Chart der Woche – Umkehrschub

Drastische Abwertung des chinesischen Renminbi

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Es ist der dritte Tag in Folge, an dem die chinesische Regierung den Kurs des Renminbi dramatisch abwertet. Nach einer Anpassung um 3,4% nach unten am Dienstag und Mittwoch dieser Woche gab es am heutigen Donnerstag eine Abwertung um weitere 1,1%. Angesichts der neuen Politik, die besagt, dass der Schlusskurs des Vortages eine bestimmende Größe auf die Festlegung des Referenzsatzes der Notenbank bekommt, ist dies kaum verwunderlich. Statt eines politisch motivierten Zuges hat Peking daher wohl einfach dem Druck der Märkte nachgegeben – nicht ganz uneigennützig, versteht sich! Der Spot-Preis (der im internationalen Devisenhandel bestimmt wird) und der Referenzsatz (der politisch festgelegt werden) sind daher zum ersten Mal seit Jahren nahezu identisch (siehe Chart unten).

Weltweit hat der unerwartete Schritt jedoch massive Panik an den Märkten zur Folge gehabt. Und dies aus mehrerlei Gründen: Bereits im gestrigen Smart Investor Weekly berichteten wir darüber, dass nun auch in China selbst der Glaube an die dortigen Wachstumszahlen endgültig verloren gegangen sein könnte. Ausländische Beobachter rätseln zudem über eine weitere Motivation: Könnte es sein, dass die Führung Chinas angesichts der schwachen Wachstumszahlen nun ihr Vorhaben, eine funktionierende Binnenwirtschaft aufzubauen, vorerst aufs Eis gelegt hat? Denn mit einer schwachen Währung könnte man die zuletzt arg gebeutelte Exportwirtschaft elegant beleben.

Gleichzeitig sorgen sich Beobachter um eine Wiederholung der Asienkrise. Diese war zwar erst 1997 ausgebrochen, eingeleitet wurde sie jedoch durch eine 33%-Abwertung des Renminbi im Jahr 1994. Durch die wettbewerbsfähigere chinesische Währung hatten die asiatischen „Tigerstaaten“ damals das Nachsehen. Ein Vergleich, der dennoch etwas hinkt: Anders als 1994 haben die restlichen asiatischen Währungen in der Vergangenheit bereits deutlich abgewertet. China ist diesmal also eher der Nachzügler, als der Vorreiter.

In ihrer heutigen Pressekonferenz versuchte die PBOC (People’s Bank of China) daher auch zu beruhigen: Der Renminbi könne bereits in naher Zukunft wieder in eine Aufwertungsbewegung übergehen, Gerüchte über eine 10% Abwertung seien völlig haltlos. Politisch motivierte Aussagen in China sind jedoch stets mit Vorsicht zu genießen, der weitere Kurs in der Währungspolitik ist eine offene Frage. Trotz aller Spekulationen ist zunächst eine Tatsache ein Fakt: Die Regierung in Peking zeigt zunehmenden Aktionismus. Ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen für die chinesische Konjunktur ist, muss jeder selbst interpretieren…

Schwankung des Spotpreises innerhalb der von der PBOC zugelassenen Bandbreite

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