziele – derartig Ungeheures könne unmöglich gewollt, geschweige denn geplant sein!

Nur eine weitere Verschwörungstheorie?
Aus Sichtweise der meisten Menschen kann man dem Gedanken „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ einiges abgewinnen. Von solchen Denkmustern muss man sich allerdings lösen, möchte man nur im Ansatz nachvollziehen, wozu manche Individuen und Organisationen fähig sind. Des Griffin zeigt in seinem Buch „Wer regiert die Welt?“ unzählige Beispiele von zunächst unfassbar anmutenden Denk- und Handlungsstrukturen auf und beschreibt ausführlich die historischen Ursprünge und Entwicklungen dieser Strömungen. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Geheimgesellschaft der Illuminaten, die 1776 von Adam Weishaupt ins Leben gerufen wurde und seitdem über die Jahrhunderte hinweg nichts an Aktualität verloren hat. Im jetzigen 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, das Augenmerk auf Ziele und Vorgehensweise diverser „Gremien“ und Gesellschaften wie z.B. Bilderberger, Council on Foreign Relations (CFR), Trilaterale Kommission, Freimaurer bzw. sonstige Logen zu richten. Die Existenz wurde in unzähligen Berichten, Reportagen und Dokumentationen bereits hinreichend fundiert und dargelegt – es ist an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und sich mit ihnen als reale Größe auseinanderzusetzen. Hierzu noch eine Bemerkung am Rande: Sollte die Beschäftigung mit einer als „Verschwörungstheorie“ titulierten Begebenheit Kopfzerbrechen bereiten, so führe man sich ruhig vor Augen, dass die Definition einer Verschwörung drei konstitutive Elemente aufweist. Es bedarf (1) einer geheimen Absprache zwischen (2) mindestens zwei Menschen, die (3) mit illegalen und/oder unmoralischen Mitteln ein bestimmtes Ziel verfolgen. Insofern wird man feststellen, dass man im Laufe seines Lebens bereits unzählige Male mit Verschwörungen konfrontiert war und diese nicht unbedingt Ausnahmen im wirtschaftlichen bzw. politischen Kontext darstellen – der Quantensprung hin zu den Illuminaten liegt insofern „lediglich“ in der Dimension, also in der Bedeutung für die gesamte Menschheit.

Der Zweck heiligt die Mittel
Löst man sich einmal von „menschlichen“ Denkschemata und begibt man sich auf emotions- und empathiefreie logisch-analytische Wege, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, „psychopathisch“ zu agieren, also ein „von der Norm abweichendes psychologisches Verhalten“ an den Tag zu legen. In der vorherrschenden Leistungsgesellschaft darf man zu Recht davon ausgehen, dass eine psychopathische Einstellung immense Vorteile beim Erklimmen von Macht- und Hierarchiestrukturen aufweist, denn euphemistisch könnte man auch von Geradlinigkeit, unbedingtem Siegeswillen, ultimativem Konsequenzstreben, Gnadenlosigkeit, Unbestechlichkeit etc. sprechen, also meist positiv besetzten Attributen. Wer meint, dass es sich bei Psychopathen um ein Randthema handelt, wird von Prof. Dr. Robert D. Hare, der seit über 30 Jahren auf dem Gebiet der Psychopathie forscht, eines Besseren belehrt. Seinen Schätzungen zufolge ist immerhin jeder 100. Mensch ein Psychopath, der unerkannt und vermeintlich sozial bestens integriert unter uns lebt. Als Folge wäre festzuhalten, dass in fast allen Gesellschaften Personen bzw. Personengruppen an den Steuerhebeln sitzen würden (bzw. von ihnen umgeben sind), die zwar von „Mitgefühl“, „Gemeinsamkeit“, „Zuhören“ und „Teilen“ sprechen, aber damit von ihrem Wesen her überhaupt nichts anfangen können, da diese Begriffe in ihrer Werteskala überhaupt nicht vorkommen, sondern bestenfalls als leere Worthülsen herum schwadronieren.

Betrachtet man sich die Zweck-Mittel-Formel unter dieser Prämisse, dann wäre die Errichtung einer Weltherrschaft (New World Order, NWO) mit dem Mittel der Zentralisierung unter einer gemeinsamen Währung nicht mehr im Bereich des Imaginären angesiedelt. Ein kurzes Gedankenspiel dazu: Die Frage ist durchaus berechtigt, warum es jährlich Millionen von Hungertoten gibt, obwohl weltweit angeblich jeder dagegen ist. Oder gibt es eine Regierung, die sich offiziell zur Politik eines „geordneten, reglementierten Quoten-Hungertods“ bekennt? Kann diese Geisel der Menschheit, die ein logistisches und durchaus steuerbares Problem darstellt, tatsächlich von der Welt-Direktive nicht in den Griff bekommen werden, oder soll es das vielmehr gar nicht? Bereits im Juni 2008 stellte Jacques Diouf, Generaldirektor der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), auf dem Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen in Rom fest, dass nur 30 Milliarden Dollar im Jahr notwendig wären, um weltweit Hunger und Unterernährung auszurotten. (Quelle: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,557545,00.html). Bedenkt man, dass die damaligen Rüstungsausgaben das 40-Fache der besagten Summe ausmachten oder führt man sich die Hunderte von Milliarden Dollar für Rettungsschirme und Bankenfinanzspritzen vor Augen, kann man wohl kaum mehr von unvermeidbarem, nicht zu änderndem Übel sprechen.

Vielleicht fehlt den meisten Menschen ja eine Dimension und sie sind nicht in der Lage, einen höherdimensionalen Fragenkomplex mit ihrer begrenzten Sichtweise zu erfassen, geschweige denn zu beantworten. Aber dafür gäbe es ja auch „Psychopathen“, die Ent-rückten, die Perspektivenwechsler. Einzelne Menschen zu opfern, um ein Ziel zu erreichen, das letztlich die „Menschheit“ rettet? Das muss bejaht werden! Aber wo legt man die Messlatte an? Ein paar wenige, eine Familie, ein Dorf oder eine Stadt, eine Region oder gar ein ganzes Land? Welche Relation ist ethisch-moralisch noch legitimierbar? Aber schon wieder in alte Denkmuster zurückgefallen – ethisch-moralisch ist offensichtlich nicht Teilmenge der Werteskala!

Fazit
Ian Morris, der sich überhaupt nicht mit dem Verschwörungsaspekt auseinandersetzt, kommt zu dem Ergebnis, dass „die nächsten 50 Jahre die wichtigsten in der Geschichte unserer Welt sein werden.“ So wird „das anstehende große Wettrennen zwischen einer Transformation der Menschheit, die traditionelle Geopolitik irrelevant macht, und einem massiven, möglicherweise endgültigen Kollaps, der traditionelle Geopolitik ebenfalls irrelevant macht“ die alles entscheidende Frage darstellen. Interessanterweise liegen die Implikationen für die nahe Zukunft bei Des Griffin und Ian Morris gar nicht weit auseinander. Man muss nur etwas genauer hinsehen, da sich Morris eher „horizontal“ und damit in seiner gesamten (regionalen) Breite, Griffin dagegen eher „vertikal“ innerhalb einer Rasse mit der Thematik auseinandersetzt. Aber steckt nun eine Verschwörung dahinter oder nicht?

Um es mit Mel Gibsons Worten im Blockbuster „Fletchers Visionen“ auf den Punkt zu bringen: „Eine gute Verschwörung ist unmöglich zu beweisen“ – nichtsdestotrotz spüren viele Menschen, und sei es nur intuitiv, dass etwas auf dieser Welt grundlegend falsch läuft.

Das mangelnde und diffuse Wissen um die Ursache der gegenwärtigen Misere sollte nicht als Alibi für Verdrängung, Beschwichtigung oder Herunterspielen herangezogen werden. So denn Schlagwörter wie Geheimgesellschaften, Verschwörungen, dunkle Mächte etc. in der Vergangenheit dazu führten, mentale Schutzmechanismen zu starten à la „Schublade auf, Klischee rein, Schublade zu und weiter wie gewohnt“, so sollte eine kritische Auseinandersetzung inzwischen nicht mehr aufgrund von Begrifflichkeiten und Nomenklaturen verschoben werden. Churchill beschreibt dies mit den Worten: „An irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens stolpern die meisten Menschen einmal über die Wahrheit. Der größte Teil von ihnen springt auf, klopft den Staub von den Kleidern und eilt seinen Geschäften nach, als sei nichts geschehen“. Klopfen Sie nicht, sondern halten Sie kurz inne! – Es ist höchste Zeit, sich zu positionieren (nicht nur wirtschaftlich), sondern auch mental, schließlich wird man die neutral-beobachtende Zuschauerperspektive über kurz oder lang wohl verlassen müssen.