Fonds – Kolumne


Gastbeitrag von Dr. Georg Graf von Wallwitz, Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH

Korrektur oder Trendwende
War das nun eine leichte Korrektur im DAX? Oder haben wir eine Trendwende gesehen? Und sind das noch Kaufkurse? Kaum ein Thema wird in Anlegerkreisen so intensiv diskutiert wie das richtige Market Timing. Wir wollten wissen, ob sich all die Mühe lohnt, und haben nachgerechnet – bis zurück zu den Ursprüngen des Deutschen Aktienindex vor 55 Jahren. Das Ergebnis dürfte zumindest für Börsenenthusiasten ernüchternd klingen. Angenommen, wir hätten im letzten Quartal 1959 begonnen, zunächst 25 Jahre lang 1.000 EUR je Monat (bzw. das damalige DM-Äquivalent) und in den folgenden 30 Jahren 2.000 EUR je Monat unter unserer Matratze anzusparen – wir blickten heute auf eine stolze Million EUR. Dem „schlauen Anleger“ mit Zug zur Aktie wäre das sicherlich nicht genug. Er hätte abgewartet und Geld angespart, bis der DAX um mindestens ein Viertel gefallen wäre, um genau zum auf den Sturz folgenden Tiefpunkt zu kaufen – so zuletzt im September 2011, bei einem Stand von 5.502 Punkten. Nach 55 Jahren hätten auskömmliche 8,3 Mio. EUR auf seinem Depotauszug gestanden – bei stetiger Aufmerksamkeit für das Börsengeschehen. Nun wissen wir aber alle, dass niemand immer den richtigen Zeitpunkt erwischen wird. In der Realität fühlt es sich eher so an, als wären wir das Gegenteil: die stets „Dummen“.

Kaufen vor dem Absturz
Jene „dummen Anleger“ hätten ihr Geld gespart und sich immer erst zum Kauf durchgerungen, wenn der Markt auf einem Höhepunkt vor einem mindestens fünfundzwanzigprozentigen Absturz gestanden hätte. Erstaunlicherweise hätten aber auch sie nach 55 Jahren immerhin 5,2 Mio. EUR verdient – was nur daran liegt, dass diese überhaupt investiert waren. Denn auch wenn sie immer nur zu den ungünstigsten Zeitpunkten gekauft hätten, im Nachhinein waren auch diese Zeitpunkte noch günstig. So hätten sie erstmals am 30. September 1960 bei einem DAX-Stand von 551 Punkte gekauft und dann zugesehen, wie dieser über die nächsten zwei Jahre zunächst auf 354 Punkte gefallen ist. Bei fast 10.000 Punkten erscheint sogar der letzte Kaufzeitpunkt, der Juni 2011 bei 7.376 Indexpunkten, nicht so katastrophal wie ein Quartal später. Hauptsache, man hat gekauft und sich nicht nur gefragt, ob es ein guter Zeitpunkt ist. Den Rest erledigt der Zinseszinseffekt.

Besser als das perfekte Timing
Nun das eigentlich Überraschende: Hätten wir quartalsweise und unabhängig vom jeweiligen Zustand des Marktes angelegt, würde unser Depot nach 55 Jahren DAX ganze 8,5 Mio. EUR ausweisen, also gut 200.000 EUR mehr als das des Anlegers mit dem perfekten Timing. Wie aber ist es möglich, besser zu sein als der beste Market Timer? Nun, statt sein Geld arbeiten zu lassen, hortet der vermeintlich „Schlaue“ es und wartet – je nach Marktphase auch mal länger – auf seine Gelegenheit. Für den kontinuierlichen Anleger arbeitet derweil der schon erwähnte Zinseszins. Wer als Anleger einen langen Zeithorizont mitbringt und es lieber bequem mag, sollte also nicht zu viel Zeit daran verschwenden, über das Market Timing nachzudenken. Wer sich darüber hinaus auch Gedanken über das Wie und Wo des Anlegens ersparen möchte, dem sei ein vermögensverwaltender Fonds ans Herz gelegt, der sich um eine ausbalancierte Mischung im Portfolio kümmert.

Über Dr. Georg Graf von Wallwitz:

Dr. Georg Graf von Wallwitz

Dr. Georg Graf von Wallwitz ist Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH in München und Fondsmanager der Phaidros Funds. Als Autor veröffentlicht er zudem regelmäßig das Börsenblatt für die gebildeten Stände. Im Berenberg Verlag sind die Finanzbücher „Odysseus und die Wiesel. Eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte“ (2011) und „Mr. Smith und das Paradies. Die Erfindung des Wohlstands“ (2013) erschienen.