Fonds – Interview

Smart Investor im Gespräch mit Wilhelm Schröder, dem Fondsmanager des NESTOR Australien Fonds

Smart Investor: Herr Schröder, die australische Wirtschaft hängt aufgrund ihrer Fokussierung auf die Rohstoffproduktion massiv an der chinesischen Konjunktur. Durch politische Reformen will die kommunistische Partei dort nun die Privatwirtschaft fördern. Sehen Sie hier positive Effekte für die australische Börse?
Schröder: Die Rohstoffpreise sagen mir, dass bei den Anlegern kurzfristig eher Skepsis überwiegt. Ohne geldpolitische Lockerung oder Konjunkturpakete scheint die Konjunktur dort derzeit weiter zu stottern. Für Australien bringt das natürlich Risiken mit sich. Die Preise für Eisenerz und Kohle sind nach wie vor schwach – immerhin die beiden Hauptexportgüter Australiens. Ansonsten wäre die Stimmung dort gar nicht so schlecht, denn der verbilligte australische Dollar gibt durchaus etwas Rückenwind.
Smart Investor: Welche Rohstoffe schätzen Sie derzeit am interessantesten ein?
Schröder: Die Industriemetalle sehen derzeit noch am besten aus. Beim Kupfer sind in der letzten Zeit die Produktionszahlen deutlich zurückgekommen. Einzelne Minen wie Grasberg in Indonesien oder Escondida in Chile wurden zeitweise stillgelegt bzw. haben ihre Produktionsmenge reduziert. Das Überangebot ist damit von 500.000 Tonnen auf nahe Null zurückgegangen. Der Kupferpreis liegt ja auch schon rund 8% über den Tiefs, hier bin ich weiter optimistisch. Eines der interessantesten Metalle ist jedoch Zink. Ab Spätsommer 2015 wird die bekannte weltweite Produktion definitiv fallen, hier werden drei Minen die Produktion komplett einstellen. In den letzten Jahren gab es eindeutig zu wenige Investitionen in neue Vorkommen, Prognosen gehen daher von einem Anstieg des Preises von derzeit 2.000 USD auf in einigen Jahren bis zu 5.000 USD je Tonne aus. Beim Nickel wird das Exportverbot in Indonesien das Angebot verknappen. Ohne eine Veredelung dürfen die Unternehmen von dort keine Nickelerze mehr exportieren. Die Chinesen haben noch Lagerbestände, aber mittelfristig rechne ich auch hier mit höheren Notierungen.

Smart Investor: Wie sieht es beim für Australien so wichtigen Eisenerz aus?
Schröder: Der Markt für Eisenerz wird leider auf Jahre hinaus tot sein. Angesichts der riesigen Investments in die Infrastruktur in den letzten Jahren kann die australische Produktion weiter gesteigert werden. Hier können Giganten wie Rio Tinto oder BHP Eisenerz für 17 USD/Tonne abbauen, zuzüglich des Transportes nach China liegen die Kosten in Summe bei rund 25 USD. Dort bekommen Sie aber aktuell 55 USD, das Ganze ist also auch auf dem heutigen Niveau noch immer ein interessantes Geschäft. Solange diese „Billigproduzenten“ solche Margen realisieren können, wird sich an der Angebotssituation nichts verändern. Für neue Player ist daher meiner Meinung nach kein Platz – einige kleinere Produzenten werden verschwinden.

Smart Investor: Beim Gold sehen wir dagegen erneut Preise unter 1.200 USD/Feinunze. Wie schätzen Sie hier die Lage ein?
Schröder: Ehrlich gesagt sind die Produzenten in Australien gar nicht so unzufrieden mit den heutigen Preisen. Während die Kosten überwiegend in australischen Dollar anfallen, werden die Umsätze in US-Dollar erzielt. Alleine von der Währungsseite haben sich diese in den letzten Monaten also um rund 25% erhöht. Die Margen vieler Produzenten sind daher im Moment auskömmlich, wenn auch nicht außergewöhnlich. Dennoch ist natürlich die Stimmung, die stark vom US-Dollar-Goldpreis geprägt wird, miserabel. Der Preis ist schwierig zu prognostizieren, da Gold ja auch immer ein bisschen eine Glaubenssache ist. Alleine weil die Amerikaner keinen EUR/USD-Kurs von 0,85 sehen wollen, wird es meiner Meinung nach doch keine massiven Zinserhöhungen durch die Fed geben. Die Basis für einen Goldpreisanstieg ist damit durchaus gelegt, zumal die Geldmenge in der Welt weiter massiv steigt.

Smart Investor: In Australien gibt es seit vielen Jahren eine Deindustrialisierung zu beobachten. Könnte sich dieser Trend nun angesichts der schwachen Rohstoffpreise umkehren?
Schröder: Nein, das sehe ich nicht. Die Rohstoffe sind nun mal da und China liegt eben vor der Türe. Australien ist eine relativ abgelegene kleine Volkswirtschaft, viele Industrien lohnen sich daher schlichtweg nicht. Auf der anderen Seite gibt es Bereiche wie Tourismus oder den Bildungssektor, in denen Australien sehr stark ist. Angesichts des günstigen australischen Dollars dürfte dieser Trend auch durchaus anhalten. Im Australien Fonds haben wir daher die Nicht-Rohstoff-Investments zurzeit mit rund 75% gewichtet.

Smart Investor: Herr Schröder, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Christoph Karl

Über Wilhelm Schröder:

Wilhelm Schröder

Wilhelm Schröder absolvierte eine Landwirtschaftslehre und studierte Agrarwissenschaften, bevor er 1986 australischer Stockbroker wurde. Ab 1989 war er Niederlassungsleiter der australischen Investmentbank Macquarie in München. Mit seiner 2005 gegründeten Schröder Equities GmbH berät er institutionelle Anleger bezüglich des australischen Marktes und fungiert als Anlageberater für den NESTOR Australien Fonds (WKN 570769).