Kolumne

Gastbeitrag von Carsten Salzig, HWB Capital Management

Mit der Vereidigung der neuen Regierung beginnt in Argentinien im Dezember eine neue Zeitrechnung. Der amtierenden Präsidentin des Landes – Cristina Fernández de Kirchner – ist eine dritte Amtszeit in Folge nicht gestattet. Nach den Vorwahlen im August steht nun fest, dass entweder der aktuelle Gouverneur der Provinz Buenos Aires (Daniel Scioli) oder aber der scheidende Bürgermeister der Stadt Buenos Aires (Mauricio Macri) das Rennen um das Präsidentschaftsamt unter sich entscheiden.

Ende des „Kirchnerismo“
Mit unterschiedlicher Akzentuierung sind beide Kandidaten Männer der Wirtschaft, die dem linkspopulistischen Politikmodell der Kirchner-Ära ein Ende bereiten dürften. Dies ist auch bitter notwendig, nachdem innerhalb der 12 Jahre währenden Amtszeit des „Kirchnerismo“ die hohen Aufwendungen für Subventionen und Sozialprogramme die Staatskassen geleert und die Inflation angeheizt haben. Die neue Administration wird die Haushaltsführung disziplinieren müssen. Auch auf den Währungsreserven von knapp 30 Mrd. USD kann sich das Land nicht ausruhen. Vor allem deshalb nicht, da sich der Preis für das Hauptexportgut Soja seit dem vergangenen Jahr deutlich verbilligt hat. Hinzu kommt die Notwendigkeit eines schrittweisen Abbaus der Kapitalverkehrskontrollen. Diese hatten ausländische Direktinvestitionen in den letzten Jahren an Argentinien vorbei in andere Länder Südamerikas fließen lassen. Die Lösung des Investitionsstaus würde einen neuen Boom in der argentinischen Wirtschaft befeuern – dessen Lorbeeren der neu gewählte Präsident für sich beanspruchen könnte. Beide Kandidaten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Und beide Kandidaten haben erkannt, dass der politische Erfolg der erforderlichen makroökonomischen Anpassungen nur mit einer gleichzeitigen Überwindung der Kreditrestriktionen erreicht werden kann.

Rückkehr an den Kapitalmarkt
Der Marktzugang ist Argentinien seit der Staatspleite von 2001 nahezu verwehrt, nachdem einige Gläubiger die seinerzeitigen Umtauschangebote abgelehnt und den sich anschließenden Rechtsstreit in 2014 vor US-Gerichten erfolgreich abschließen konnten. Erst die Beilegung des Konflikts mit den Holdouts wird es der neuen Regierung ermöglichen, den dann deutlichen Rückgang der Risikoaufschläge für eine Rückkehr Argentiniens an den internationalen Kapitalmarkt nach fast 15 Jahren nutzen zu können. So wie überraschenderweise jüngst auch der aktuelle Wirtschaftsminister des Landes haben sich beide Kandidaten bereits für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Altgläubigern ausgesprochen. Einer kurzfristigen Einigung nach den Präsidentschaftswahlen steht demnach nichts im Wege. Die Kursrally der Altanleihen der vergangenen Monate deutete diese Entwicklung bereits an. Wurden die Forderungen rechtzeitig gerichtlich festgestellt, winkt bei vollem Forderungsausgleich nochmals ein weiterer massiver Aufschlag auf den aktuellen Kurswert. Investoren in den Altanleihen sollten sich also entspannt zurücklehnen.

 

Über Carsten Salzig:

portrait_carsten_salzig_printVorstand Carsten Salzig zeichnet für die Produktkommunikation bei HWB Capital Management verantwortlich.