Grafik der Woche – Seit 1800 in 50% der Jahre pleite

Überblick zu den staatlichen Zahlungsausfällen und Schuldenrestrukturierungen von 1800-2010

Grafik

(der rote Balken zeigt die Anzahl der Zahlungsausfälle und Schuldenrestrukturierungen, der blaue Balken den Anteil der Jahre von 1800-2010 in Prozent, den ein Land im Zustand eines Zahlungsausfalls oder einer Schuldenrestrukturierung verbracht hat, Quelle: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy, carmenreinhard.com)

Die Griechen betteln in diesen Tagen bei der EU mal wieder um Geld. Das führt zu einem Déjà-vu-Erlebnis, schließlich war das Land in den vergangenen Jahren stets auf große Geldspritzen angewiesen. In Deutschland sprechen nicht wenige deswegen auch längst von einem Fass ohne Boden.

In der Regel wird das dann zwar als Stammtisch-Gerede abgetan, aber vielleicht ist doch mehr als ein Körnchen Wahrheit dran. Zu diesem Schluss könnte man zumindest bei einem Schluss zurück in die Geschichte kommen. Seit der in den 1820er-Jahren erlangten Unabhängigkeit hat das Land bis 2010 insgesamt 92 Jahre im Zustand eines Zahlungsausfalls oder einer Schuldenrestrukturierung verbracht. Laut der Bank of America Merrill Lynch befand sich Griechenland damit zu fast 50% der Zeit im Zahlungsverzug. Im weltweiten Vergleich ist das der Spitzenwert. Sehr viel besser steht dagegen Italien dar, was für viele vielleicht sogar etwas überraschend kommen mag.

Kein unbeflecktes Unschuldslamm ist in Sachen Staatsverschuldung übrigens auch Deutschland. Bei der Bank of America Merrill Lynch kommen die Analysten für Deutschland auf vier Zahlungsausfälle und auf einen Anteil von 13% beim Anteil aller im Zahlungsverzug verbrachten Jahre. Das ist sicherlich kein Ruhmesblatt, aber entscheidend ist natürlich, ob und was man aus begangenen Fehlern gelernt hat. Werden die richtigen Schlüsse gezogen, dann macht es auch viel Sinn, zur Vergangenheit irgendwann zu sagen „Schwamm drüber“.

Um das einigermaßen guten Gewissens tun zu können, muss ein früher schon als unzuverlässig aufgefallener Schuldner aber beweisen, alles zu unternehmen, um künftige Probleme bei der Schuldenbegleichung zu vermeiden. Griechenland war in dieser Hinsicht zumindest teilweise auf einem zwar holprigen, aber grundsätzlich richtigen Weg. Mit teuren Wahlversprechen und gestoppten Privatisierungen ist die neue Regierung aber dabei, die erzielten Fortschritte wieder zunichte zu machen.

Die EU und alle anderen Gläubiger wären deshalb gut beraten, die Öffnung des Geldhahns von weiteren Reformen abhängig zu machen. Dazu zählen neben Privatisierungen vor allem auch eine ernst gemeinte Bekämpfung der Korruption und ein auch finanziell stärkeres in die Pflichtnehmen der reichen Oligarchen, die sich oft als über dem Staat stehend sehen.

Werden diese Vorbedingungen erfüllt, wäre auch in Deutschland sicherlich eine Mehrheit dazu bereit, den Griechen einen Schuldennachlass zu gewähren. Käme es zu einem derartigen Kompromiss, dann hätte Griechenland zumindest theoretisch zudem die ersten Voraussetzungen geschaffen, längerfristig die unrühmliche Spitzenposition in der obigen Grafik abzugeben.

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