Löcher in der Matrix – Das Geld anderer Leute

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Investitionsprogramm: Frankreich will Deutschlands Jackpot knacken“ (welt.de, 20.10.2014)

So richtig in die Schlagzeilen hat es die Forderung der französischen Regierung nach einer Erhöhung der deutschen Investitionen nicht geschafft. Dazu war das Thema hierzulande wohl zu heikel. Unser wichtigster Euro-Rettungspartner Frankreich hat ein Haushaltsproblem. Andererseits, welcher Euro-Staat hat das nicht? Da fügt es sich gut, dass der französische Wirtschaftsminister, der Sozialist Emmanuel Macron, eine Idee hatte, die sich in etwa so anhört: „Frankreich will 50 Milliarden einsparen, wenn Deutschland 50 Milliarden Euro zusätzlich investiert.“ Offenbar ist der Mann auch ein verkappter Anhänger der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die das Problem des Sozialismus darin sah, dass diesem am Ende das Geld anderer Leute ausgehe. Konsequenterweise hat Macron nun jene Geldbeutel ins Visier genommen, die das Ende des französischen Sozialismus noch ein wenig hinauszögen könnten – die der deutschen Steuerzahler.

Frau Thatcher erahnte seinerzeit den heraufziehenden Euro-Sozialismus wohl recht gut, als sie das britische Pfund mit ihrem vehementen „No, No, No“ gegen die Einheitswährung abschottete. Allerdings haben die Briten in der Folge gezeigt, dass man eine Währung auch ganz alleine ruinieren kann. Die Dreistigkeit mit der Macron Deutschland über den Tisch ziehen will, beschämt aber offenbar auch viele Franzosen. Zitiert werden Äußerungen auf Twitter:

„Deutschland, der Jackpot Europas“ (@sanskapoerava)

„Ist das immer noch nicht vorbei, dass man die Deutschen für Idioten hält?“ (@DanielDupon53)

Nein, lieber „@DanielDupon53“, das ist noch lange nicht vorbei, besonders nicht im eigenen Lande. Erhellend ist die Episode aber allemal, denn die „europäische Idee“ scheint in den Hauptstädten des Kontinents durchaus unterschiedlich motiviert zu sein. Während die einen einer romantischen Vorstellung der Einheit nachhängen, schielen die anderen auf die Geldbeutel ihrer Nachbarn – für Europarealisten keine ganz neue Erkenntnis. Was aber motiviert eigentlich welt.de solche Unterschiede nun herauszuarbeiten?

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