Österreichische Schule – „Menschlicher Wolpertinger“

Smart Investor: Herr Janich, mit Ihrem soeben erschienenen Buch „Die Vereinigten Staaten von Europa“ haben Sie aus unserer Sicht einen Meilenstein gesetzt. Sie greifen darin gleich mehrere wichtige Teilaspekte auf, über die man jeweils ein eigenes Buch hätte schreiben können. Menschen mit etwas weniger Vorwissen könnten sich aber von Ihrem 500-Seiten-Werk mit mehr als 1.000 Fußnoten erschlagen fühlen…
Janich: Auf den ersten Blick stimmt das vielleicht. Ich empfehle deshalb, zunächst das Buch ohne Beachtung der Fußnoten in einem Rutsch zu lesen. Das geht recht schnell an einem Wochenende. Der Stil ist ja flüssig und verständlich, wie die ersten Rezensionen beispielsweise auf Amazon zeigen. Auf der anderen Seite zeigen die vielen Fußnoten, wie genau ich fast jede Aussage mit Quellen belege. Dabei habe ich mich nur auf Mainstreamquellen, Primärquellen und erstklassige – nicht diskreditierte – Sekundärquellen gestützt.

Smart Inve
stor: Der Geist der „Österreichischen Schule“ weht ja recht stark durch einige Kapitel Ihres Buches. Sie erscheint fast als der rote Faden, der all diese unterschiedlichen Themen zusammenhält. Ist dem so und was fasziniert Sie an dieser Denkrichtung?Janich: Ja, die Österreichische Schule ist der rote Faden. Zum einen weil ich sie den Lesern näher bringen will, zum zweiten aber bietet sie auch ein sehr gutes Analyse-Tool, um politische Vorgänge auswerten zu können. Inzwischen würde ich mich allerdings als Anhänger einer Privatrechtsgesellschaft bezeichnen. Diese Vorstellung von Hans-Hermann Hoppe hat sich zwar aus der Österreichischen Schule heraus entwickelt, ist im Grunde aber ein neuer Ansatz, weil zumindest die historischen Austrians von Hayek bis Mises Anhänger eines Minimalstaates, aber nicht eines „Null-Staates“ waren. Die Wende zu dem Gedanken, dass alle Monopole schlecht sind – also auch das Gewaltmonopol – kam dann mit dem US-Ökonomen Murray Rothbard und wird heute auch von den meisten vertreten, die Mitglied des amerikanischen Ludwig von Mises Institutes sind. Mein wichtigstes Analyse-Werkzeug, die Prinzipal-Agent-Theorie als Theorie des menschlichen Handelns, könnte zwar auch auf die Austrians zurückgeführt werden, wird heute aber meist in der betriebswirtschaftlichen Forschung und nicht für politisch-gesellschaftliche Fragen verwendet.
Smart Investor: Gerade dieses Thema Privatrechtsgesellschaft – also eine Gesellschaft, die ohne ein Staatswesen auskommt – wirkt auf den ersten Blick sehr befremdlich. Warum genügt es nicht, einen Staat zu fordern, der schlank und effizient ist und der seinen Bürgern weitest gehende Freiheiten erlaubt?

Janich
: Ich bin ganz sicher, dass das als politische Forderung genügen würde und dieser Gedanke ist ja in der Tat auch viel eingängiger. Aber ich habe das Buch eben nicht als Politiker geschrieben, sondern als Analyst und Journalist. Und wer streng logisch denkt, muss zu dem Schluss kommen, dass nur eine Privatrechtsgesellschaft moralisch zu rechtfertigen ist. Es gibt keine moralische Begründung dafür, den Menschen seines natürlichen Rechts auf Selbsteigentum zu berauben. Mehrheiten begründen keine moralische Entscheidung, schließlich hatte auch Hitler eine parlamentarische Mehrheit. Darüber hinaus ist eine Privatrechtsgesellschaft denklogisch auch um Längen effizienter – gerade bei der Bereitstellung von Sicherheit –, ganz einfach deshalb, weil Monopole keinem Wettbewerb unterliegen. Viele begreifen das nicht, aber es ist wirklich so einfach. Ich liefere ja auch viele praktische Beispiele.

Smart Investor
: Was an der sehr etablierten Prinzipal-Agent-Theorie ist für Sie so bestechend, dass Sie ihr in dem Buch einigen Platz einräumen?


Janich
: Die Theorie ist tatsächlich in der Betriebswirtschaftslehre inzwischen Standard, sie wird aber nicht in der politischen Analyse verwendet. Für mich die entscheidende Erkenntnis: Es herrscht immer eine Informationsasymmetrie zwischen Prinzipal und Agent. Der Auftragnehmer bzw. Agent kennt nicht notwendigerweise das Ziel des Auftraggebers bzw. Prinzipals, aber er handelt offensichtlich in seinem Sinne. Das ist auch als „need to know“-Prinzip bekannt. Ich kann also die Ziele des Prinzipals anhand seiner Aussagen ermitteln oder aber anhand der Wirkung der Handlungen des Agenten. Beispiel: Joschka Fischer gründete das European Council on Foreign Relations und Reinhold Bütikofer arbeitet für das Aspen Institut. Beide Organisationen werden von der amerikanischen Rockefeller-Familie über ihre Stiftungen finanziert. Beide Grüne haben sich zum Marxismus bzw. Maoismus bekannt und streben, wie zuletzt auch Daniel Cohn-Bendit, die Vereinigten Staaten von Europa an. Daraus kann man also schließen, dass dies auch die Ziele der Rockefellers sind, was ich durch weitere Originalzitate von Auftragnehmern der Rockefellers selbst belege.

Smart
Investor: Auch das Thema „Psychopathie“ greifen Sie auf, was in einem gesellschaftlich-wirtschaftlichen Kontext völlig unüblich ist. Warum?

Janich
: Weil dieses Thema das fehlende Puzzlestück ist, um wirklich alle Vorgänge auf dieser Welt erklären zu können. Beispielsweise spricht Hans-Hermann Hoppe völlig zu rRecht von Politik als „Wettbewerb der Gauner“. Aber darüber hinaus sind manche Phänomene nur erklärbar, wenn man das Wesen der Psychopathen mit einbezieht. Man muss beispielsweise ein Psychopath sein, um Menschen in einen Krieg zu schicken, obwohl man genau weiß, dass es dabei nicht um die Verteidigung des Landes geht, sondern um Öl- oder Machtinteressen. Gesamtgesellschaftlich gefährlich werden Psychopathen aber nur über den Hebel des Gewaltmonopols. Ein Unternehmen kann mich zu nichts zwingen, egal ob es von Psychopathen geführt wird oder nicht – der Staat kann das aber sehr wohl.

Smart
Investor: Aber kommen wir zum Titel Ihres Buches. Die „Vereinigten Staaten von Europa“ werden ja von vielen heutigen Politikern angestrebt. Was gefällt Ihnen an diesem Gedanken denn nicht?

Janich
: Im Prinzip gar nichts. Jede Zentralisierung ist schlecht. Wenn man schon keine Privatrechtsgesellschaft hat, dann sollte es zumindest so viele kleine Einheiten wie möglich geben. Dann kann man die Einheit – beispielsweise eine Gemeinde – schnell verlassen und in die nächste ziehen, wenn das örtliche Gewaltmonopol zu unangenehm wird. Die Machtelite will genau das Gegenteil. Sie will es unmöglich machen, dass die Menschen ihr entfliehen können, und strebt genau deshalb die Vereinigten Staaten von Europa als Vorstufe zu den Vereinigten Staaten der Welt an, was ich anhand von Originalquellen, darunter unser eigenes Grundgesetz und die Beratungen dazu, nachweise…Das komplette Interview mit Oliver Janich finden Sie im Smart Investor Ausgabe 02/2014 ab Seite 34.