Das große Bild: Clowns oder Helden?!

Italien sagt „No“
Natürlich wussten deutsche Leitartikler wieder einmal besser, was gut für Italien ist, als die Italiener selbst. Was neu ist, auch ein Politiker wie Peer „Fettnäpfchen“ Steinbrück übte sich – ganz Europäer – in grenzüberschreitender Wählerschelte. Bei den Parlamentswahlen am 24./25.2.2013 waren unsere südlichen Nachbarn nämlich irgendwie auf Krawall gebürstet. Der frühere, langjährige Regierungschef Silvio Berlusconi durfte sich trotz zahlreicher Skandale und Affären ebenso zu den Gewinnern zählen, wie der Chef der Bewegung „Fünf Sterne“, der Komiker Beppe Grillo – so etwas wie das politische Enfant terrible des Landes. Sang- und klanglos untergegangen ist dagegen der bisherige Amtsinhaber und EU-Wunschkandidat, Mario Monti. Der farblose, ebenfalls EU-affine Sozialist Bersani erhielt zwar die meisten Stimmen, ein Wahlsieger aber sieht anders aus. Die Regierungsbildung wird schon deshalb schwierig, weil Bersani nicht mit Berlusconi will und Grillo das gesamte politische System für vollkommen verfilzt und korrupt hält und daher konsequenter Weise eher auf dessen baldigen Zusammenbruch als auf eine Reformierbarkeit setzt. Eine solche Klarheit des Denkens kann man wohl tatsächlich nur von einem „Komiker“ erwarten. Kurzfristig würde dies zwar ein schmerzhafter Weg sein, aber für Italien stellt sich – wie für den Euro als Ganzes – die Frage aller Fragen: Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?


Der schiefe Turm von Pisa scheint kein schlechtes Gleichnis
für die derzeitige politische Situation in Italien abzugeben.

Chaostage als Kaufgelegenheit?
Was das für Anleger in Italien bedeutet und welche Effekte das auf die EU insgesamt hat, ist naturgemäß schwer abzuschätzen. Wenn aber die Dämme erst einmal brechen, dann wäre vor allem für Dynamik gesorgt. Tatsache ist: Italienische Aktien sind preiswert, nicht nur eine Folge der wirtschaftlichen Unsicherheiten, sondern auch Ausfluss der unübersichtlichen politischen Lage. Natürlich wird in ein Land, das erkennbar ins Chaos abdriftet, zunächst einmal kein Geld hinein fließen. Im Gegenteil: Eine neue Kapitalflucht wäre als erste Panikreaktion wahrscheinlich. Dies besonders, falls sich abzeichnen sollte, dass das Land tatsächlich den Euro hinter sich lassen könnte. Aufgrund der Abwertungseffekte wäre Geld außerhalb Italiens dann erst einmal besser untergebracht. Aber: Nach dem Schock dürfte ein „befreites Italien“ rasch zu seinem traditionellen und über viele Jahrzehnte funktionsfähigen Geschäftsmodell zurückfinden – einer Wirtschaft, die über Generationen gelernt hat, mit einer tendenziell weichen Währung zu leben, und dabei Wohlstand für die Bürger schuf (s.u.). Mal ehrlich, ein Italien mit deutschen Tugenden wäre doch ohnehin eine Albtraumvorstellung. Falls man die überall gepredigte „Diversity“ (=Diversität) ernst nimmt, dann sollte man auch den europäischen Nationen ihre Eigenarten belassen. Aus Sicht eines Euro-Anlegers gibt es also rund um Italien erhebliches Verwerfungspotenzial, selbst wenn die Italiener am Ende noch einmal Angst vor der eigenen Courage bekämen. Einen billigen Ausweg aus dem Dilemma gibt es ohnehin nicht (vgl. Artikel auf S. 28 über die Euro-Kritiker Hans Magnus Enzensberger und Joachim Starbatty). Und dass Beppe Grillo auch außerhalb des Politikbetriebs äußerst erfolgreich war, taugt nicht zum Vorwurf. Vielleicht hat der „Komiker“ sogar das Zeug zum italienischen Volkshelden.

Armut à la Italia
Im Zusammenhang mit den Transferzahlungen aus dem deutschen Staatshaushalt erscheint eine Statistik interessant, die die Notenbanken der Euro-Staaten bereits seit 2006 erheben: die Vermögen der Privathaushalte. Das Erstaunliche: Selbst die Bürger in etlichen Krisenstaaten sind im Durchschnitt reicher als die Deutschen. In Italien z.B. lag im Jahr 2010 (letzter verfügbarer Wert) der Medianwert (ein statistisches Maß für den Durchschnitt, das von Ausreißern nicht so sehr beeinflusst wird wie der Mittelwert) bei 164.000 EUR je Erwachsenem. Hierzulande wird der Wert dagegen nur auf rund 76.000 EUR geschätzt. Die Italiener haben also durchaus etwas zu verlieren. Diese Statistik, obwohl in anderen Euro-Ländern bereits veröffentlicht, wurde von der Bundesbank bis Redaktionsschluss noch unter Verschluss gehalten, wohl um Kritikern kein zusätzliches Wasser auf die Mühlen zu geben. An solchen Informationssplittern wird jedenfalls deutlich, dass man dem Volk nicht die Informationen gibt, die wesentlich sind, sondern lediglich diejenigen, die zu den eigenen Zielsetzungen passen. Während der deutsche Staat seine Bürger mit einer gut geölten Finanzverwaltung schon immer ausgenommen hat – künftig noch beschleunigt –, begann das Schröpfen in Italien erst unter Monti so richtig, was die dramatischen Vermögensunterschiede sicherlich zum Teil erklärt. Eine Fortsetzung der Monti-Politik aber wollten die Italiener nicht und zeigten klare Kante gegen die Übergriffe.

Mit Horror fängt man „Mäuse“
Überhaupt sollte man die herumgereichten Horrorszenarien um Italien nicht überschätzen. […]

Den vollständigen Artikel finden Sie in Smart Investor Ausgabe 4/2013 ab Seite 46. Viel Vergnügen bei der Lektüre!