Löcher in der Matrix – Gefährdungspotenzial

Loch_39.jpg„Fahimi fordert Anti-AfD-Bündnis“ (zeit.de, 17.10.2014)

Yasmin Fahimi hat Parteien, Gewerkschaften und Verbände zum Kampf gegen die AfD aufgerufen. Die Partei sei eine Gefahr für Europa, schrieb die Politikerin in einem Gastbeitrag für die FAZ, der breites Rauschen im Blätterwald ausgelöst hat. Zunächst einmal, wem der Name nicht geläufig ist: Yasmin Fahimi heißt die  Generalsekretärin der SPD. Im Interview dreht sie das ganz große Rad. „Unser Land ist zu wichtig, als dass wir es diesen Demagogen im Schlafrock überlassen sollten.“ Es dürfe nichts zugelassen werden, was „leichtfertig das Friedens- und Freiheitsprojekt Europas gefährdet, für das Brandt, Adenauer, Schmidt, Genscher und Kohl gekämpft haben“.

Klarer Fall: Hier wird mal wieder Ursache und Wirkung verwechselt. Denn die größte Gefahr für Europa ist und bleibt die EU-Administration selbst. Wie sollen Menschen, die hart arbeiten und hohe Steuern bezahlen damit einverstanden sein, dass Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Google praktisch keine Abgaben leisten? Die Unfähigkeit innerhalb der EU-Staaten, dem Steuerdumping Einhalt zu gebieten, ruft Protest vor.

Das unwürdige Postengeschacher bei der Besetzung der EU-Kommission, bei der die Kandidaten offenbar nur dann zu Kandidaten werden können, wenn sie wirklich nicht den blassesten Schimmer von ihrem Ressort haben, trägt auch nicht eben zur Vertrauensbildung bei. Das gleiche gilt für die nach wie vor undurchsichtigen Verhandlungen über TTIP. So nimmt man Menschen nicht mit, sondern schafft ein Kommunikations-Desaster.

Man kann zur AfD stehen wie man will, aber eine Front gegen irgendetwas oder irgendwen hilft selten weiter. Stattdessen sollte sich Yasmin Fahimi und die SPD inhaltlich mit den Schwächen des unbestrittenen Friedens- und Freiheitsprojektes Europa auseinandersetzen. Das wäre bestimmt auch im Sinne der genannten Herren und würde die AfD härter treffen als jedes Bündnis, bei dem das Wort Einheitsfront mitschwingt.

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