Aktien Update – Rocket Internet SE

Mit den Zahlen für das Jahr 2014 legt die Berliner Internetholding Rocket Internet zum ersten Mal einen Geschäftsbericht vor. Positiv bewertet Rocket in seiner Meldung vor allem die Entwicklung der sogenannten Proven Winners, so nennt das Unternehmen die am weitesten entwickelten Internet-Geschäftsmodelle aus seinem Portfolio. Deren Volumengewichteter Nettoumsatz sei im Vergleich zu 2013 um 82% gewachsen, die durchschnittliche EBITDA-Marge betrage dabei 21%.

Der Last Portfolio Value (LPV), also der von Rocket selbst angesetzte Wert für seine Beteiligungen sei sogar um 0,5 Mrd. EUR gestiegen. Seit Beginn des laufenden Jahres durch den Erwerb weiterer Beteiligungen im Food-Segment (unter anderem Delivery Hero) sogar um weitere 0,7 Mrd. EUR. In Summe arbeiten nun mehr als 30.000 Beschäftigte in 110 Ländern für die einzelnen Beteiligungen der Berliner Internet-Schmiede. Das klar erklärte Ziel der hinter Rocket stehenden Samwer-Brüder ist der Aufbau eines der größten Internet-Unternehmens außerhalb der USA und Asiens.

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SI-Kommentar: Wenn die Zahlen von Rocket eines belegen, dann ist es die Tatsache, dass die Zahlen bei Rocket nicht entscheidend sind. Denn schließlich erzielt die an der Börse mit rund 7,5 Mrd. EUR bewertete Berliner Beteiligungsgesellschaft auch im vergangenen Jahr lediglich rund 104 Mio. EUR Umsatz, im Wesentlichen durch Servicedienstleistungen für seine diversen Töchter. Viel entscheidender sind daher die für das Portfolio angesetzten Werte, und hier berichtet Rocket wie in der Vergangenheit von einer wundersamen Geldvermehrung. Schließlich bewertet Rocket seine Beteiligungen stets zum Wert der letzten Finanzierungsrunde, insgesamt sollen sie nun rund 3,1 Mrd. EUR wert sein (Vorjahr 2,6 Mrd. EUR).

Der kleine Haken an der Sache: In der Regel nimmt Rocket an den Finanzierungsrunden selber teil, erst recht seit der Börsengang im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro in die Kasse der Samwers gespült hat. Rocket macht sich also sozusagen die Bewertung seiner Töchter selbst. Dies wird auch auf absehbare Zeit so bleiben, schließlich sollen in 2015 z.B. die Beteiligungen an foodpanda, HelloFresh und Home24 auf über 50% gesteigert werden.

Die Börsenstory von Rocket basiert auf dem Boom der Internet-Aktien und Marketing-getriebenen eCommerce Geschäftsmodellen. Solange diese Blase läuft, lässt sich für die Beteiligungen von Rocket jeder Phantasiepreis begründen. Die Firmen aus der Samwer-Schule wachsen auf Gedeih und Verderb. Mit enormen Summen sollen Marken und globale bzw. regionale Marktführer geschaffen werden.

Kleines Beispiel: foodpanda, eine App für Essenslieferdienste in Emerging Markets, 6,7 Mio. EUR Umsatz und eine tiefrotes EBITDA von -38,5 Mio. EUR, wird mit einem Wert von 403,8 Mio. EUR bewertet, der 52% Anteil von Rocket damit mit mehr als 210 Mio. EUR. Die angesetzten Beteiligungswerte von Rocket sind zu einem großen Teil Wetten, die wohl nicht in jedem einzelnen Markt aufgehen werden.

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