Fonds – Interview

Smart Investor im Gespräch mit Norbert Keimling vom Vermögensverwalter StarCapital AG

Smart Investor: Der DAX hat mittlerweile die langersehnte 10.000er-Marke geknackt. Müssen sich Investoren in den nächsten Monaten tendenziell eher auf steigende oder fallende Kurse einstellen?
Keimling: Investoren sollten beides einkalkulieren. Die Kursentwicklung der nächsten Monate lässt sich nicht seriös prognostizieren. Wir investieren in Aktien, die einen deutlichen Bewertungsabschlag aufweisen. Der DAX ist nach seinem Anstieg von 170% seit 2009 nicht mehr attraktiv: mit einem zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,6 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,8 ist er fair bewertet. Für Anleger bedeutet dies, dass sie über die nächsten 15 Jahre mit realen Wertsteigerungen von 4-8% p.a. rechnen können. Dies entspräche einem DAX-Stand von ca. 27.000 Punkten im Jahr 2028. Langfristig keine schlechten Aussichten, es gibt jedoch interessantere Regionen. Wer nur kurzfristig im DAX investieren möchte, der kann realistische Chancen und Risiken aus den letzten 130 Jahren Börsengeschichte ableiten. Man sollte sich darauf einstellen, dass der DAX in den nächsten drei Jahren jederzeit auf 8.000 Punkte zurückfallen oder auf 17.000 Punkte steigen kann. Derartige Bewegungen folgten in der Regel auf vergleichbare Marktphasen.

Smart Investor: Das heißt: Aktienanleger brauchen starke Nerven?
Keimling: Natürlich! Die Aktienanlage bietet langfristig mit Abstand die größten Chancen – gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Zinsniveaus und der geringen Investitionsquoten professioneller Investoren. Doch Rückschläge und damit Kaufgelegenheiten wird es immer wieder geben – diese gilt es zu nutzen. Gleichwohl glätten wir die Schwankungen in unseren Publikumsfonds: So haben wir in unserem Value-Fonds StarCapital Priamos ein Risk-Protection-System etabliert. Es misst die Marktgefahren u.a. auf Basis der fundamentalen Bewertung der Aktienmärkte. Steigen die Marktrisiken, werden wir vorsichtiger, in Unterbewertungsphasen sind wir dynamischer investiert.

Smart Investor: StarCapital ist bekannt dafür, antizyklisch Chancen zu nutzen. Wo sehen Sie diese momentan?
Keimling: Die starken Unterbewertungen der Jahre 2009 und 2011 sind in den meisten etablierten Ländern mittlerweile abgebaut. Allenfalls einige europäische Märkte wie Italien oder Spanien bieten noch überdurchschnittliches Potenzial. Im Gegensatz zu anderen Märkten notieren diese über 30% unter ihrem Kursniveau von 2007. Zahlreiche solide Unternehmen werden zum Buchwert gehandelt und zahlen Dividendenrenditen von über 4%. Die beiden Börsen zählen auf Jahressicht außerdem zu den performancestärksten weltweit. Ein Zeichen, dass langsam auch andere Marktteilnehmer die Chancen erkennen. Noch mehr Potenzial bieten einige Emerging Markets: Während der MSCI World in EUR in den letzten drei Jahren 40% zulegen konnte, fiel bspw. der brasilianische Aktienmarkt 25% ins Minus. Der Markt notiert nach unseren Bewertungsmodellen deutlich unterhalb seines wahren Wertes und birgt ein Kurspotenzial von über 50%. Auf Einzeltitelebene sehen wir die größten Chancen aktuell in Value-Aktien. Während substanzstarke Aktien von 2008 bis 2012 enttäuschten und Börsenlieblinge wie Adidas und Nestlé stark zulegten, mehren sich die Zeichen, dass wir am Beginn eines neuen Value-Zyklus stehen.
Smart Investor: Danke für das Gespräch
Interview: Christian Bayer

Über Norbert Keimling:

Norbert Keimling

Norbert Keimling, Jahrgang 1979, leitet die Kapitalmarktforschung der StarCapital AG. Nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik startete er seine berufliche Laufbahn im quantitativen Research der AMB Generali in Köln. Seit 2004 ist er für die StarCapital in Oberursel tätig. StarCapital bietet ihren Kunden mit ihren Fonds ein ganzheitliches Vermögensmanagement. Mit Tochterunternehmen und Kooperationspartnern in Luxemburg und in der Schweiz ist das Unternehmen international aufgestellt. Das Team der StarCapital setzt neben einer langjährigen Börsenerfahrung auf aktuelle Erkenntnisse der hauseigenen Kapitalmarktforschung und betreut ca. 1,5 Mrd. EUR.