Österreichische Schule – „Lieber Geldwende als Energiewende“

Marquart AndreasAndreas Marquart ist Vorstand des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland. Nach dem
Abitur absolvierte er eine klassische Bankausbildung und machte sich 1998 nach 15 Jahren als Banker in der Finanzdienstleistung mit dem Schwerpunkt Vermögensanlage selbstständig. Er orientiert sich bei der Beratung an den Erkenntnissen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mehr zu seiner Person unter: http://austrianconsult.de/.

Smart Investor: Herr Marquart, in einer Art Vorwort schreiben Sie, dass dieses Buch explosiver als Sprengstoff ist. Klingt ziemlich hochtrabend, oder nicht?
Marquart: Der vor zwei Jahren verstorbene großartige Autor der Österreichischen Schule Roland Baader hat das staatliche Geldmonopol einmal als das größte Unglück in der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Und bald jeder, der sich mit der Thematik schon beschäftigt hat, kennt die Aussage Henry Fords, dass, würden die Menschen wissen, wie das Geldsystem funktioniert, es eine Revolution gäbe, noch bevor der nächste Morgen beginnt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es meinem Mitautor Philipp Bagus und mir gelungen ist, die Theorien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, mittels derer sich all die negativen Auswirkungen schlechten Geldes auf Wirtschaft und Gesellschaft bis in die Familien hinein erklären lassen, vom Schwierigkeitsgrad her so aufzubereiten, dass ausnahmslos jeder, der es verstehen will, es auch verstehen kann. Insofern liegt mit unserem Buch ein hoch explosives Gemisch vor. Die Lunte ist quasi gelegt, jetzt muss sie nur noch angezündet werden.

Smart Investor: Viele Menschen beklagen sich über die Politik und die Gesellschaft, und empfinden die Entwicklungen als sozial ungerecht? Zurecht?
Marquart: Die Konstruktion des Geldsystems ist es vor allem, die „soziale Ungerechtigkeit“ erzeugt. Durch Geldschöpfung per Kreditausweitung wird Kaufkraft und Vermögen innerhalb der Gesellschaft tendenziell von unten nach oben transportiert – wenige profitieren zulasten vieler. Übrigens lässt sich hier der so beliebte Begriff der Nachhaltigkeit wunderbar anwenden. Die Vermögensumverteilung erfolgt ja sozusagen nachhaltig. Die Politik macht sich das clever zunutze und schafft sich so selbst ihre Daseinsberechtigung. Sie prangert die Übel an, die sie mit dem staatsmonopolistischen Geldsystem selbst verursacht hat und verteilt dann wieder um. Von dem Teil, den sie dabei für sich behält, lebt sie wie die Made im Speck – man denke nur an die enorm hohen Staatsquoten in der westlichen Welt. Es wird höchste Zeit, dass die breite Bevölkerung versteht, dass hier ein Betrug gigantischen Ausmaßes stattfindet. Wir müssen der Politik den bei ihr so beliebten Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ als Waffe aus der Hand nehmen und gegen das herrschende Geldsystem verwenden.

Smart Investor: Sie behaupten in Ihrem Buch, dass die Menschen vom Staat ausgebeutet werden. Warum prangern Sie nicht die Unternehmer an, die doch sonst so gerne als die Ausbeuter gesehen werden?
Marquart: Die Aufgabe von Unternehmern ist es, Waren und Dienstleistungen bereit zu stellen, die von den Konsumenten nachgefragt werden. Wenn sie das nicht schaffen, scheiden sie aus dem Wettbewerb aus. Dabei müssen sie gewinnorientiert vorgehen. Wenn Sie das nicht schaffen, verschwinden sie ebenfalls von der Bildfläche. Die Löhne für Arbeitnehmer sind in der Kalkulation eines Unternehmers ein Kostenfaktor wie alle anderen Kostenfaktoren auch. Das klingt unmenschlich, ist aber so. Warum soll also ein Unternehmer höhere Löhne zahlen als notwendig? Fragen wir uns doch lieber, warum die Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können?

Smart Investor: Ja, warum denn nicht? Das scheint uns doch die Frage aller Fragen…
Marquart: Ich darf Sie hier auf meine vorhergehende Antwort verweisen. Aber es gibt meines Erachtens noch zwei entscheidende Antworten auf diese berechtigte Frage: Erstens wird die Lohnsituation vieler Menschen durch zusätzlich auf den Arbeitsmarkt strömende Arbeitnehmer aus Ländern verschlimmert, die letztlich durch den Sozialismus zugrunde gerichtet wurden. Auch diese Menschen handeln nur rational, wenn sie hierherkommen und sich ein besseres Leben erhoffen. Also bitte keinen Vorwurf an die Unternehmer! Wahrscheinlich noch viel entscheidender für die ständige Umverteilung von unten nach oben ist die Inflation beziehungsweise als Folge davon der Kaufkraftverlust. Gäbe es diesen nicht, hätten doch die „unteren“ Einkommensgruppen keine Probleme, ihr Leben zu bestreiten.

Smart Investor: Die Inflation ist also das große Grundübel unserer Zeit?
Marquart: Genau! Die Inflation, also die Ausweitung der Geldmenge, ist im Hinblick auf staatlichen Interventionismus in den Markt der schlimmste Eingriff überhaupt. Dieser Eingriff bedingt viele weitere staatliche Eingriffe: die Deckelung von Mieten, Mindestlöhne und so weiter, was dann wieder zu weiteren Problemen und folglich zu weiteren Eingriffen führt. Wir bräuchten über die meisten Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft gar nicht sprechen, wenn wir gutes, also nicht beliebig vermehrbares Geld hätten. Es gäbe diese Probleme schlichtweg nicht. Gutes Geld werden wir aber nur bekommen, wenn Währungswettbewerb zugelassen wird. Solange das Geldmonopol beim Staat liegt, dürfen wir uns keine Besserung erwarten. Der große Ökonom Friedrich August von Hayek bezeichnete die Geschichte des staatlichen Umgangs mit Geld einmal als eine Geschichte von unablässigem Lug und Betrug. Fordern wir also lieber eine Geldwende statt einer Energiewende.

Smart Investor: Zum Schluss noch: Wie wird das alles enden?
Marquart: Ein Papiergeldsystem reizt zur Überschuldung. Es trägt den Keim seiner eigenen Zerstörung in sich, hat Ludwig von Mises einmal geschrieben. Die globalen Schulden haben sich in den Jahren 2000 bis 2013 von 40 auf sagenhafte 100 Billionen US-Dollar erhöht. Einen schmerzfreien Ausweg aus diesem Schlamassel wird es nicht geben. Wahrscheinlich ist, dass uns in den nächsten Jahren eine Kombination aus hohen Teuerungsraten, Vermögensabgaben und Steuererhöhungen präsentiert wird. Damit können sich Politik und Notenbanken aber nur Zeit kaufen. Eine Bereinigung auf deflationärem Weg, also die Überschuldung durch das Zulassen von Pleiten abzubauen, wird man nicht akzeptieren wollen. Die jüngsten Überlegungen der EZB, ein Anleihen-Kaufprogramm über eine Billion Euro aufzulegen, beweisen das. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Wenn die EZB übertreibt, kann es passieren, dass die Menschen das Vertrauen ins Geld schlagartig verlieren und es als Tauschmittel nicht mehr taugt. Das wären dann auf dem Weg zum Ende des Geldes keine langen chronischen, sondern sofort eintretende akute Schmerzen für alle. Auf jeden Fall muss für diesen Moment der Boden vorbereitet sein, auf dem ein gutes Geldsystem entstehen kann. Wir können mit unserem Buch dazu beitragen.

Smart Investor: Herr Marquart, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Ralf Flierl

 

ÖS Buch-Cover

 

 

 

 

 

 

„Warum andere auf Ihre Kosen immer reichen werden“; Andreas Marquart, Philipp Bagus; FinanzBuch Verlag 2014; 192 S.; 16,99 EUR