„Boomerang“

Kommt ein Buch im Jahr 2012 über die Finanzkrise nicht der Wiederholung eines Fußballspiels in voller Länge gleich? Da mag in vielen Fällen Langeweile aufkommen, bei „Boomerang“ nicht! Michael Lewis ist ein großartiges Werk geglückt, ein Reisebericht aus fünf Ländern, in welchem er hochrangige Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft trifft und zugleich noch auf die Mentalität der Menschen eingeht.

Lewis’ erstes Reiseziel lautet Island. Dort wurde es bei den Fischern populär, die ihnen zugewiesene Fangquote als Sicherheit für einen Bankkredit zu hinterlegen. Mit dem verpfändeten Kabeljau schickten sie ihre Kinder zum Studium ins Ausland. Später in der Heimat schlugen diese dann eine Karriere als Devisenhändler ein. Im Anschluss reist er nach Griechenland. Dort antwortet ihm der Finanzminister höchstpersönlich auf die Frage, „warum immer weitere Milliardenlöcher auftauchen“, lakonisch mit: „Es hat sich bislang eben noch niemand die Mühe gemacht, alles zusammenzuschreiben.“

In Irland ließen die polnischen Gastarbeiter nach Ausbruch der Krise bei ihrer Abreise einfach die geleasten Autos am Flughafen stehen. Bei einer halsbrecherischen Fahrradtour mit Arnold Schwarzenegger durch Santa Monica gewährt ihm dieser Einblicke in die Seele kalifornischer Wähler und öffentlicher Kassen – vielleicht der am meisten schockierende Abschnitt im Buch. Auch Deutschland besucht Lewis. Er schildert, dass die Landesbanken in der Bankenwelt zum Gespött wurden. Ließen sich schon keine Käufer für Ramschpapiere mehr finden, gab es immer noch die Option unserer Geldhäuser. Vorausgesetzt natürlich, dass alles seine Ordnung hatte. Wegen all dem mag man nun lachen, weinen oder sich das Leben nehmen. Lewis wäre wohl kein Amerikaner, hätte er nicht das Fünkchen Hoffnung, dass es irgendwie schon gehen werde, wenn die zukünftigen Probleme auftauchen. Zumindest kann er es nicht ausschließen.