Löcher in der Matrix – Das TTIP-Outing des „German Mittelstand“

„Firmen setzen wenig Hoffnung in Freihandelsabkommen“ (www.spiegel.de)

Das Werben für die transantlantische Handels-und Investment-Partnerschaft TTIP ist auffallend hartnäckig. Das fängt schon beim Wording an. Transatlantische Handels- und Investment-Partnerschaft kommt ein wenig sperrig rüber, deshalb wird es hierzulande unter dem Wort Freihandelsabkommen promotet. Das hört sich ein bißchen nach Butterfahrt an, auf jeden Fall nach Einsparung der Mehrwertsteuer, denn darauf, man ist ja nicht blöd, sind die Konsumenten schließlich konditioniert.

Der Handel zwischen Europa und den USA würde vereinfacht, indem Zölle aufgehoben und Handelskosten gesenkt werden. Mittelständler müssten nicht mehr nach verschiedenen Standards produzieren. Stecker, Kabel oder Etikettierung könnten auf allen Gütern, ob für den Export in die USA oder den Verkauf im Inland bestimmt, gleich sein. Auch Prüfverfahren, Zertifizierungen oder Abnahmestandards im Ausland würden vereinheitlicht oder abgeschafft werden. Dadurch würde die Ausfuhr für die Unternehmen günstiger, argumentieren Politiker der Regierungskoalition.

Doch die Botschaft ist bei kleinen und mittleren Unternehmen bislang offenbar kaum angekommen. Nur 15 Prozent sehen in der TTIP ein positives Geschäftspotenzial. Das sei das Ergebnis einer Commerzbank-Umfrage, berichtet SPON. Hört sich so ein bißchen nach selbstgehäkelten Socken zu Weihnachten an: Beim Beschenkten will Freude nicht so recht aufkommen. Natürlich macht es keinen Sinn, eine Wirtschaftsvereinbarung zwischen den USA und Europa grundsätzlich abzulehnen. Das kann man gegebenenfalls tun, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen, die nicht überzeugen. Dass aber gerade der vielzitierte „German Mittelstand“ sich aktuell nicht gerade als glühender Verfechter der TTIP per Umfrage outet lässt aufhorchen: Ist die TTIP womöglich doch vor allem ein Lobby-Erfolg der Großkonzerne?

 

<- Vorheriges Loch          Nächstes Loch ->