SIW 18/2014: Was treibt den Markt?

Ukraine und kein Ende
Die Vorgänge um die Ukraine sind sicher eine der bestimmenden Einflussgrößen – nicht nur für die weitere Marktentwicklung, sondern für die Menschen in ganz Europa. Es ist erschreckend, wie schnell dieser Konflikt aufgebrochen ist und wie wenig die vielbeschworenen Konfliktlösungs- und Deeskalationsstrategien greifen. Im Gegenteil: Der Eindruck verfestigt sich, dass der Konflikt immer wieder frisch angefacht wird. Tatsächlich steht einiges auf dem Spiel steht – neben geopolitischen Interessen geht es wieder einmal um Rohstoffe – vor allem Gas, Öl und Kohle spielen eine Rolle. Auch sind die wesentlichen Spieler in dieser Partie mit den USA und Russland echte Schwergewichte. Beide wollen sich einen Gesichtsverlust nicht leisten. Die aktuelle Kiewer Regierung ist dagegen sicher kein wesentlicher Spieler – es mangelt ihr nicht nur an Autonomie, sondern auch an ernsthafter Legitimation. Die EU säße dagegen gerne am Tisch mit den Großen, deren „Außenbeauftragte“ – die Bezeichnung Außenministerin wäre eindeutig zu hoch gegriffen – Catherine Ashton ist jedoch eine so krasse Fehlbesetzung, dass man sich fragt, wie sie – Quote hin, Parteienproporz her – überhaupt in das Amt geraten konnte. Andererseits ist das Amt der „Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik“ ebenso bedeutungslos wie die Person, denn europäische Außenpolitik wird nach wie vor in London, Paris und Berlin gemacht – in engster Abstimmung mit Washington. Lesen Sie zum Ukraine-Konflikt auch das Editorial des gerade erschienen Smart Investor 5/2014. Zur sharewise Community

Die Urkatastrophe
Es ist aber nicht nur das aktuelle Säbelrasseln der Konfliktparteien, das Befürchtungen hinsichtlich einer weiteren Eskalation aufkommen lässt. In diesem Jahr begehen wir auch den 100sten Jahrestag des Beginns des ersten Weltkriegs, jener „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, die den Nährboden für viele weitere schuf – Die Oktoberrevolution, die Machtergreifung Hitlers und den 2. Weltkrieg, die Teilung Europas. Wir spüren die Fernwirkungen und Echos des „Großen Krieges“ bis heute, auch wenn selten direkt darauf Bezug genommen wird. Noch am deutlichsten geschah dies in der jüngeren Vergangenheit als Altkanzler Helmut Kohl den Euro zu einer „Frage von Krieg oder Frieden“ stilisierte. Eine Äußerung, die sich nur aus dieser Historie verstehen lässt. Die Schatten der Vergangenheit hängen tief über der europäischen „Einheitswährung“, wie man auch daran erkennt, dass angesichts der durch den Euro hervorgerufenen Verspannungen zwischen den Teilnehmerländern die alten Feindbilder auch heute wieder erstaunlich griffbereit sind. Einen ganz ähnlichen Effekt sehen wir auch außerhalb der Eurozone im rapide verschlechterten Verhältnis zu Russland (s.o.). Grund genug also, dass wir uns diesem bedeutenden europäischen Thema „1914 – 2014: Wiederholt sich die Geschichte?“ in der Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 5/2014 ausführlich widmen. Neben Hintergrundinformationen finden Sie dort unter anderem auch ein ausführliches Interview mit Dr. Bruno Bandulet, der jüngst ein Buch zum Thema vorlegte. Zur sharewise Community

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Weg der Genesung?
Wie bereits erwähnt, lässt sich auch die Einführung des Euro ohne die Kriegserfahrungen des vergangenen Jahrhunderts nicht erklären. Dass er währungstechnisch kaum funktioniert, liegt wohl daran, dass der Euro vor allem ein politisches Projekt war, das entsprechend überfrachtet wurde – bestenfalls gut gemeint, gut gemacht war es nicht. Dennoch häufen sich aktuell positive Bulletins vom Krankenlager der Kunstwährung. Offenbar wird gezielt der Eindruck erweckt, die Krise sei vorüber und der Patient befinde sich auf dem Wege der Besserung. Möglicherweise hat diese Berichterstattung mit den anstehenden Europawahlen zu tun. Da kann man EU- und Euro-Skepsis nicht recht gebrauchen. Hinter den Kulissen wird kräftig geschraubt und Wasser aus dem Leck geschlagenen Kahn geschöpft. Das Aufhübschen der Fassaden ist ein Verfahren, dass dem russischen Großfürsten Potjomkin („Potemkinsche Dörfer“) zugeschrieben wird und noch heute mit großem Eifer praktiziert wird – in der Politik praktisch durchgängig. Hinter Jubelmeldungen wie „Investoren gieren nach Portugals Staatsanleihen“ (welt.de, 23.4.2014) verbirgt sich meist eine andere Wahrheit. Denn natürlich haben Investoren keinen Grund, einem maroden Staat seine Anleihen abzukaufen und das auch noch zu rekordniedrigen Zinsen. Dahinter stecken natürlich die unverhohlenen Garantieerklärungen der EZB. Es ist also gar nicht Portugal, das sich da am „Markt“ „zurückmeldet“, sondern es sind eher die ersten verkappten Eurobonds, die da begrüßt wurden – ausgestattet mit der Durchgriffshaftung auf die Steuerzahler und Sparer der Gemeinschaft.

Nirgendwo wird allerdings so dreist gelogen, wie in griechischen Wirtschaftsstatistiken. Einen Haushaltsüberschuss wolle man im Athener Staatshaushalt sogar erzielt haben. So zumindest plapperte es am 23.4. zur besten Sendezeit aus den staatlichen Hofberichterstattern des „ZDF heute journal“. Mit dem Zweiten fehlt der Durchblick. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn verdeutlichte daraufhin, dass das griechische Defizit nach den Maastricht-Regeln tatsächlich 12,7%(!) der Wirtschaftsleistung betrage. Sein Fazit ist ernüchternd: „Griechenland steht am Rande des Konkurses.“

Da stand es allerdings auch schon vor einem, zwei, drei und vier Jahren. Wir sollten endlich aufhören, uns in die Tasche zu lügen, oder uns länger belügen zu lassen. Die schlichte Wahrheit ist, dass nach vielen hundert „Rettungsmilliarden“ die Staatsschulden der 18 Euroländer laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat weiter auf 92,6% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen sind. Lediglich die Neuverschuldung sei geringer ausgefallen – eine Neuverschuldung bleibt es dennoch. Den Vogel schoss auch hier das besonders intensiv „gerettete“ Griechenland ab. Die Staatsschuldenquote stieg auf atemberaubende 175,1% des BIP – ein neuer Rekordwert! So sieht „Europäische Solidarität“ in nüchternen Zahlen aus. Während die Staaten und deren Steuerzahler auf wachsenden Schuldenbergen hocken, ist das Geld längst wieder in der Bank.

Joker EZB
All das wäre ohne die Kameraderie einer Notenbank gar nicht möglich. Es scheint als wolle sich EZB-Chef Draghi mit seinen jüngsten Äußerungen zu Anleihekäufen nun vollends jene verlotterte Geldpolitik zu eigen machen, die von der Fed, der Bank of England und ganz besonders von der Bank of Japan schon länger praktiziert wird. „Unkonventionell“ ist nur ein anderes Wort für satzungswidrig.

Aktuell freuen sich die Märkte natürlich über so viel Lockerheit an der Spitze des Geldsystems. Und während Krisen- und Kriegsgefahr die Aktienkäufer einschüchtern, sind es die elektronischen Geldpressen und die „guten Nachrichten“ von der Schuldenfront, die Herzen und Kurse höher schlagen lassen. Zwischen diesen beiden großen Polen verblassen die normalen Bestimmungsfaktoren für den Aktienmarkt.

Unternehmensnachrichten
Zum Beispiel die Berichtssaison, die zwar einzelnen Aktien immer wieder positive Impulse gibt, bislang aber nicht zu einer Richtungsentscheidung für den Gesamtmarkt führte. Im aktuellen Smart Investor 5/2014 finden Sie ab Seite 20 eine Nachlese zum bisherigen Verlauf der Bilanzsaison 2014. Einheitlich ist das Bild – wie erwähnt – nicht. Aus der Gewinnentwicklung der Unternehmen können wir daher für die Prognose nur bedingt Honig saugen.

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Negative Stimmung
Sehr viel eindeutiger ist da schon die überwiegend zurückhaltende bis negative Stimmung unter den Marktteilnehmern. Natürlich ist der die Schlagzeilen beherrschende Konflikt um die Ukraine ein Thema, das auch die Marktteilnehmer verunsichert. Falls das Undenkbare passiert und die Abfolge der gegenseitigen Sticheleien und Provokationen in einer unkontrollierten Weise eskaliert, würden wir uns in einer vollkommen anderen Welt wiederfinden. Dass die Kurse aber trotz der herrschenden Vorsicht sich dennoch so gut halten, ist unter sentimenttechnischen Gesichtspunkten eine positive Nachricht. Der Ukraine-Konflikt hätte – zumal vor dem Hintergrund durchaus ambitionierter Bewertungen – durchaus das Potenzial eine große Abwärtsbewegung auszulösen. Er tat es aber bislang nicht. Und weil er es bislang nicht geschafft hat, spricht einiges dafür, dass die Marktteilnehmer ihn bereits weitgehend eingepreist haben.

2014-04-30 DAX

Technisches Niemandsland
Betrachten wir den reinen Kursverlauf, dann fällt insbesondere auf, dass der DAX zum Jahreswechsel 2013/14 seinen Aufwärtstrend erst einmal unterbrochen hat und – was in dieser Deutlichkeit allerdings erst in der Rückschau klar wird – in eine ausgeprägte Seitwärtsphase überging. Diese ist zudem durch große Schwankungen gekennzeichnet und produzierte sowohl nach oben als auch nach unten bislang schon mehrere Fehlausbrüche (vgl. Abb. – grüne Markierungen). All dies sind Hinweise auf die Unsicherheit der Marktteilnehmer.

Nun liegt es aber in der Natur solcher Seitwärtsbewegungen, dass diese nicht ewig andauern, zumal wenn sich die Handelsspanne wie im vorliegenden Fall verjüngt. Über kurz oder lang wird sich der Markt also für eine Ausbruchsrichtung entscheiden müssen. „Über kurz oder lang“ weist aber darauf hin, dass die Timing-Frage im Moment besonders schwierig ist. Wenn es passiert, dann kann und wird es sehr schnell gehen. Wobei nicht einmal dann sofort die Richtung klar ist. Denn die vergangenen Fehlausbrüche hatten gezeigt, dass sich zwar unmittelbar an einen Ausbruch dynamische Bewegungen anschlossen, diese jedoch nicht in Richtung des Ausbruchs verliefen. Sollte allerdings ein Ausbruch über die Marke von 9.800 Punkten gelingen, dann dürfte weitere Aufwärtsdynamik in den Markt kommen. Bis dahin müssen aber zunächst die letzten Bewegungshochs aus den Monaten Januar, Februar und April überwunden werden.

Musterdepot Aktien & Fonds
Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Die Tricks der Falschspieler
Jetzt heißt es sich zu beeilen. Wie schon mehrfach an dieser Stelle erwähnt, findet am Freitag, den 9. Mai 2014, der Kongress „Die Tricks der Falschspieler“ in München statt (Untertitel: Investieren in Zeiten politischer Repression). Veranstalter ist das Institut für Austrian Management in Hamburg. Mehr Infos dazu finden Sie unter www.ifaam.de. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, sich anzumelden (es gibt noch einige freie Plätze, wohingegen der Kongress des Ludwig-von-Mises-Instituts am 10. Mai bereits ausgebucht ist). Als Abonnent von Smart Investor kommen Sie in der Genuss eines Preisnachlasses. Das Team von Smart Investor wird vor Ort sein und freut sich auf die Gespräche mit Ihnen.

Auswandern oder zweites Standbein Nova Scotia (Kanada)?
In nicht einmal mehr sechs Wochen startet unsere Informationsreise vom 5.6. bis 10.6.2014 nach Nova Scotia (Neuschottland) im Osten Kanadas. Einige Informationen und Bilder dazu finden Sie auch ab S. 26 in der Smart-Investor-Ausgabe 2/2012. Anfragen zur Teilnahme bitte per Email an Smart Investor, Betreff: „Kanada-Reise 2014“ unter info@smartinvestor.de

Fazit
Die beiden wesentlichen Pole zwischen denen sich deutsche Aktien aktuell entwickeln sind die Krisen-, ja Kriegsangst im Zusammenhang mit der Entwicklung rund um die Ukraine und die – bislang vor allem verbal – verstärkt unterstützende Politik der EZB. Gerade die Notenbank ist der Joker, der viele der negativen Entwicklungen – besonders im Bereich der Staatsverschuldung – noch einige Zeit wird „wegdrucken“ können. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesamtsystem immer morscher und labiler wird. Ohne Stützung wäre es längst zusammengebrochen, was aber auch den Weg für einen Neustart freigemacht hätte. Die aktuell schlechte Stimmung im Hinblick auf die geopolitischen Gefahren unterstützt die Kurse. Ob das reicht, wird der nächste Ausbruchsversuch zeigen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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