Smart Investor Weekly 18/2012: Ohne Kompass aufs Gas? – Zurück in die Fahrschule!

Gas + Bremse – nun auch offiziell
Noch im letzten Weekly staunten wir ungläubig über die Forderungen des möglichen nächsten französischen Staatspräsidenten Francois Hollande, der den Fiskalpakt (Bremse) durch Wachstumsmaßnahmen (Gas) flankieren wollte. Nicht einmal eine Woche verging, dann kündigte auch die deutsche Kanzlerin eine europäische „Wachstums-Agenda“ an. Zwar betonte Frau Merkel mit dieser erneuten und angesichts der französischen Präsidentschaftswahlen offenbar besonders eilbedürftigen Kehrtwende, dass Wachstum „nicht immer“ Geld koste, überzeugen kann das jedoch nicht. Merkel strebt die Befreiung aus der Schuldenkrise, die Förderung von Wachstum und Beschäftigung und die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Staaten an – gleichzeitig! Wie derart konträre Zielsetzungen dann allerdings konkret umgesetzt werden sollen, blieb aber ihr Geheimnis – zumindest bis zur nächsten Steuererhöhung. Der einzig nachhaltige Effekt solcher „Wachstumsmaßnahmen“, der sich in der Vergangenheit immer wieder nachweisen ließ, war ein Wachstum der Schulden. Kaum einer im Politikbetrieb aber scheint sich mit der Idee anfreunden zu können oder zu wollen, dass das Geld der Bürger nirgendwo besser aufgehoben ist, als in den Händen der Bürger selbst. Den Akteuren scheint der marktwirtschaftliche Kompass bei ihren Vorschlägen dauerhaft abhandengekommen zu sein. Auch George Soros, obwohl einst durch den Markt groß geworden, traut den Selbstheilungskräften angesichts der Staatsschuldenkrise nicht. Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe Smart Investor 5/2012 ab Seite 84, was Soros Deutschland empfiehlt – und was wir davon halten.

Wirtschaftskompetenz?
Besonders bitter ist der Verlust des marktwirtschaftlichen Kompasses bei einem wie Philipp Rösler (FDP), immerhin Vorsitzender einer Partei, die doch traditionell auf die stärkste marktwirtschaftliche Orientierung unter allen etablierten Parteien verweisen kann. Ausgerechnet Rösler, in Personalunion auch noch Wirtschaftsminister, forderte eine Meldepflicht für Benzinpreisänderungen an eine noch zu schaffende Behörde, die sogenannte Markttransparenzstelle. Wie nicht anders zu erwarten, hat das Kabinett heute genau dies beschlossen. Sicher ist bei alledem nur der bürokratische Aufwand, der letztlich vom (autofahrenden) Bürger selbst aufzubringen ist. Der praktische Nutzen dagegen ist weder erkennbar, noch lässt er sich plausibel machen. Vor dem Hintergrund, dass der Staat selbst der größte Profiteur an der Zapfsäule ist (vgl. Smart Investor Weekly 14/2012) wirkt ein solch anbiedernder „Kampf für Verbraucher“ geradezu zynisch. Dass inzwischen die FDP zum Stichwortgeber für den Aufbau weiterer bürokratischer Strukturen geworden ist, zeigt, auf welches Abstellgleis die Partei von ihrer Führung manövriert wurde – angepasst und überflüssig.


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Zu den Märkten
Auf der diesjährigen Stuttgarter Anlegermesse INVEST 2012, die sich allerdings mehr und mehr zu einer Tradingmesse wandelt, war von Krise wenig zu spüren. Nicht nur, dass die Stände von Edelmetallanbietern nicht sonderlich umlagert waren, auf den Vorträgen konnte man viel darüber hören, warum Aktien billig seien und warum man sie nach der jüngsten „Korrektur“ praktisch bedenkenlos kaufen könne. Wir stehen mit unserer Ansicht vom Ende des Bullenmarktes nach wie vor ziemlich alleine auf weiter Flur – in Börsendingen nicht der schlechteste Standort. Auch wurden wir von unseren Lesern auf die jüngste Gegenbewegung des DAX angesprochen, die praktisch „zwangsläufig“ diesen Montag – mit Kursen über 6.800 Punkten – ein erneutes Kaufsignal generieren werde. Zwar stiegen die Kurse am Montag nach der Messe tatsächlich über die angegebene Marke, sanken jedoch in der Folge prompt wieder darunter. Erneut narrte der Markt die rein technisch orientierten Marktteilnehmer. Die Häufung von Fehlsignalen zeigt die Verunsicherung – allen optimistischen Messevorträgen zum Trotz. In dieser Situation fehlte es noch, dass der Börsenaspirant Facebook mit seinem Mega-Börsengang nun Druck zu machen scheint. Trotz der Übernahme von Instagram soll es wohl der 18. Mai werden. Zumindest die Altaktionäre und deren Berater beherzigen damit die alte Börsenregel „Sell in May and go away.“

Musterdepot (Aktien)
Zwar ging der Kurs von Demag Cranes (WKN DCAG01) leicht auf 51,20 EUR zurück, mit unserem Kauflimit bei 50,30 EUR kamen wir allerdings erneut nicht zum Zuge. Das Limit bleibt bestehen.
Da unser Verkauf von 400 Stück EquityStory (WKN 549416) bislang nicht ausgeführt werden konnte, ermäßigen wir unser Verkaufslimit auf 24,50 EUR, gültig ab morgen zur Eröffnung.
Ein weiteres Verkaufslimit geben wir für unsere 10.000 Stück Strateco Res. (WKN A0CAKR) mit 0,34 EUR ein, ebenfalls gültig ab morgen zur Eröffnung. Die Aktie hat unsere Erwartungen nicht erfüllt und die Position hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Musterdepots.

Leider hat sich in unser neues Heft Smart Investor 5/2012 in die Musterdepot-Tabelle auf Seite 80 ein Fehler bei der Position EquityStory eingeschlichen, der auch zu einer falschen Angabe des Depot-Gesamtwerts führt. Bei „Wert akt.“ Müsste es richtig 10.120 statt 2,2% heißen. Die Zusammenfassung sieht entsprechend so aus:

Aktienbestand 97.367 34,0%
Liquidität 188.679 66,0%
Gesamtwert 286.046 100,0%

Die Monats-Perfomance des Musterdepots liegt bei +0,7%.

Musterdepot (Fonds)
Er werden für diese Woche keine Änderungen vorgenommen.

Veranstaltungshinweis I
Eine Veranstaltung, die Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten, ist die „3. Hamburger Mark Banco Anlegertagung – Euro-Misere ohne Ende“ des Instituts für Austrian Asset Management. Neben vielen bekannten Namen der „österreichischen Welt“, u.a. Rahim Taghizagedan, Dr. Michael von Prollius oder dem Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler werden auch Prof. Dr. Arnulf Baring und Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl auf einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort stehen. Zwei Tage voller Hintergrundinformation zum Stand und zur weiteren Entwicklung einer Krise, die uns alle betrifft. Näheres finden Sie hier:
http://www.ifaam-institut.de/wp-content/uploads/2012/03/Programmheft3.HamburgerMarkBancoAnlegertagungJuni2012.pdf

Veranstaltungshinweis II
Vom 2. bis 16. Mai veranstaltet die Fondsgesellschaft Universal zusammen mit sechs Vermögensverwaltern in sechs deutschen Städten die UI Champions Tour. Interessierte sind herzlich eingeladen. Nähere Infos und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier: http://universal-investment-veranstaltungen.de/champions-tour.html

Fazit
Mit dem Fortschreiten der Krise und unter dem Druck der laufenden Wahlkämpfe (Frankreich, Griechenland) werden immer hektischer Absichtserklärungen abgegeben und immer kopfloser Maßnahmen ergriffen. Die Märkte werden fest im Griff von Krise und versuchter Krisenbewältigung bleiben. Für Optimismus sehen wir auch weiter wenig Anlass.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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