Smart Investor 5/2015 – Interview Peter Boehringer

Smart Investor im Gespräch mit dem Edelmetallexperten Peter Boehringer über sein neues Buch „Holt unser Gold heim“ und seine Initiative zur Rückholdung der Goldbestände der Deutschen Bundesbank

Smart Investor: Herr Boehringer, Sie engagieren sich seit vielen Jahren für das Thema Gold im Allgemeinen, und seit 2011 auch sehr intensiv für die Rückholung des deutschen Staatsgoldes. Was treibt Sie an?
Boehringer: Meine Motivation hat sich seit Ende der 1990er Jahre allmählich gesteigert, als die konventionellen Welt- und Wirtschaftserklärungen der Mainstream-Institutionen immer unglaubwürdiger wurden. Medien und Politik predigten die Unwahrheit. Goethe hatte das zwar schon 1828 beklagt: „In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten – überall ist der Irrtum obenauf.“ Aber ab etwa 2002 war auch ich dann intellektuell von diesen Institutionen hinreichend und täglich beleidigt, um gegen den ökonomischen und gesellschaftlichen Wahnsinn öffentlich anzuschreiben. In dessen Zentrum steht kausal ein grundfalsches Geldsystem, wie Smart Investor-Leser ja bestens wissen. Gold ist kein perfektes Geld – aber das einzige immer freiwillig von Menschen gewählte und damit das markt- und menschengerechteste, das die Welt hervorgebracht hat – übrigens ganz ohne Plan von oben, ohne Experten und ohne Zentralbanken. Währungsdeckung per Staatsgold ist damit zwar keine zwingende Voraussetzung für gutes Geld – aber eine historisch doch sehr bewährte! In meinem neuen Buch wird zudem gleich in Kapitel I aufgezeigt, dass das Zentralbankgold der Welt und speziell der deutsche Hort eine zentrale Rolle in der Statik des Weltfinanzsystems spielen.

Smart Investor: Was bringt die Bundesbank auf der anderen Seite dazu, unser Gold im Ausland zu lagern, ohne dessen Existenz zu hinterfragen?
Boehringer: Die Bundesbank wiederholt permanent: „Wir müssen im Krisenfall damit [im Ausland] handeln können.“ Diese absurde These zerfetze ich in Kapitel V des Buchs – zusammen mit über 40 anderen „Argumenten“ gegen die Heimholung. Und dass die deutsche Notenbank die Existenz des Auslandsgolds seit Jahrzehnten nicht oder nur unzureichend hinterfragt, hat leider eine sehr lange, unselige Tradition. Im Buch muss ich zum Aufzeigen dieser „Kultur des Nichtwissenwollens“ nicht nur bis Blessing 1967, sondern sogar bis Schacht 1928 [Bundesbank- bzw. Reichsbankpräsident, Anm. d. Red.] zurückgehen.

Smart Investor: Woher kamen die Hauptwiderstände gegen Ihre Initiative, oder war es eher eine volle Breitseite von Politik und Medien? Was sind die nächsten Etappenziele?
Boehringer: In der Tat war es neben der Bundesbank selbst die Phalanx der üblichen Verdächtigen – also der systemtreuen Büttel der papiergeldfinanzierten Macht in Politik und Medien, die sofort die bewährten Rezepte „Ignorieren“ und „Lächerlich machen“ auch gegen uns anwenden wollten. Wie im Buch aufgezeigt wird, funktionierte diese Strategie aber nicht, weil man die Aufforderung zum Einhalten gesetzlicher Auditierungsvorschriften und unsere Hinweise auf wirtschaftliche und politische Selbstverständlichkeiten auf Dauer nicht als Verschwörungstheorien abtun kann, ohne sich selbst lächerlich zu machen. Im Ausland ist genau dies geschehen: Die internationale Medien- und Finanzwelt hat sowohl die Seriosität als auch die Bedeutung unserer Kampagne erkannt. Die absurden Ausreden und Verzögerungstaktiken der Bundesbank gegen jede Art echter, belegter Transparenz beim deutschen Staatsgold unterminieren zunehmend die Glaubwürdigkeit der Bundesbank und ihrer „Treuhänder“ Federal Reserve und Bank of England. Darum ist es unser Ziel, die bereits mehr als zwölf Nachahmer-Initiativen zu stärken und echte Heimholungen nicht nur nach Deutschland, sondern in alle Heimatländer des Goldes zu erreichen. Die aktuellen Goldabfluss-Statistiken der New Yorker Federal Reserve etwa zeigen, dass sich der Prozess nach Jahrzehnten des Stillstands weiter beschleunigt und sich der Druck auf die noch zu inaktiven Zentralbanken zur Heimholung ihres Auslandsgolds ständig verstärkt. Auch die Deutsche Bundesbank wird dann ihren zu langsamen Heimholungsplan erheblich beschleunigen müssen.

Buchcover Boehringer
„Holt unser Gold heim – Der Kampf um das deutsche Staatsgold“ von Peter Boehringer, FinanzBuch Verlag, 432 Seiten, 19,99 EUR

Smart Investor: Warum sollte sich die Deutschen um das Staatsgold sorgen, auf das sie sowieso zu keinem Zeitpunkt direkten Zugriff hatten, wenn sie sich auch ganz einfach ihre eigene private Goldreserve anlegen können?
Boehringer: Das eine schließt das andere ja nicht aus: Auch wer privat oder betriebswirtschaftlich mit Gold im eigenen Keller bzw. im Unternehmen bereits vorsorgt, kann ja zugleich als Familienvater oder Unternehmenslenker durchaus geldpolitisch verantwortungsvoll und volkswirtschaftlich patriotisch über den Tellerrand und hinter den Horizont der aktuellen Generation hinausschauen. Unsere Initiative wurde schon 2011 u.a. damit begründet, dass Deutschland sich die Option der Teil-Deckung einer künftigen neuen Währung erhalten müsse. Doch ja: Wer wie Theo Waigel noch immer glaubt, dass es den ungedeckten Euro „noch in 400 Jahren“ geben wird, der braucht sich ums Staatsgold keine Gedanken zu machen…

Smart Investor: Was könnte der Auslöser sein, um die Wahrheit bezüglich des deutschen Goldes ans Tageslicht zu bringen?
Boehringer: Nach den Erfahrungen der vergangenen vier Jahre wird es keinen plötzlichen Katalysator geben, der die volle Wahrheit zutage bringen wird. Die Bundesbank brauchte und braucht permanenten öffentlichen Druck, um unendlich langsam immer mehr Infos zum Staatsgold herauszurücken. Zunächst 2012 nur zu den Lagerstellen, dann begann 2013 ein quälend langer und unzureichender Heimholungsprozess, der sich 2014 beschleunigte. Ab 2015 müssen wir nun die Bundesbank dazu bewegen, das gesamte deutsche Gold zügig heimzuholen und nicht nur 700 (von 2.200 verbleibenden) Auslands-Tonnen bis 2020. Zudem müssen wir Belege und viel mehr Transparenz auch zur bereits in Deutschland lagernden Ware erhalten. Wir haben belastbare Insiderinfos, dass die von uns seit 2011 geforderten Barrennummernlisten dieses Jahr endlich durch die Bundesbank veröffentlicht werden! Hoffentlich glaubhaft, denn auch solche Listen belegen natürlich alleine weder die Existenz der behaupteten Barren noch den Status bezüglich deren Verleih.

Smart Investor: Herr Boehringer, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Interview: Ralph Malisch, Christoph Karl

 

Peter Boehringer ist Gründungsvorstand der Deutschen Edelmetall-Gesellschaft e.V. und Hauptinitiator der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim!“, die entgegen vielfacher Erwartung seit 2013 zu einer tatsächlichen Heimholung eines Teiles des deutschen Goldbestandes geführt hat. Er ist einer der am meistgelesenen deutschsprachigen Autoren zum Thema Gold, unter anderem durch seinen Blog auf goldseiten.de. Bevor er sich dem Thema Edelmetalle widmete, war er unter anderem in führenden Positionen bei Booz & Co, 3i und der European Telecom Holding tätig.