Fonds – Analyse

Gastbeitrag von Patrick Reuther, FondsConsult Research AG

Inhabergeführte Aktiengesellschaften zeichnen sich grundsätzlich durch einen Großaktionär aus, der meist auch das Unternehmen selbst gründete oder der Gründerfamilie angehört. Dies führt im Gegensatz zu rein durch externe Manager geführte Unternehmen zu vielen Vorteilen in der Unternehmenssteuerung. Der größte Unterschied liegt in der langfristigen Ausrichtung der Unternehmensstrategie, unabhängig von der Erreichung kurzfristiger Quartalszahlen. Angestellte Unternehmensmanager stehen hingegen oftmals unter Druck, die von Analysten erwarteten Quartalsergebnisse stetig abliefern zu müssen, und treffen dabei nicht immer Entscheidungen, die dem Unternehmen langfristig dienen.

Vor- und Nachteile
Die sogenannten Familienunternehmen verfügen über eine überdurchschnittliche Eigenkapitalquote, was vor allem in wirtschaftlich schlechten Zeiten Rückhalt sowie Freiraum für antizyklische Investitionsentscheidungen bietet. Grundsätzlich sind Entscheidungswege aufgrund der schlanken Aufstellung der Unternehmensführung kürzer. Es können also schneller Maßnahmen zur Anpassung der Unternehmensausrichtung ergriffen werden, sollte der Markt dies erfordern. Die herausgehobene Position des Großinvestors, der meistens auch Vorstandsvorsitzender ist, birgt jedoch auch Nachteile. Deutlich sichtbar wird dies bei der Nachfolgeregelung. Nicht immer gibt es einen geeigneten Nachfolger innerhalb der Familie, der das Unternehmen nahtlos fortführen kann.

Stockpicking gefragt
Um als Investor an den Vorteilen inhabergeführter Unternehmen profitieren zu können, ohne gleichzeitig die Risiken zu vernachlässigen, kommt es auf eine vernünftige Selektion der Unternehmen an. Hierfür gibt es eine Handvoll Aktienfonds, die genau dieses Universum nutzen. Ein Vertreter ist der bereits im Juli 2007 aufgelegte H&A Lux Unternehmerfonds. Da keine eindeutige Definition für inhabergeführte Unternehmen existiert, liegt dies im Ermessen des Fondsmanagers. Volker Riehm setzt hier auf eine Sperrminorität von mindestens 25% der Stimmrechte. Sollte der Großaktionär als Vorstand tätig sein oder im Aufsichtsrat sitzen, genügen auch 20%.

Anlageuniversum
Im europäischen Universum erfüllen 550 Aktiengesellschaften diese Kriterien. Mittels einer quantitativen Kennzahlenanalyse reduziert sich die Anzahl auf 110. Eine qualitative Fundamentalanalyse identifiziert schließlich 30 bis 50 Aktien für das Portfolio. Es zeichnet sich im Gegensatz zu Mitbewerberfonds durch eine Konzentration auf Large Caps aus. Lediglich 20% des Fondsvolumens werden in Small bzw. Mid Caps angelegt. Hinsichtlich der Sektoren ist auffällig, dass vor allem kapitalintensive Unternehmen wie Versorger, Energieunternehmen oder auch Banken eine untergeordnete Rolle spielen. Inhabergeführte Unternehmen finden sich vorrangig im Industriebereich sowie bei Konsumwerten. Konnte der Fonds viele Jahre eine Outperformance erzielen, liegt er im aktuellen Kalenderjahr hinter dem breiten europäischen Aktienmarkt zurück. Durch seinen speziellen Investmentansatz und den strukturellen Abweichungen auf Sektorenebene kann es jedoch gelegentlich zu deutlichen Performanceabweichungen kommen. Insgesamt stellt ein solcher Fonds eine interessante Beimischung im Portfolio dar.

FONDS-SNAPSHOT
WKN: A0MNUN
Fondsmanager: Volker Riehm
Volumen: 18,3 Mio. EUR
Auflegungsdatum: 02.07.2007
Typ: Aktien Europa

Über Patrick Reuther:

Patrick Reuther

Patrick Reuther studierte Finanzmathematik an der Technischen Universität Chemnitz. Seit 2008 ist er für die FondsConsult Research AG als Analyst tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf der Selektion von europäischen Aktien- sowie alternativen Investmentfonds.