„Den ESM-Vertrag würde kein mündiger Bürger unterzeichnen“

Info:
Das Goldstandard Institute wurde gegründet, um die Menschen über die Geldfunktion von Gold aufzuklären, denn nur (Edelmetall) gedecktes Geld erfüllt sämtliche nötigen Funktionen und ist daher wahres Geld. Ein Goldstandard hindert die Politik daran, die Bürger durch bewusst herbeigeführte Inflation verdeckt zu besteuern bzw. durch beliebig vermehrbare Geldmengen Wählerstimmen zu kaufen. Deshalb möchte das Institut mit seiner Informationspolitik einen unverfälschten Goldstandard vorantreiben, um somit wieder faire Bedingungen für alle wirtschaftlichen Akteure zu schaffen. Weitere Info unter:
www.goldstandardinstitute.net

Smart Investor: Herr Bachheimer, vor wenigen Tagen schrieben Sie alle Abgeordneten des Österreichischen Nationalrats an und baten in einem eindringlichen Appell darum, dem in Kürze zur Abstimmung stehenden ESM-Vertrag nicht zuzustimmen. Was hat Sie zu diesem außergewöhnlichen Schritt bewogen?
Bachheimer:
Vor rund zehn Jahren wurde unser heutiges Währungssystem etabliert. Statt den wirtschaftlichen Akteuren zu dienen, was sein eigentlicher Zweck wäre, dient es nur der Durchsetzung der europäischen Umverteilungspolitik und Etablierung einer neuen Elite. Eine derart künstliche, undemokratisch eingeführte Politbürowährung kann nur eine kurze Zeit funktionieren.

Smart Investor: Instinktiv ahnen ja viele Menschen schon, dass der Euro am Ende ist …
Bachheimer:
Exakt, schon jetzt kommt es zu offensichtlichen Zerfallserscheinungen, die mit immer unlauteren Mitteln bekämpft werden, wobei immer das Volk zahlt. Zunächst hat man die Leistungsträger Europas nur enteignet, nun nimmt man den Völkern in den jeweiligen Ländern sogar die Souveränität und demokratische Entscheidungsmöglichkeiten. Würde all dies in einer der Ex-Sowjetrepubliken passieren, der Aufschrei Europas wäre unüberhörbar. Aber hier ist es okay, weil es die sogenannten „Guten“ inszenieren. Der Gipfel all dieser Maßnahmen ist dieser unsägliche ESM-Vertrag, den kein mündiger Bürger unterzeichnen würde. Genau hier muss man versuchen einzuschreiten, auch wenn es hoffnungslos scheint.

Smart Investor: Wie fiel denn das Feedback auf Ihren Aufruf bisher aus?
Bachheimer:
Das bisherige Feedback macht mich sehr betroffen. Parlamentarier sind Volksvertreter, aber diese – so scheint es – nehmen diese ihre Aufgabe nicht ernst. Sie scheinen sich von Euro-Eliten mundtot machen zu lassen und stimmen für den ESM-Vertrag – ohne Kenntnis der Sachlage. Zweitens ist ein offenes, besorgtes Schreiben eines ihrer Bürger mehr als 90% von ihnen nicht einmal eine Antwort wert. Ich habe lediglich eine Handvoll Zuschriften vom rechten Lager erhalten, die allesamt erklärt haben, diesem Vertrag nicht zuzustimmen. Die Grünen haben – wie zu erwarten im Kollektiv – über ein Dialogbüro geantwortet. Von den 108 Abgeordneten der Regierungsparteien hat nur eine einzige (!) geantwortet.

Smart Investor: Unser Gastautor Erwin Grandinger bezeichnet den ESM für Deutschland als das „dritte Ermächtigungsgesetz“. Halten Sie diesen Ausdruck für übertrieben oder unpassend?
Bachheimer:
Mit solchen Vergleichen muss man natürlich aufpassen, da das berüchtigtste Ermächtigungsgesetz jenes der NSDAP „zur Behebung der Not von Volk und Reich“ von 1933 ist. In der Sache jedoch muss ich Grandinger recht geben. Eine kleine Gruppe von „Entscheidern“ bemächtigt sich der Finanzsouveränität, und zwar fast europaweit. Wieder dient eine sogenannte „Not“ – also die Finanzkrise, die genau jene, die den ESM leiten, hervorgerufen haben – als Mittel zum Zweck und wieder wird es in einer demokratiepolitischen Katastrophe enden.

Smart Investor: Wie müssen Volksvertreter wohl ticken, wenn sie ihrer eigenen Entmachtung zustimmen?
Bachheimer:
Ich glaube, die ticken überhaupt nicht mehr. Dort sitzen entmachtete Marionetten, die gar nicht verstehen (wollen?), was da passiert. Ich verweise hier auf die ARD-Umfragen im Bundestag, die jeweils kurz vor einer Abstimmung unter den Abgeordneten gemacht wurden. So gut wie niemand hat genau gewusst, wofür er stimmen wird bzw. wie viel Geld mittels seiner Stimme irgendwohin überwiesen wird. Apropos Entmachtung: an dieser Stelle sei erwähnt, dass in Italien, in Griechenland und in der EZB – jeweils ohne Wahl – Goldman-Sachs-nahe Politiker in Stellung gebracht wurden. In Italien und Griechenland wurden etablierte Politiker – ob jetzt gut oder schlecht, sei dahingestellt, immerhin waren diese gewählt – binnen Stunden abgesetzt und ungewählte Experten eingesetzt – und die Parlamente haben geschwiegen.

Smart Investor: Was erwarten Sie realistischer Weise für das Abstimmungsergebnis im österreichischen Parlament? Und was bedeutet das ganz prinzipiell für Ihr Land bzw. für alle anderen Unterzeichnerstaaten?
Bachheimer:
Der geringe Anzahl der Antworten, aber auch deren Inhalt, lassen erwarten, dass man natürlich ratifizieren wird. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa haben sich die Volksvertreter von einer kleinen Eliten-Schicht einlullen lassen und ducken sich vor dieser Gruppe. Somit geben die Parlamentarier sukzessive die Finanz- und später auch die Gesamtsouveränität an Brüssel bzw. an nicht gewählte Organisationen, Räte, Kommissionen und dubiose Gruppen ab. Eine Denationalisierung, verbunden mit einem noch nie dagewesenen Macht- und Vermögenstransfer, findet mit zunehmender Intensität statt. Ein böses Erwachen wird die Folge sein, und am Schluss will keiner der Volksvertreter etwas geahnt haben – kommt uns irgendwie bekannt vor, oder?

Smart Investor: Herr Bachheimer, haben Sie herzlichen Dank für Ihre offenen Worte!