Smart Investor 7/2014: Afrika-Aktien

Das vorhandene wirtschaftliche Aufholpotenzial lockt immer mehr Anleger nach Afrika. Eine Rechnung, die durchaus aufgehen kann. Doch auch die Risiken eines Investments sollten nicht vergessen werden.

Derzeit dominieren bei der Berichterstattung über Afrika wieder einmal die Negativschlagzeilen. Mit Terroranschlägen in Kenia, Bürgerkrieg in Syrien, Hungersnot im Südsudan, Flüchtlingsströmen nach Europa oder den Entführungen ganzer Mädchengruppen durch die Terrorsekte Boko Haram in Nigeria ist die Liste der Schreckensbotschaften lang. Trotz allem aber hat sich die öffentliche Wahrnehmung Afrikas in den vergangenen Jahren zum Besseren gewendet. Obwohl es noch immer viele politische Defizite gibt, hat der Demokratiegedanke auf dem Schwarzen Kontinent Fortschritte gemacht. Vor allem aber hat ein wirtschaftlicher Aufschwung zur Imageverbesserung beigetragen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) soll die Wirtschaftsleistung in den 54 afrikanischen Ländern in diesem Jahr um etwa 5% und 2015 um weitere 5 bis 6% zulegen. Damit würde eine Wachstumsrate fortgeschrieben, die in etwa dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre entspricht. Zudem gibt es einige vorteilhafte Rahmendaten, die auch mittel- bis längerfristig ähnliche Zuwächse möglich erscheinen lassen. Gemeint ist damit neben dem großen Nachholbedarf in Sachen Wohlstand gegenüber dem Rest der Welt vor allem auch die vorteilhafte Demografie. Die Bevölkerung ist mit einem Medianalter von 14 bis 20 Jahren jung und das Arbeitskräftepotenzial somit hoch. Laut Silk Invest können heute schon fast 800 Mio. der momentan rund 1 Mrd. (= 1.000 Mio.) Afrikaner regelmäßig Konsumgüter kaufen und in zehn Jahren dürften es mindestens 1,2 Mrd. sein.

Schuldenmentalität hält wieder Einzug
Das klingt gut, doch es wäre ein großer Fehler, nicht auch auf die zahlreichen Hürden zu achten, mit denen sich Afrika nach wie vor noch konfrontiert sieht. Selbst die derzeit vor allem als vorteilhaft wahrgenommene Demografie könnte sich als Bumerang erweisen, falls es nicht gelingt, genügend Arbeitsplätze zu schaffen. Wie die Vergangenheit basierend auf Zahlen von Goldman Sachs zeigt, gibt es dafür leider keine Erfolgsgarantie. 2013 lag die Arbeitslosenquote für die führenden lokalen Volkswirtschaften mit 9,5% nur leicht unter dem Durchschnittswert von rund 10%, der sich für den Zeitraum von 1991 bis 2013 ergibt. Das Wachstum hat somit noch nicht die erhofften Arbeitsmarkteffekte gebracht. Zudem wächst zwar die Zahl jener, die sich nach lokalem Standard zur Mittelschicht zählen dürfen, aber ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst nicht so schnell, wie das wünschenswert wäre. So ist in Nigeria laut Euromonitor-Analystin An Hodgson die Zahl der Bezieher eines jährlichen Bruttoeinkommens von 7.500 bis 15.000 USD von 2008 bis 2013 von 3,6 auf 3,9 Mio. gestiegen. Doch die Quote dieser Einkommensgruppe an der Bevölkerung, die Älter als 15 Jahre ist, sank gleichzeitig sogar von 4,2% auf 3,9%. Wie ungleich der Reichtum verteilt ist, lässt sich auch am Vermögen von 39 Mrd. USD ablesen, das die drei reichsten Afrikaner besitzen. Denn das entspricht mehr als der gesamten Wirtschaftsleistung Kenias im Jahr 2012.

Neben Chancen birgt selbst der vorhandene Rohstoffreichtum ebenfalls Risiken. Nachdem von der geschilderten Erfolgsgeschichte beim Wirtschaftswachstum nach Schätzungen der Citigroup 30% den Rohstoffen zu verdanken sind, könnte eine durch eine geringere konjunkturelle Entwicklung in China ausgelöste schwächere Nachfrage für Gegenwind sorgen. Bei Beobachtern mit Weitblick sorgen außerdem die im Schnitt steigenden Defizite in den Leistungsbilanzen und den Staatshaushalten für Unbehagen. Noch ist der Anteil der Staatsschulden gemessen am Bruttoinlandprodukt mit 35% vergleichsweise gering. Aber aus einem Überschuss von 2,5% im Jahr 2004 wird in diesem Jahr gemäß den Prognosen von Capital Economics bei den Südsahara-Staaten ein Minus von 3,3%. Der Internationale Währungsfonds hat deshalb jüngst schon vorsorglich vor einer zu leichtfertig gehandhabten Verschuldungspolitik gewarnt, doch auch dank dem Niedrigzinsumfeld können viele Entscheidungsträger dem Lockruf des billigen Geldes nicht widerstehen. 2013 stieg die Emission von Staatspapieren von 6 Mrd. auf 11 Mrd. USD, nachdem im Jahr 2000 gerade einmal 1 Mrd. USD aufgenommen wurde. So etwas trägt dazu bei, die Abhängigkeit von Kapital aus dem Ausland zu erhöhen und bei der stark in Afrika vertretenen russischen Investmentbank Renaissance Capital zeigen die Berechnungsmodelle auch eine relativ hohe Anfälligkeit in Sachen externen Finanzierungsbedarf.

Nachholbedarf lockt Investoren
Um für einen dauerhaften Wirtschaftsboom zu sorgen, kommt es ansonsten vor allem darauf an, die derzeit oft noch mangelhafte Infrastruktur und das ungenügende Bildungssystem zu verbessern. Ob diese Herkulesaufgaben schnell genug umgesetzt werden können, bleibt abzuwarten. Doch trotz dieser offenen Fragen wagen immer mehr Investoren den Sprung nach Afrika. Laut dem Beratungsunternehmen Ernst & Young hat sich die Attraktivität des Standorts deutlich erhöht und die Afrikanische Entwicklungsbank sagt für dieses Jahr einen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen auf 80 Mrd. USD voraus, nachdem es 2013 und 2012 erst 56 Mrd. bzw. 50 Mrd. USD waren. Das passt zu dem Ergebnis des vom US-Volkswirt Daniel Altman erstellten Baseline Profitability Index. Dieser misst anhand von acht Einflussfaktoren die voraussichtliche Vorsteuerrendite von Investments weltweit. Unter den 20 Erstplatzierten befinden sich immerhin fünf afrikanische Staaten. Botswana belegt demnach Platz 1, Ruanda und Ghana die Ränge 7 und 8, Uganda ist als Nummer 13 ausgewiesen und Mosambik als Nummer 17.

Zu einem ähnlichen Urteil scheinen auch immer mehr Private-Equity-Firmen zu kommen, denn inzwischen mischen vor Ort die Großen der Branche wie KKR oder die Carlyle Gruppe mit. Deutlich gestiegen ist in den vergangenen Jahren auch das Anlegerinteresse an den lokalen Aktienmärkten. …

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