Grafik der Woche – Kaum mehr Kredite auf den Büchern

Exposure europäischer Banken gegenüber Griechenland in Mrd. EUR

Quelle: BIS Consolidated Banking Statistics

Griechenland steht finanziell mal wieder am Abgrund. Das Verhältnis zu den EU-Partnern ist mehr als angeknackst und die Chancen/Risiken eines Euro-Austritts sind deutlich gestiegen. Die Finanzmärkte sind mit dem Thema bisher relativ gelassen umgegangen. Vielleicht auch deshalb, weil viele Marktteilnehmer unterschwellig davon ausgehen, dass am Ende doch wieder eine (Not-)-Lösung gefunden wird. Politiker, die nach wie vor gegen einen „Grexit“ sind, verweisen auf die politische Bedeutung eines Zusammenhaltes aller Nationen in Europa. Außerdem wird auf unberechenbare Risiken im Falle eines Euro-Austritts Griechenlands verwiesen.

Zu Beginn der EU-Krise wurde als eine der wichtigsten Schwachstellen im System der Bankensektor ausgemacht. Doch inzwischen hatten die Kreditinstitute viel Zeit sich auf die Krisensituation einzustellen und ihre Bücher so weit wie möglich zu bereinigen. Senior Credit Analyst Christian Götz von der Landesbank Baden-Württemberg hat sich die Lage angesehen und er kommt zu dem Schluss, dass die direkte Verflechtung seit dem Schuldenschnitt und dem Verkauf griechischer Töchter (beispielsweise durch die französische Crédit Agricole im Herbst 2012) signifikant abgenommen haben.

Er verweist auf Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), wonach die direkten Forderungen (ohne Derivate / Garantiezusagen / Vorsorgerückstellungen) europäischer Banken Ende 2010 noch bei 128 Mrd. USD lagen. Dieser Betrag ist inzwischen auf 34 Mrd. USD gesunken (siehe Grafik oben). Ganz aktuell könnte das Exposure sogar noch etwas weiter heruntergefahren worden sein, da die Statistik der BIS nur bis Ende September 2014 reicht. Die Forderungen an öffentliche Haushalte bezeichnet er als vernachlässigbar, weil sie kaum 6% dieser Gesamtsumme ausmachen. Den Großteil bilden in etwa jeweils zur Hälfte Forderungen an den Privat- sowie an den Bankensektor.

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Deutsche Institute sind neben britischen und amerikanischen Banken mit rund 13 Mrd. USD absolut betrachtet die größten Gläubiger (siehe Grafik unten). Allerdings müsse das in Relation zu ihren gesamten Auslandsforderungen in Höhe von 2,4 Bio. USD gesehen werden. Vor diesem Hintergrund geht Götz davon aus, dass ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion „verkraftbar“ erscheine. Gemessen an der Bilanzsumme habe die staatseigene KfW mit 3% wahrscheinlich das größte Engagement, da die Hilfsmaßnahmen Deutschlands über das Institut abgewickelt wurden. Auch die Ratingagentur S&P („This time, foreign banks have less to fear about a Grexit“) halte die direkten Folgewirkungen eines möglichen Austritts angesichts einer ausreichenden Kapitalisierung der Gläubigerbanken für „beherrschbar“. Rückstufungen bei der Kreditwürdigkeit seien daher nicht zu erwarten.

Ganz aus dem Schneider sei man deshalb aber noch nicht. Denn mögliche indirekte Effekte, wie beispielsweise aufkommende Diskussionen über ein Auseinanderbrechen der Eurozone, könnten erheblich weitreichendere Konsequenzen für Europas Bankensektor haben. In seinem Fazit hält Götz mögliche indirekten Konsequenzen für weitaus schwerwiegender, während ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für Europas Banken einen beherrschbaren Verlust darstellen dürfte.

Alleine hinter den Banken und deren Griechenland-Engagement können sich die Politiker bei ihrer Entscheidung darüber, ob es zu einem „Grexit“ kommen soll oder nicht, also nicht mehr verstecken. Insbesondere dann nicht, wenn es gelingt, bei einem „Grexit“ glaubhaft zu versichern, dass der Rest der Euro-Zone zusammenhalten wird und der Euro erhalten bleiben wird. Gelingt das, könnte die europäische Einheitswährung vielleicht sogar an Statur gewinnen, denn je weniger schwache Glieder sich in so einem Währungsverbund befinden, um stärker dürfte dieser letztlich sein.

Exposure der Auslandsbanken gegenüber Griechenland in Mrd. EUR

Quelle: BIS Consolidated Banking Statistics

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