Smart Investor 3/2015 – Aristokraten unter sich

Wenn die Aristokratie auf eines stolz ist, dann ist es meist die Kontinuität der Familie und der Traditionen. Im Idealfall lässt sich die eigene Linie um Jahrhunderte zurückverfolgen. Die Dividendenhistorie mancher sogenannter Dividenden-Aristokraten ist zwar häufig nicht über Jahrhunderte, in vielen Fällen jedoch zumindest um einige Jahrzehnte überliefert. Wie die echte Aristokratie ist auch der Dividenden-Adel eine „elitäre Veranstaltung“. Mehr noch als mit den Unternehmen mit den üppigsten Ausschüttungen lässt sich mit solchen Werten auch über Generationen Vermögen konservieren – ganz in der Tradition des alten Geldes.

Wo steht der Chemie-Zyklus?
Der deutsche Chemie-Riese BASF (WKN BASF11) zählt zu den treuesten Dividenden-Zahlern im DAX. Seit 46 Jahren ist die jährliche Ausschüttung kein einziges Mal ausgefallen. Trotz dieser Konstanz bleibt die Aktie jedoch ein Zykliker par excellence. Mit dem niedrigen Ölpreis und niedrigeren Volumina und Preisen im Chemiegeschäft weht BASF derzeit eine steife Brise entgegen. Nach Ansicht der Analysten von JP Morgan beeinträchtigt der derzeitige deflationäre Druck auf dem Ölmarkt die gesamte Wertschöpfungskette der Petrochemie. Langfristig niedrige Erdgas-Preise in den USA dürften den europäischen Playern zudem das Leben schwer machen. Für das laufende Jahr und 2016 wird dementsprechend auch mit niedrigeren Erträgen als im vergangenen Geschäftsjahr gerechnet. Angesichts der moderaten Ausschüttungsquote und der Dividendenhistorie ist diesbezüglich jedoch dennoch nicht mit einer Kürzung zu rechnen.

Hohe Margen, hohe Ausschüttungen
Die Aktie des deutschen Luxusmode-Labels Hugo Boss (WKN A1PHFF) hat sich spätestens seit der Übernahme durch die Private-Equity-Gesellschaft Permira im Jahr 2007 zu einem überdurchschnittlichen und kontinuierlichen Dividendenzahler entwickelt. Kein Wunder – schließlich war ein Großteil des Kaufpreises mit Fremdkapital finanziert worden, auf das der Investor regelmäßig Zinsen bezahlen musste. Doch zumindest in den Jahren ab 2009 findet keine Ausschüttung mehr aus der Substanz, sondern aus dem boomenden operativen Geschäft statt. Auch nach einem vollständigen Ausstieg der „Heuschrecke“ ist also von einer Dividendenkontinuität auszugehen. Mit einer deutlichen Ausweitung des eigenen Einzelhandelsgeschäfts hat Hugo Boss in den vergangenen Jahren seine Margen in eine völlig andere Dimension steigern können. Auch in Zukunft sollen nach Auskunft des Managements 60-70% der Erträge ausgeschüttet werden.

Alles neu macht SAP
Entgegen möglichen Vermutungen hat sich die Aktie der Walldorfer Softwareschmiede SAP (WKN 716460) in den letzten Jahrzehnten in Sachen Dividende zu einem Garanten entwickelt. Seit nun mehr 26 Jahren lässt SAP seinen Aktionären eine Ausschüttung zukommen. Selbst wenn diese mit knapp unter 2% nicht am oberen Spektrum der Möglichkeiten rangiert, ist die beachtliche Kontinuität für Dividendenjäger dennoch ein Argument. Mit dem Start der S/4HANA-Software stehen die Anzeichen auch operativ auf Wachstum. SAP hat damit sozusagen den Kern seines ERP-Systems neu erfunden, Schätzungen zufolge wurden dafür mehrere 100 Millionen Zeilen Softwarecode neu geschrieben. Der Name S/4HANA steht für „Simple“ und „4. Generation“, der Software-Riese möchte mit dem Produkt also nichts anderes als sich selbst neu erfinden. Als globaler Marktführer mit einer durchaus gegebenen Preissetzungsmacht dürften mittelfristig auch die Aktionäre am kommenden Wachstum partizipieren.

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