Fonds – Kolumne

Gastbeitrag von Dr. Frank Bierlein, Beiratsvorsitzender des ME Fonds – PERGAMON

Schwierige Prognosen
Die anhaltenden Schwankungen der Weltwirtschaft haben seit einiger Zeit jegliche sichere Prognose der zukünftigen Rohstoff-Preisentwicklung nahezu unmöglich gemacht. Dazu kommen Vorhersagen, dass die Welt sich immer mehr in Richtung „peak copper“ und „peak gold“ bewegt. Diese „peaks“ beziehen sich auf den Punkt, an dem die globale Produktion dieser Metalle den Höhepunkt erreichen wird. Der extrem starke Anstieg des Kupferpreises zwischen 1999 (1,32 USD/kg) und 2006 (8,27 USD/kg) verursachte deshalb eine weltweite Suche nach Substitution des Metalls. Die sogenannten „seltenen Erden“ haben in jüngster Zeit eine ähnliche Entwicklung genommen. Dies war der starken Einschränkung von Exporten aus China seit 2010 geschuldet, die zunächst eine wahre Preisexplosion verursachte. Daraus resultierten Bemühungen, sowohl Lagerstätten außerhalb Chinas zu erschließen (z.B. Kvanefjeld, Mountain Pass, Mount Weld) als auch Ersatzrohstoffe zu finden, die drohende Engpässe in seltenen Erdmetallen wie Terbium und Dysprosium verhindern bzw. vermindern können. Als Folge dieser Entwicklung haben sich die Rohstoffpreise für seltene Erden seit 2012 wieder deutlich entspannt.

Steigender Kupferbedarf
Nichtsdestotrotz ist offensichtlich, dass der Bedarf an Kupfer unaufhaltsam anwachsen wird. Der Ausbau der Infrastruktur in Ländern wie Brasilien, Indien, China und in Zentralasien ist nicht zu bremsen. Eine weiterhin wachsende Weltbevölkerung benötigt zunehmend Kupfer, auf der anderen Seite wird die Anzahl von neuen Kupferlagerstätten immer geringer. Hinzu kommen beispielsweise Umweltbedenken sowie die Notwendigkeit, zunehmend geringere Konzentrationen von Kupfer abzubauen (z.B. <1% in der zurzeit weltgrößten Kupferlagerstätte Chuquicamata). Für den „sophisticated“ Investor bedeutet das, dass Kupfer nach wie vor ein Metall ist, in das es sich mit Sicherheit zu investieren lohnt.

Unverwüstliches Gold
Gold ist ebenso wie Kupfer mehr oder minder unersetzlich und außerdem „unverwüstlich“ – d.h. jede Gold-Unze, die jemals produziert wurde, ist nach wie vor im Umlauf. Dies bedeutet zumindest theoretisch, dass der weltweite Gold-Bedarf jederzeit gedeckt werden kann und von der Existenz eines „gold peak“ nicht unbedingt die Rede sein kann. In der Realität sieht das natürlich ganz anders aus, da Gold weit mehr als nur einen reinen Verbrauchsrohstoff repräsentiert und der aktuelle Goldpreis primär von den Finanzmärkten angetrieben wird, insbesondere vom Goldkauf bzw. -verkauf der Banken. Dies bedeutet, dass global führende Goldproduzenten wie Newmont, Goldfields und Barrick nach wie vor jedes Jahr zwischen 1 und 5 Mio. Unzen neu produzieren müssen, sei es durch neue Vorkommen oder über „mergers & acquisitions“. Hochwertige und großangelegte Goldlagerstätten mit relativ niedrigen Produktionskosten sind immer schwieriger zu finden. Diese werden jedoch durchwegs favorisiert, während Lagerstätten mit geringeren Graden bzw. sehr hohen Produktionskosten nur in Zeiten hoher Goldpreise attraktiv sind.

Fazit
Für Rohstoffinvestoren mit Fokus auf Kupfer und Gold gilt, dass der Bedarf an diesen Metallen weiterhin und langfristig ansteigen und die Nachfrage über kurz oder lang den aktuellen Bedarf überschreiten wird. Wenngleich der heutige Weltmarkt Geduld und gute Nerven erfordert, die längerfristigen Aussichten für Gold und Kupfer sind extrem gut, da vor allem Gold sehr viel Aufwärtspotenzial mit geringem „downside risk“ hat.

Über Dr. Frank Bierlein:

Dr. Frank Bierlein

Diplom-Geologe Dr. Frank Bierlein ist Beiratsvorsitzender des ME Fonds – PERGAMON. Der Deutsch-Australier hat in Heidelberg studiert und in Melbourne promoviert. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in angewandter geologischer Forschung und Rohstoffexploration. Dr. Bierlein ist Autor von über 120 Fachveröffentlichungen. Von 2008 bis 2014 war er Manager für weltweite Projektentwicklung für einen internationalen Rohstoffkonzern mit Sitz in Adelaide.