Smart Investor 7/2014: Eigentümergeführte Unternehmen

 GEX_vs_DAX
Seit Anfang 2013 läuft der GEX (schwarz), der Index der eigentümergeführten Unternehmen, deutlich besser als der DAX (rot). Das war in der Vergangenheit nicht immer so.


Inhabergeführte Firmen haben ein Interesse daran, nachhaltig und langfristig erfolgreich zu sein. Daher kann sich für Anleger ein Blick auf die entsprechenden börsennotierten Unternehmen lohnen.

„Wir denken nicht quartalsweise, sondern in Generationen.“ Albrecht Hornbach, der gemeinsam mit seinem Bruder Steffen Hornbach das 1877 gegründete und gleichnamige Baumarktunternehmen leitet, bringt es mit einem Satz auf den Punkt, was familiengeführte Firmen stark macht. Diese haben ein Interesse daran, die Firma langfristig erfolgreich zu führen. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PWC („Die Zukunft von Familienunternehmen – der Kern der Wirtschaft“) denken Familienfirmen unternehmerischer, langfristiger und nachhaltiger als Konzerne. Und weiter: „Sie sind schnell und flexibel in der Entscheidungsfindung und verfügen über eine auf die Mitarbeiter ausgerichtete Kultur und Wertschätzung. Zudem grenzen sie sich durch ihr gesellschaftliches und persönliches Engagement sowie ihre regionale Verankerung von international tätigen Konzernen ab.“

Säule der deutschen Wirtschaft
Für Anleger dürfte die langfristig ausgerichtete Strategie ein guter Grund sein, in inhabergeführte Unternehmen zu investieren. Die Unternehmen sind hierzulande eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn werden rund 95% der in Deutschland ansässigen Betriebe und Firmen als Familienunternehmen geführt. Etwa 40% des Umsatzes aller Unternehmen stammen aus Familienunternehmen. Knapp 60% der Arbeitsplätze werden durch sie gestellt. Von einem „familienkontrollierten Unternehmen“ wird laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gesprochen, wenn maximal drei natürliche Personen mindestens 50% der Unternehmensanteile halten. Sind die Eigentümer dieser Unternehmen auch an der Unternehmensleitung beteiligt, ist die engere Definition der „eigentümergeführten Familienunternehmen“ erfüllt.

Unternehmens-Indizes
Der von der Deutschen Börse berechnete German Entrepreneurial Index, kurz GEX, bietet einen guten Einblick, welche Aktienunternehmen hierzulande unter anderem zu den Familienunternehmen gehören. Der GEX listet die deutschen Unternehmen aus dem Prime Standard auf, die seit höchstens zehn Jahren börsennotiert sind und von ihren Eigentümern geführt werden. Die Eigentümer müssen über mindestens 25% und maximal 75% der Aktien verfügen sowie im Vorstand und Aufsichtsrat maßgeblich vertreten sein. Derzeit gehören zum GEX 39 Werte, unter ihnen sind beispielsweise die Verlagsgruppe Bastei Lübbe, der Online-Reifenhändler Delticom, der Immobilienkonzern IFM Immobilien oder der Chemiekonzern Wacker Chemie. Auch wenn sie nicht im GEX enthalten sind: Neben den kleineren und mittelgroßen Werten zählen auch große Konzerne wie VW, BMW, Metro oder Beiersdorf zu den Unternehmen, die sich in Familienhand befinden.

Wie erfolgreich Familienunternehmen an der Börse sein können, zeigt der Performance-Vergleich: Der GEX liegt in diesem Jahr bislang mit rund 22% im Plus, der DAX hingegen nur mit 4%. Außer dem GEX gibt es noch weitere Familienunternehmen-Indizes, etwa die DAXplus Family-Indizes der Deutschen Börse oder die Hauck & Aufhäuser-Familienindizes (Hafix). Die deutsche Variante HAFixD umfasst 20 Werte, die europäische Version HAFixE 30 Werte.

Auf den folgenden Seiten stellen wir einige Familienunternehmen und auf S. 38 Fonds mit Fokus auf diese Titel vor. Ab S. 34 erläutern wir den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und eigentümergeführten Unternehmen und auf S. 30 behandeln wir das Thema „Eigentum“ aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Gian Hessami