Löcher in der Matrix – Deutschlands Reiche

„Top-500-Liste: Deutschlands Reiche sind so reich wie nie“ (spiegel.de, 7.10.2013)

Nanu, denkt sich da mancher Leser, davon habe er selbst gar nichts gespürt und schließt messerscharf, dass er wohl nicht zu „Deutschlands Reichen“ zählt. Dieser Schluss ist gewollt, denn derartige Berichte lösen in Deutschland selten Freude aus, etwa über eine gut laufende Konjunktur, sondern viel eher das Gefühl, dass diese Konjunktur an einem selbst gründlich vorbeigelaufen sei. Reichtum wird in der öffentlichen Diskussion schon lange nicht mehr als Auszeichnung für Leistung oder ein geglücktes unternehmerisches Wagnis empfunden, sondern eher als eine Art Makel, der der Entschuldigung und mehr noch der Korrektur bedürfte – zumindest aus Sicht jener sich selbst demokratisch legitimierenden Mehrheit, die eben nicht reich ist. Wir sind (relativ) arm, WEIL Ihr (absolut) reich seid, so das Motto, das auch in der Politik stets ein offenes Ohr findet. Die Umverteilung „ungerechten“ Reichtums ist ja eine wesentliche Existenzberichtigung des Apparats, der sich damit das Wohlwollen der Wähler erkauft – die Politik und Finanzverwaltung als institutionalisierter Robin Hood?! Eine Ursache, die bei der Entstehung der aufgelisteten Riesenvermögen immer eine Rolle spielt, aber geflissentlich(?) nicht thematisiert wird, ist das Fiat-Money-System, das sowohl den Reichtum als auch die Armut dynamisiert. Die Politik korrigiert also im Wesentlichen an einem Phänomen herum, das sie durch dieses Geldsystem selbst geschaffen hat.

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