Fonds – Interview

Gespräch mit Dr. Joachim Berlenbach von der Earth Resource Investment Group (ERIG)

Smart Investor: Gold profitiert gegenwärtig von der Krimkrise. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht der mittelfristige Ausblick für Edelmetallminenaktien dar?
Berlenbach: Mit dem Einsetzen der Krise haben wir zwar einen Anstieg des Goldpreises gesehen, aber wenn sich die Lage dort wieder beruhigen sollte, werden diese „safe haven“-Käufe auch schnell wieder aufhören. Ich halte die Entwicklung der Goldkäufe aus Asien und vor allem aus China als wesentlich wichtiger für die Entwicklung der Goldnachfrage. Insgesamt ähnelt die Situation im Goldmarkt sehr den Entwicklungen Ende der Jahrtausendwende. Auch damals stand die Industrie – bei einem Goldpreis von 265 USD je Unze – mit dem Rücken zur Wand und versuchte durch Sparmaßnahmen bei neuen Mineninvestitionen und der Exploration zu überleben. Damals wie heute betrieben viele Minen ein sogenanntes „high grading“ der Lagerstätten, bei dem die Minenbereiche mit hohen Goldgehalten zuerst abgebaut werden. Wenn wir auch in zehn Jahren noch Gold fördern wollen, dann müssen wir bald einen höheren Goldpreis sehen, denn sonst fehlen bald die neuen Minen, um weiterhin 80 Mio. Unzen Gold pro Jahr zu fördern. Kurzfristig können der Goldpreis und damit die Goldminenaktien allerdings volatil bleiben, deshalb raten wir Investoren aktuell weiterhin zur Vorsicht.

Smart Investor: Bei den Industriemetallaktien wurden viele Werte unabhängig von ihrer Qualität abgestraft. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Aktien für Ihren Earth Exploration Fund aus?
Berlenbach: Wir fokussieren uns auf die Sektoren, wo wir positive Entwicklungen erwarten. So haben wir z.B. nach der Ankündigung Japans, die Kernkraftwerke wieder einzuschalten, zum ersten Mal nach 2007 wieder eine Übergewichtung an attraktiv bewerteten Uranaktien im Portfolio, da der japanische Uranlagerbestand entgegen vielen Händlerwetten nun doch nicht in den Markt kommt. Spätestens ab 2017 wird es unserer Einschätzung nach zu einem drastischen Engpass in der Uranproduktion kommen, und die Aktien haben dies schon durch eine sehr gute Performance über die letzten Wochen vorweggenommen. Auch bei Nickel sehen wir eine positive Entwicklung durch die angekündigten Exportbeschränkungen in Indonesien. Andererseits steht der Kupferpreis zurzeit unter Druck, bedingt durch die undurchsichtige Situation in China, vor allem weil Kupfer dort als Collateral für Darlehen eingesetzt wird. Wir haben hier unsere Positionen zurückgefahren, erwarten mittelfristig aber deutliche Engpässe im Kupfermarkt. Interessanterweise haben viele Kupferaktien trotz des fallenden Kupferpreises kaum nach unten korrigiert.

Smart Investor: Im vergangenen Monat gab es Rückgänge beim Export von Kupfer und Eisen nach China. Bremst China eine Erholung bei den Metallaktien aus?
Berlenbach: Wie gesagt, die Entwicklungen beim Kupfer sind für uns nicht ganz transparent. Es gibt sehr hohe Lagerbestände in China, wobei nicht genau feststellbar ist, wie viel davon als Collateral für Finanzaktionen gehortet wird. Traditionell schwanken die chinesischen Lagerbestände allerdings immer, der Kupferbedarf steigt auch in vielen Industriesegmenten noch immer deutlich. Historisch gesehen ist der aktuelle Kupferpreis von 3 USD pro Pfund auch nicht besonders niedrig. Wir sind jedenfalls bereit, unsere Kupfergewichtung deutlich zu erhöhen, wenn sich der Nebel in diesem Sektor lichtet.

Smart Investor: Herr Dr. Berlenbach, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Christian Bayer

Über Dr. Joachim Berlenbach:

Dr. Joachim Berlenbach

Dr. Joachim Berlenbach ist promo­vierter Geologe. Bis zur Gründung des ers­ten eigenen Goldfonds im Jahre 2003 war er Analyst für ­Gold- und Platinminen bei verschie­denen ­Banken. Der mehrfach ausgezeichnete Goldanalyst berät mit ­seinem Team erstklassiger Geologen und Lagerstättenkundler u.a. den über die Universal-Investment aufgelegten ­Earth Gold Fund.