Hoffen auf die dritte Revolutions-Hausse

Foto: Ilya Varlamov / zyalt.livejournal.com

Sollte es nach dem Sturz der Regierung in Kiew und der Machtübernahme durch moskautreue Kräfte auf der autonomen Schwarzmeer- Halbinsel Krim zu einem Krieg kommen, wäre die Ukraine Russland klar unterlegen. Eindeutig zugunsten der Ukraine sind dagegen im Westen die Sympathiewerte verteilt. Ebenfalls deutlich die Nase vorne hat der Außenseiter im Wettkampf der Börsen. Denn seit Absetzung des Russland-freundlichen Präsidenten Wiktor Janukowitsch hat der russische RTS-Index 12% verloren, der ukrainische PFTS-Index dagegen 24% zugelegt.

Allerdings sollten daraus keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Denn die Probleme der Ukraine sind auch ohne Krim-Krise gravierend. Wie schlecht es um die heimische Wirtschaft bestellt ist, zeigt das doppelte Defizit in der Leistungsbilanz (9,1%/BIP) und im Staatshaushalt (5,1%/BIP). Relativ zur Wirtschaftsleistung ist die Staatsverschuldung insgesamt zwar noch vertretbar, aber die Lage wird durch ein schnell wachsendes Finanzloch sowie einen mehr als 50%-igen Anteil an Auslandsschulden erschwert. Das ist auch deshalb gefährlich, weil die Devisenreserven mit 15 Mrd. USD die Importe nur noch zweieinhalb Monate decken.

Wie Analyst Carsten Hesse von Wood & Co. vorrechnet, benötigt das Land in den nächsten beiden Jahren 22 Mrd. USD zur Rückzahlung von Schulden und Zinszahlungen. In den nächsten zehn Jahren müssen sogar 70 Mrd. USD getilgt werden, wobei dabei die nicht zu vernachlässigenden Schulden der Unternehmen noch fehlen. Diese Last zu stemmen, ist auch deshalb nicht einfach, weil die Konjunktur lahmt. Das Bruttoinlandsprodukt ist schon im Vorjahr um 1,0% geschrumpft und nach den jüngsten Ereignissen muss auch für 2014 mit einem Rückgang gerechnet werden. Hesse zeigt sich jedenfalls skeptisch: „Unabhängig vom Ausgang der Krim-Krise stufen wir das Risiko eines Zahlungsausfalls und anhaltenden Abwertungsdrucks als sehr hoch ein.“

 

Finanzlage alles andere als rosig

Letztlich lassen diese Daten im Verbund mit hohen Anleiherenditen – die im Juni 2014 auslaufende Dollar-Anleihe (WKN: A0V LNM) bringt fast 44%! – nur einen Schluss zu: Das Land ist praktisch bankrott. Hilfskredite könnten die Pleite zwar hinauszögern, aber solange sich das politische Denken nicht ändert, sind das nur kosmetische Korrekturen. Denn eines muss man scheuklappenfrei sehen: Zugrunde gerichtet haben die Ukraine alle in den Vorjahren Verantwortlichen, ob sie nun westlich oder russisch gesinnt waren. Eine der Hauptbürden ist die Selbstbedienungsmentalität der Politiker und Oligarchen. Der Einfluss der letztgenannten Gruppe ist so groß, dass die Ukraine fast als unregierbar eingestuft werden muss. Das Ausmaß der Korruption macht das Land streng genommen nicht investierbar. Platz 144 unter 177 einbezogenen Ländern im Korruptionsindex von Transparency International spricht eine eindeutige Sprache. In so einem Saustall aufzuräumen, ist extrem schwierig, selbst wenn ein politischer Neuling wie der Boxer Vitali Klitschko hehre Ziele haben sollte. Zumal die Politik erfahrungsgemäß auch bei zunächst sauberen Figuren oft den Charakter verdirbt.

Eine derartige Bestandsaufnahme stimmt unendlich traurig, weil ..