Smart Investor 6/2014 – Ausländische Beteiligungsgesellschaften

Ausländische Holdinggesellschaften eröffnen Anlegern die Expertise milliardenschwerer Profis. Statt über die mühsame Selektion von Einzeltiteln oder den Kauf eines Länderfonds können Anleger mit ausländischen Beteiligungsgesellschaften ganze Märkte mit einer einzelnen Aktie abdecken. Aktionäre können mit solchen Holdinggesellschaften einen lokalen Multimilliardär statt eines unerfahrenen Fondsmanagers für sich arbeiten lassen. Statt teurer Managementvergütungen steuern diese ihre börsennotierten Familiengesellschaften häufig für ein schmales Honorar – schließlich sitzen sie in der Regel als Hauptaktionär mit den Anlegern im selben Boot.

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Das Beste aus Amerika
Dies gilt allen voran für Berkshire Hathaway (IK), der Holdinggesellschaft von Warren Buffett, dem immer noch mehr als 30% des Konglomerates gehören. Das Unternehmen ist für Anleger die perfekte Alternative zu einem US-Aktienfonds, schließlich managt hier der berühmteste Value-Investor aller Zeiten das Portfolio. Immer öfter erwirbt Buffett jedoch komplette Unternehmen, so z.B. im letzten Jahr Heinz Ketchup, Van Tuyl Automotive oder Duracell. Neben Industrie und Handel ist die Holding vor allem im Versicherungsgeschäft aktiv. Eine Branche, die Buffett liebt wie keine zweite. Denn die Prämien der Versicherten stehen temporär für weitere Investments zur Verfügung. Zwar stimmte Buffett seine Anleger im diesjährigen Aktionärsbrief auf zukünftig moderatere Renditen ein – alleine aufgrund der bestehenden Beteiligungen geht er jedoch davon aus, dass Anleger langfristig mit der Aktie praktisch kein Geld verlieren können. Im „Großen Bild“ in Smart Investor 6/2015 berichten wir Ihnen über Neuigkeiten vom 50. „Woodstock der Kapitalisten“, der jährlichen Hauptversammlung des Unternehmens.

Asien für 1x Buchwert
Den idealen Einstieg in das asiatische Aktienuniversum können Anleger mit der Aktie von CK Hutchison tätigen, die sich auch in unserem Musterdepot (Smart Investor 6/2015, S. 70) befindet. Die Holding des reichsten Mannes Asiens, Li Ka-shing, dominiert die Wirtschaft Hongkongs und besitzt Investments in ganz Asien und Europa. Der durch den Handel mit Plastikblumen und Immobilien reich gewordene Li kaufte in den 70er Jahren mit seiner Holding Cheung Kong das ehemals britische Kolonialunternehmen Hutchison Whampoa. Erst dieses Jahr fusionierte der Multimilliardär seine beiden Unternehmen zu CK Hutchison. Dort übt er als Hauptaktionär maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft aus. CK Hutchison ist heute im Immobiliengeschäft, im Einzelhandel, im Betrieb von Hafeninfrastruktur, dem Mobilfunk und einer Reihe weiterer Industrien tätig. Die Aktie notiert – trotz einer zuletzt sehr erfreulichen Entwicklung – noch immer nur knapp über dem bilanziellen Buchwert des Eigenkapitals.

BerkshireSchweden im Paket
Die traditionsreiche schwedische Investor AB ist die Holding der Wallenberg-Familie und eines der größten Unternehmen des Landes. Investor ist am Who-is-who der dortigen Wirtschaft beteiligt, so unter anderem an der SEB Bank, Saab, Ericsson oder Electrolux. Mit EQT besitzt Investor AB ein eigenes Private-Equity-Unternehmen mit einem hervorragenden Track Record bei europäischen Buy-outs. 77% der vom Unternehmen verwalteten Gelder sind in börsennotierten Beteiligungen investiert, 10% in mehrheitlich gehaltenen privaten Beteiligungen. In den vergangenen 20 Jahren konnte sich die Performance der Aktie sehen lassen: Inklusive Dividenden konnten die Anleger zusammen mit den Wallenbergs eine Rendite von mehr als 800% realisieren.

JardineVon Opium zu Immobilien und Autos
Ebenfalls auf eine stolze Historie kann Jardine Matheson verweisen. Die Holding war einst eines der traditionsreichen Hongkonger Opium-Handelshäuser, den sogenannten Hongs. Kontrolliert wird die Gesellschaft durch die schottische Keswick-Familie. Diese ist nun bereits in der fünften Generation in die Führung des Unternehmens involviert. Jardine ist unter anderem an Hongkong Land, einem Immobilienunternehmen, der Hotelkette Mandarin Oriental, dem asiatischen Einzelhändler Dairy Farm (betreibt unter anderem mehrere IKEA-Filialen in Asien) und dem indonesischen Automobilunternehmen Astra (u.a. Lizenz für Toyota und BMW) beteiligt. Mit der sich abzeichnenden Rückgabe Hongkongs von England an das kommunistische China verlegten die Keswicks den juristischen Sitz ihrer Unternehmen auf die Bermudas. Durch eine Überkreuzbeteiligung mit der ebenfalls börsennotierten Jardine Strategic errichteten sie einen Schutz vor ungewollten Übernahmen. Auch wenn die Zeiten des Opiumhandels lang vorbei sind – Jardine ist noch immer eines der bedeutendsten Konglomerate Asiens.

Hotels und Ölplattformen
Die häufig auch als „Mini-Berkshire“ bezeichnete Loews Corp ist die Holdinggesellschaft der Familie Tisch. Die beiden Brüder Lawrence und Robert Tisch bauten ihr Imperium von Anfang an auf den Prinzipien des Value-Investing auf. Das Unternehmen besitzt heute vier operative Standbeine: CNA Financial, eine der größten Versicherungen für Gewerbeimmobilien in den USA, Diamond Offshore Drilling, einer der weltweit führenden Dienstleister für Offshore-Ölbohrungen und Besitzer von Ölplattformen, Boardwalk Pipeline Partners, ein Gas-Pipeline-Infrastrukturunternehmen, und die dem Unternehmen seinen Namen gebenden Loews Hotels. Zu dieser Hotelgruppe gehört unter anderem auch das legendäre in der Park Avenue gelegene Loews Regency New York. Die Aktie notiert deutlich unter dem Buchwert, ertragsseitig schlagen sich derzeit gerade die Probleme im Offshore-Drilling-Segment auf die Ergebnisse der Holding durch. Die Tatsache, dass es die Value-Holding derzeit mit einem Sicherheitsabschlag zu kaufen gibt, könnte früher oder später einen Aktionärsaktivisten auf den Plan rufen (s. Artikel auf S. 16 in Smart Investor 6/2015).

Japanische Technologieholding
Die Software-, Technologie- und Internetholding Softbank des Milliardärs Masayoshi Son war in den Jahren der New Economy einer der Shooting Star unter den japanischen Aktien. Seitdem hat sich das Unternehmen dramatisch gewandelt, vor allem durch den Erwerb der japanischen Mobilfunk-Aktivitäten des britischen Vodafone-Konzerns im Jahr 2006. Im Gegensatz zur teuren Alibaba-Aktie können sich Anleger mit Softbank über die Hintertüre beim chinesischen Internetgiganten einkaufen – Softbank besitzt immerhin rund 32% der Anteile an dem Unternehmen. Die Aktie notiert bei einem KGV von 14 und ca. 40% unter dem Wert der Einzelteile. Weitere Details zu Softbank finden Sie in der Rubrik „Buy or Good Bye“ auf S. 64 (in Smart Investor 6/2015).

Fazit
Ausländische Holdinggesellschaften eröffnen Anlegern völlig neue Horizonte. Zum Einstieg in fremde Märkte stellen diese Aktien eine perfekte Plattform dar.