Löcher in der Matrix – Vertrauen ist der Anfang von allem

„US-Staatsanwalt wirft Barclays systematischen Betrug vor“ (www.spiegel.de)

Das Bonmot wird bald 100 Jahre alt, an Aktualität mangelt es nach wie vor offenbar nicht: „Nur Amateure überfallen die Bank. Profis gründen eine“ stellte Kurt Tucholsky einst fest. Angesichts der nicht abreißenden Kette von Skandalen bei Finanzhäusern aller Art – Investmenthäuser, Universalbanken, nicht zu vergessen die Finanzdienstleister des Heiligen Stuhls – müsste eigentlich das Klicken der Handschellen das Rascheln der Geldzählautomaten locker übertönen.

Geldwäsche, Beihilfe, ja direkte Anleitung zur Steuerhinterziehung, Zinsmanipulationen, Manipulation des Goldfixings, gesetzwidrige Beeinflussung von Wechselkursverhältnissen, jetzt zur Abwechslung mal systematischer Betrug am Kunden – hier möchte man ein Zitat von Winston Churchill über Ganoven und Rennbahnen umformulieren: Nicht alle in der Bank sind Ganoven. Aber alle Ganoven sind offenbar in der Bank. Einen kleinen ÜBerblick über die bisher aufgedeckten, bedeutsameren Manipulationen und Skandale des Gewerbes finden Sie unter dem Titel „Fairness war gestern“ im Smart Investor 6/2104 ab S. 22.

Dabei ist doch Vertrauen der Anfang von allem. Oder sollte man diesem Slogan einer nicht ganz unbekannten deutschen Bank auch nicht glauben? Selbst Wohlmeinenden, die die Unverzichtbarkeit von Banken im wirtschaftlichen Gefüge nicht in Frage stellen und ansonsten keine Freunde von Regulierung sind, gehen die Argumente aus: Ohne deutlich ausgeweitete Überwachung der richtigen Stellen scheint es nicht zu funktionieren.

Für Anleger gilt es zwei Punkte zu beachten. Zunächst ist jedes Investment in diesem Bereich mit einem Sonderrisiko behaftet: Wer weiß schon, wie viele Leichen wo im Keller liegen und welchen Verwesungsgrad sie erreicht haben? Noch wichtiger, weil langfristig wirkend, stellt sich die Frage nach dem Geschäftsmodell. Wenn so viele Banken über einen so langen Zeitraum zu derart zweifelhaften Mitteln greifen, um ihre Margen zu sichern – wie sieht es dann mit der Schlüssigkeit des Investment Case aus?

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