Nachhaltigkeit zwischen Ökologie und Ökonomie

Trotz des aktuellen Hypes um die Nachhaltigkeit, wirklich neu ist das Thema nicht. In unseren Breitengraden ist die Idee des nachhaltigen Wirtschaftens bereits im 15. Jahrhundert dokumentiert. Es war die übermäßige Abholzung von Waldflächen unter anderem für Bergwerksverbauungen, die angesichts des nur langsam nachwachsenden Rohstoffs Holz als Problem erkannt wurde. Mit den ersten sogenannten Forstordnungen wurde ein Gleichgewicht zwischen Holzentnahme und Wiederaufforstung angestrebt. Das funktionierte so gut, dass etwa die altbayerische Forstordnung von 1568 bis 1852 im Kern unverändert in Kraft blieb. Die Notwendigkeit des nachhaltigen Wirtschaftens wurde unabhängig davon auch in anderen Regionen erkannt, z.B. in Japan, wo Holz eine noch entscheidendere Rolle für die Wirtschaft spielte. Was heute schwärmerisch als ein Leben im Einklang mit der Natur bezeichnet wird, war anfänglich nichts weiter als der schlichte Überlebenskampf des Menschen in einer Welt knapper Ressourcen. Die Säulen der Nachhaltigkeit Aktuell werden drei Säulen bzw. ein magisches Dreieck der Nachhaltigkeit postuliert: ökologisch, ökonomisch und sozial. Der Begriff der „sozialen Nachhaltigkeit“ ist nicht nur der jüngste, sondern auch der schwammigste des Trios. Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass einige notorische Gesellschaftsingenieure hier lediglich einen neuen Schlauch mit dem alten Wein ihrer Umverteilungsideen befüllen wollen. Tatsächlich dürften aber Eigentum und Familie die sozial nachhaltigsten Strukturen sein. Wer eine bessere Welt für seine Kinder will, der braucht nicht zur Generationengerechtigkeit verpflichtet zu werden, und dass mit eigenem Eigentum pfleglicher und damit nachhaltiger umgegangen wird als mit öffentlichem, ist eine Binsenweisheit, die sich in jedem Vorortzug überprüfen lässt. Auch im Bereich von Wirtschaft und Börse haben Studien wiederholt belegt, dass sich Unternehmen in Familienbesitz tendenziell nachhaltiger und erfolgreicher entwickeln als ihre Mitbewerber – und das über Generationen. Wie das bei Unternehmen aussieht, die explizit als nachhaltig in sogenannten Sustain ability-, also Nachhaltigkeits-Indizes geführt werden, hat Dr. Conrad Mattern in seinem Beitrag auf S. 34 untersucht.

Opfer des eigenen Erfolgs?
Wir beschränken uns hier auf die beiden etablierten Säulen unseres Titelbilds, die ökologische und die ökonomische Nachhaltigkeit. Gegenüber den frühen forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitskonzepten hat sich einiges verändert: Schon die heute allgemein akzeptierte Vorstellung, dass die Natur des Schutzes durch den Menschen bedarf, hätte im Mittelalter wohl verblüfft. Denn es war die Natur, die übermächtig war, während es für den Menschen ohne Wenn und Aber ein Erfolg war, wenn er dieser etwas abtrotzen konnte. War der Mensch in Forschung, Medizin und Technik etwa zu erfindungsreich, oder nur zu hastig in der Anwendung und Umsetzung seines frischen, aber im Hinblick auf die Fernwirkungen unvollkommenen Wissens? Böse gefragt: Passen der agile, vorwärtsstrebende Mensch und die beharrende Natur auf Dauer überhaupt zusammen?! In gewisser Weise wurde der Mensch also zum Opfer seiner eigenen Erfolgsgeschichte, was zu der Einsicht führte, dass er im Umgang mit der Umwelt behutsamer und vorausschauender werden muss.

Um der Natur willen
Die deutlichste Verschiebung ist bei der Zielgröße der Nachhaltigkeitsbemühungen zu beobachten: Während die Sorge ursprünglich der künftigen Verfügbarkeit benötigter Ressourcen galt, ist es heute die Natur selbst, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Nach der rein ökonomischen Nachhaltigkeit kann das Aufkommen der Umweltbewegung in den 1970er Jahren als die Geburtsstunde der ökologischen Nachhaltigkeit gelten, zumindest gewann diese Idee seither enorm an Momentum. Inzwischen ist sie das dominante Nachhaltigkeitsthema, dem sich ökonomische Erwägungen unterzuordnen haben. Die einseitige Ausrichtung auf ökologische Nachhaltigkeit, die insbesondere im Themenkomplex CO2/Klimawandel sichtbar wird, ist allerdings ein riskanter Weg, besonders für eine führende Industrienation wie Deutschland. Die Gefahr besteht, dass wir uns letztlich den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wie unser Gesprächspartner Prof. Knut Löschke (S. 30) ausführt.

CO2-Planwirtschaft als Ausweg?
Tatsächlich lautet die Aufgabenstellung, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit zu verwirklichen, wenn neben dem Erhalt einer lebenswerten Umwelt auch der von den Menschen geschaffene Wohlstand gewahrt bleiben soll. Letzteres ist in radikal-ökologischen Kreisen durchaus keine Zielgröße mehr. Natürlich ist es verlockend für den Staat, in gesättigten Märkten mit einem neuen Generalthema wie dem Komplex CO2/Klimawandel ökonomische Impulse zur Erneuerung von Fahrzeugen, technischen Geräten, Wohnraum und Energieversorgung zu setzen und damit Wirtschaftswachstum zu generieren. Ob allerdings die praktizierte Mischung aus Subvention einerseits sowie Zwang und Steuern andererseits ein nachhaltiges ökonomisches Instrumentarium darstellt, muss bezweifelt werden. Der Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks hat gelehrt, dass eine zentral geplante und gesteuerte Befehlswirtschaft viel zu starr ist, um sich an die Herausforderungen einer Welt im Wandel rechtzeitig anzupassen. Dort mangelte es nicht nur an ökonomischer Nachhaltigkeit, auch ökologisch war der planwirtschaftliche Raubbau desaströs. Spaßiges Anschauungsmaterial liefert übrigens das Verbot der 100W-Glühbirne: Nachdem die schwerfällige Brüsseler Verwaltung mit einer 18-seitigen Verordnung deren Verbot durchsetzte, bringt sie nun ein einzelner, pfiffiger Aktionskünstler erneut und unverändert auf den Markt – als Heizstrahler (www.heatball.de).

… und vergib uns unsere Schuld
Eine gefährliche Entwicklung ist auch, dass sich das richtige und wichtige Thema der ökologischen Nachhaltigkeit in einem regelrechten Klimakult verselbstständigt und gegen Kritik abschottet. Der Philosoph Norbert Bolz spricht von einer Ersatzreligion. Es ist kein Zufall, dass diese „Religion“ gerade im mittlerweile weitgehend atheistischen Europa auf so fruchtbaren Boden fällt und das vorhandene Glaubensbedürfnis stillt. Wo früher ein Rosenkranz gebetet wurde, schrauben die Gläubigen heute eine Sparbirne in die Fassung oder erwerben einen CO2-Ablass, um Buße für ihre Klimasünden zu tun. Selbst eine neue Inquisition für „Klimaleugner“ wird bereits gefordert. Erkenntnisgewinn durch skeptisches Nachprüfen, die Triebfeder jeder ernsthaften Wissenschaft, scheint in diesem hochpolitisierten Bereich mittlerweile verpönt.

Ausblick
Der Kopenhagen-Gipfel 2009 zeigte, dass die Weltgemeinschaft die europäische Position zum Klimawandel derzeit nicht goutiert. Bekehren lässt sich auf internationaler Ebene nur, wer dafür entsprechende Transferzahlungen erhält. Lediglich bei der eigenen Bevölkerung ist es umgekehrt; die wird massiv zur Ader gelassen, um die Welt notfalls im Alleingang zu „retten“. Falls Sie vor und während des Ende November anstehenden Cancún-Gipfels neben der erwarteten Propaganda-Offensive eine zweite Meinung lesen wollen, sei Ihnen die Website unserer Gesprächspartner von EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie (www.eike-klima-energie.eu) empfohlen. Diese nennen sich selbst Klimarealisten, und im Gegensatz zu einigen Mainstream-Medien ist dort der Kommentarbereich auch bei brisanten Artikeln für einen lebhaften Gedankenaustausch geöffnet.