Fonds – Interview

Gespräch mit Volker Riehm, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers

Smart Investor: Warum sollte ein Investor Aktien von inhabergeführten Gesellschaften kaufen?
Riehm: Ein wichtiger Punkt ist, dass Unternehmenslenker und Unternehmenseigentümer identisch sind. Bei den Entscheidungen für die Firma geht es nicht um die Zahlen des nächsten Quartals, sondern um eine langfristige Perspektive bzw. eine werthaltige Übergabe an die nachfolgende Generation. Dieser Horizont erlaubt auch ein antizyklisches Verhalten. Eigentümergeführte Unternehmen haben häufig eine um acht bis zehn Prozentpunkte höhere Eigenkapitalquote. Dadurch ist unternehmerische Unabhängigkeit gewährleistet. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bereitschaft, Fehlentscheidungen schnell zu korrigieren. BMW hat sich beispielsweise sehr zügig wieder von Rover getrennt. Die Trennung von Daimler und Chrysler hat länger gedauert und dadurch auch deutlich mehr Geld gekostet. Dies alles führt dazu, dass inhaberdominierte Unternehmen langfristig besser performen als herkömmliche Aktiengesellschaften.

Smart Investor: Wie sehen der Investmentprozess und die Branchengewichtung beim H&A Unternehmerfonds aus?
Riehm: Im Fonds konzentrieren wir uns auf Unternehmen aus Westeuropa. Private Großaktionäre müssen eine Sperrminorität von mindestens 25% der Stimmrechte halten. Bei der Aktienauswahl fahren wir einen klaren Bottom-up-Ansatz. Unser Anlageuniversum setzt sich aus ca. 550 Aktiengesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von 2.200 Mrd. EUR zusammen. In einem ersten Schritt erfolgt eine Kennzahlenanalyse der Unternehmen. Dann werden die Favoriten detailliert analysiert und aus den Daten „faire Aktienkurse“ abgeleitet. Ist der faire Wert erreicht, wird allerdings nicht automatisch verkauft, solange die Perspektiven in der Branche und beim Unternehmen weiter intakt sind. Interessant ist, dass gerade in den Branchen, die man wesentlich mit einzelnen Ländern verbindet, häufig eigentümergeführte Unternehmen anzutreffen sind, wie z.B. Maschinenbauer in Deutschland oder Luxusartikelhersteller in Frankreich.

Smart Investor: Wie wirkt sich das auf die Gewichtung der Branchen aus?
Riehm: Unter den inhabergeführten Unternehmen finden sich kaum Banken und Versicherungen, dafür aber zum Beispiel überproportional viele Hersteller von Haushalts- und Luxusartikeln. Insgesamt sind inhaberkontrollierte Unternehmen weniger zyklisch und leiden weniger unter Schocks an den Finanzmärkten.

Smart Investor: Herr Riehm, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Christian Bayer

Über Volker Riehm:

Volker Riehm

Volker Riehm verantwortet seit Dezember 2005 bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers das Börsensegment der „inhaberkontrollierten Aktiengesellschaften“. Er und sein Team entwickelten die Hauck & Aufhäuser Familienaktienindizes HAFix. Seit Juli 2007 wird der Anlageansatz nicht nur in Vermögensverwaltungsmandaten umgesetzt, sondern steht mit dem auf inhaberdominierte Aktiengesellschaften spezialisierten H&A Lux Unternehmerfonds (WKN: A0MNUN) auch als Publikumsfonds zur Verfügung. Volker Riehm verfügt über mehr als 25 Jahre Börsenerfahrung. Seine Karriere begann der Fondsmanager beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser im Januar 1988, damals noch als Analyst. Zuvor hatte er ein BWL-Studium an der Universität Regensburg und eine Banklehre absolviert.